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29.01.2001

19:29 Uhr

Zetsche kündigt Werksschließungen in Mexiko, Argentinien und Brasilien an

Chrysler kappt 26 000 Stellen

Daimler-Chrysler will seine US-Sparte Chrysler gesundschrumpfen. Jede fünfte Stelle soll nach Angaben von Vorstandschef Zetsche wegfallen.

ajo/hus/weg STUTTGART. Die Daimler-Chrysler AG hat schneller als erwartet einen Sanierungsplan für die US-Sparte Chrysler vorgelegt: Binnen drei Jahren will sie hier 26 000 der 128 000 Stellen streichen. "Diese Entscheidungen sind absolut notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben, ja um zu überleben", sagte Dieter Zetsche, seit November Chef der Chrysler Group, gestern in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Angaben zu den Kosten des Stellenabbaus machte er zunächst nicht.

Kommentar: Ein erster Schritt

Zetsche war im November von Stuttgart in die Chrysler-Zentrale nach Auburn Hills entsandt worden, um die US-Sparte zu sanieren. Sie war nach einem Rekordabsatz zu Beginn des Jahres 2000 in der zweiten Jahreshälfte vor allem wegen hoher Rabatte auf Neuwagen in die roten Zahlen gerutscht.

Die Börse reagierte nach der Ankündigung des massiven Arbeitsplatzabbaus negativ.

Hier der 3-Monatsverlauf

Analysten nahmen Zetsches Pläne in ersten Reaktionen grundsätzlich positiv auf. "Ich bin beeindruckt", sagte Joe Harrigan von Credit Suisse First Boston. Er habe nicht mit einer so zügigen Umsetzung des Stellenabbaus gerechnet. Er erwartet, dass Chrysler bereits im vierten Quartal 2001 beim Betriebsergebnis wieder in die schwarzen Zahlen kommt. Dabei ist der Umstrukturierungsaufwand noch nicht eingerechnet. Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim erklärte den Kursrückgang an der Börse mit Gewinnmitnahmen.

Manche Analysten wie Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sehen die Gewinnwende erst im Jahr 2002. Unklarheit herrscht über die finanziellen Auswirkungen des Stellenabbaus. "Es gibt noch zu wenig Zahlen", sagte Albrecht Schoengraf vom Bankhaus Delbrück. Dem pflichteten andere Analysten bei. Pieper kommt in einer ersten Schätzung auf zwei bis drei Milliarden Dollar Sonderbelastungen durch die Umstrukturierung.

Zweifel, ob die Sanierungspläne ausreichen, äußerte David Garrity von der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson. "Chrysler braucht attraktive Produkte. Ein Stellenabbau hilft allenfalls kurzfristig, Kosten zu sparen. Er garantiert aber keine bessere Zukunft", sagte er.

Den Personalabbau soll Chrysler ganz überwiegend über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen bewerkstelligen. Nach Darstellung Daimler-Chryslers sind fast 29 000 Beschäftigte bei Chrysler entweder rentenberechtigt oder können an Vorruhestandsprogrammen teilnehmen. Drei Viertel des Stellenabbaus sollten noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden, sagte Zetsche.

Er betonte, dass sich der Konzern im Grundsatz mit der US-Automobilgewerkschaft UAW einig sei. Erich Klemm, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und stellvertretende Aufsichtsratschef, zeigte sich zufrieden, "dass eine Einigung mit den Gewerkschaften zu Stande kam" und Lösungen gefunden wurden, die man "in Deutschland sozialverträglich nennt".

Schließen wird Chrysler Produktionsstätten in Mexiko, Brasilien und Argentinien. Dort müssen mehr als 3 000 Beschäftigte gehen.

Das findet Analyst Garrity allerdings kurzsichtig. Es sei langfristig fragwürdig, ausgerechnet in Niedriglohnländern Fabriken zu schließen, erklärte er. In den Vereinigten Staaten und Kanada wird nur ein Werk geschlossen. Dabei handelt es sich um eine Motorenfabrik in Detroit. Größere Schließungen verhindert ein Abkommen des Konzerns mit der UAW.

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