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28.01.2003

16:29 Uhr

Zielbereich zwischen 2 200 und 2 300 Punkten

Technische Analysten sehen beim Dax viel Luft nach unten

Neue langjährige Dax-Tiefstände werden in der Gilde der technischen Aktienanalysten zunehmend zum Thema. Ein Zeichen dafür sei bereits der negative Vorlauf des Londoner Aktienmarkts mit dem freien Fall des FTSE-100-Index, so übereinstimmend Volker Bien, technischer Analyst der HypoVereinsbank, und die technischen Analysten von Commerzbank Securities - Pan European Index Research. Stephen Schneider von der WGZ-Bank sieht die Konstellation der Indikatoren als Hinweis für deutlich fallende Kurse an. Sie alle nennen den Bereich zwischen 2 200 und 2 300 Punkten als mögliches Ziel für den derzeitigen Rückgang des Dax.

vwd FRANKUFRT/LONDON. Bien stimmt vor allem die Marktdynamik bedenklich. Einerseits sei der Dax-Rückgang von einem hohen Momentum bestimmt. Das deute zwar daraufhin, dass der Markt überverkauft sei. Andererseits fehlten aber so genannte positive Divergenzen, die häufig starken technischen Reaktionen vorausgingen. Außerdem hätten wichtige Volatilitäts-Indikatoren keine neuen Höchststände markiert, ein Zeichen, dass ein bereinigender Sell-Out nicht stattgefunden habe.

Zudem habe der Markt im vergangenen Jahr Dax-Stände deutlich unter 2 950 nicht akzeptiert, der Dax habe dort sehr stark ausgeschlagen, die Spreads der Dax-Werte seien groß und damit von Panik geprägt gewesen. Nun gebe es aber die Gefahr, dass sich der Dax deutlich unter dem bisher gut akzeptierten Niveau zwischen 2 950 und 3 250 Punkten festsetze.

Viele Anleger waren auf rückläufige Kurse eingestellt

Viele Anleger hätten zwar auf einen deutlichen Kursanstieg im laufenden Jahr gesetzt, seien aber doch auf rückläufige Kurse eingestellt gewesen und hätten deshalb Absicherungspositionen über den Jahreswechsel gehalten, so Bien zu dem, wie er sagt, "geordneten Rückzug der Kurse". Das mittelfristige Abwärtspotenzial macht er nun am FTSE-100 und am S&P-500 fest. Der FTSE-100 habe Anfang 1994 bei 3 530 Punkten gestanden und damit knapp über dem derzeitigen Niveau. Da stand der Dax bei 2 280 Punkten.

Die technischen Analysten von Commerzbank Securities - European Index Research meinen zum FTSE-100, mit dem Fall unter 3 600 Punkte in den vergangenen Tagen habe der Index ein Signal für eine Fortsetzung der Baisse und damit ein weiteres Verkaufssignal gegeben. Sie sehen zunächst ein Abwärtspotenzial bis in den Bereich zwischen 3 200 und 3 000 Punkte. Bien verweist darauf, dass der FTSE-100 bis Mitte 1994 sogar auf 2.844 Punkte fiel. Zwar markierte der Dax parallel ein Tief bei 1 950 Punkten. Doch so tief muss es auch bei einem Fall des FTSE mit dem Dax in diesem Rückgang nicht gehen, so der Analyst der Hypo-Vereinsbank.

Denn die Schwäche des FTSE-100-Index begründen sowohl die Commerzbank-Gruppe als auch Bien mit den Verkaufssignalen so genannter defensiver Werte in Europa, die den FTSE stark prägen, den Dax aber nicht. Dazu gehören die Öl- und Gaswerte, Konsumaktien wie Diageo, Pharmawerte wie AstraZeneca und Glaxo oder die britischen Banken. Sie alle hätten drei Jahre Baisse vergleichsweise gut verkraftet. Nun seien Verkäufe in solchen defensiven Werten häufig ein Signal, dass die Baisse in eine späte Phase eintrete, so Bien. Bedenklich und untypisch sei aber, dass die Verkäufe gerade jetzt so starke mittelfristige Verkaufssignale erzeugten.

Gegen eine starke Erholung an den Märkten spreche auch die Situation im S&P-500. Das Unterschreiten der zuvor "stark akzeptierten" Unterstützung bei 890 und dann der 870er Marke habe vermutlich einen Impuls nach unten ausgelöst.

Schneider verweist zunächst auf den intakten Abwärtstrend. Der MACD als Trendfolgenindikator befinde sich im freien Fall, so der technische Analyst der WGZ-Bank. Die Abwärtsdynamik nehme zu. Der Dax werde vermutlich am Oktober-Tief von 2 520 Punkten kurz verschnaufen und dann weiter fallen. Erstes Ziel sei ein Stand knapp über 2 200 Punkten. Dort werde die Indikatorenkonstellation Aufschluss über die weitere Entwicklung geben, so der Analyst der WGZ-Bank.

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