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27.01.2003

08:29 Uhr

Ziele im Privatkundengeschäft nicht erreicht

SEB setzt in Deutschland nun auf den Mittelstand

Die schwedische Bank SEB sucht in Deutschland nach neuen Wachstumswegen. Nachdem die ehrgeizigen Erwartungen im Privatkundengeschäft mit der Börsenblase zerplatzten, soll nun das Geschäft mit mittelständischen Firmen ausgebaut werden. "Wir wollen die Erträge in den nächsten Jahren signifikant ausweiten", sagte Annika Bolin an, im SEB-Konzern für den Bereich Corporates & Institutions zuständig.

pot/van FRANKFURT/M. Die deutsche Tochter SEB AG zählt im Firmenkundengeschäft hier zu Lande zu den Nischenanbietern. Wichtigstes Geschäftsfeld der SEB, die 1999 die frühere Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) gekauft hatte, ist das Privatkundengeschäft mit rund 300 Filialen und einer Million Kunden. Diese Sparte stand bei der BfG-Übernahme eindeutig im Fokus und macht zwei Drittel des Gesamtgeschäfts aus.

Auf Firmenseite zählt das Institut neben rund 600 Deutschland-Ablegern skandinavischer Konzerne etwa 300 mittelständische Kunden. Allerdings beschränkt sich die Bank bisher auf die Kreditvergabe. Nachdem die Zukunft des Firmengeschäfts nach dem BfG-Kauf zunächst im Dunkeln lag, hat das Management jetzt auf Wachstum umgeschaltet. Doch wolle man keine neuen Kunden gewinnen, die nur Kredite nachfragen, stellt Bolin klar. Vielmehr will die Bank - ähnlich wie der Rest der Branche - vermehrt andere Finanzdienstleistungen in den Bereichen Devisenhandel, strukturierte Finanzierungen und Cash-Management anbieten. Gerade im Devisengeschäft per Internet, das in Schweden weit verbreitet sei, sieht Bolin gute Chancen.

Parallel zum Ausbau der Produktpalette soll im Merchant Banking - dazu zählt die SEB AG neben den Firmenkunden auch das Geschäft mit institutionellen Kunden - die Zahl der Mitarbeiter von 290 auf 330 aufstockt werden. Für 2005 wird ein Gewinn von 50 Mill. Euro angepeilt. Derzeit ist es weniger, genaue Zahlen nannte Bolin aber nicht. Sie räumte aber ein, dass der SEB-Konzern in Deutschland auf längere Sicht weniger verdienen werde als in Schweden. Dort wirft das Merchant Banking eine Rendite von 21 % ab, in Deutschland werden 15 % angepeilt. Die höhere Rentabilität in Nordeuropa führt Bolin u.a. auf die Präsenz der Sparkassen in Deutschland zurück, die anders als private Banken ihre Kapitalkosten kaum berücksichtigen müssten.

Sie machte keinen Hehl daraus, dass das Firmenkundengeschäft auch deshalb stärker in den Blickpunkt rückt, weil das Privatkundengeschäft nicht so gut läuft wie erwartet. Wegen der Börsen- und Konjunkturkrise hat die Bank ihre Ambitionen zurückschrauben müssen. So ist von dem ehrgeizigen Ziel, die Kundenzahl von derzeit rund einer Million bis zum Jahr 2005 auf 1,5 Millionen zu erhöhen, mittlerweile nichts mehr zu hören. Allerdings hatte die Bank kürzlich die Bereitschaft zu Zukäufen im Privatkundengeschäft signalisiert.

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