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27.07.2000

19:13 Uhr

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Zoo-Aktien: Ein tierisches Vergnügen

VonJoachim Hofer

So exotisch wie ihre Tiere sind auch die Aktien der Tierparks: Die Titel werden kaum gehandelt, sind mitunter sehr teuer und werfen keine Dividende ab. Das Beispiel Berlin zeigt aber, dass sich die Anlage durchaus lohnt.

Gewiss, es gibt keinen Welt-Zoo-Index, also einen Maßstab dafür, wie sich Zoo-Aktien entwickeln. Tierparks, deren Aktien an der Börse notiert sind, finden sich dagegen eine ganze Menge. Beispiel Berlin: Für alt eingesessene Berliner gehört der Besitz einer Zoo-Aktie zum guten Ton wie das Geschirr aus der Königlichen Porzellan Manufaktur. Als Dividende erhalten die Aktienbesitzer Jahreskarten für den Zoo.

Während die Berliner, wenn sie ins Aktienbuch eingetragen sind, automatisch Freikarten bekommen, müssen sich die Anteilseigner am Münchener Tierpark Hellabrunn persönlich bei der Zoodirektion melden, um freien Eintritt zu bekommen. So war es zumindest bislang. Jetzt, da vom Nennwert 100 DM auf die nennwertlosen Stückaktien umgestellt und die Aktien dadurch im Preis massiv herabgesetzt werden, muss sich der kaufmännische Leiter des Zoos etwas Neues einfallen lassen. "Vielleicht erhalten nur die eine Eintrittskarte, die zur Hauptversammlung kommen", meint Erwin Kufner. Das wäre vielleicht ein Weg, die Teilnehmerzahl der Versammlung deutlich zu erhöhen und trotzdem eine Art Dividende zu zahlen.

Eine richtige Ausschüttung gibt es weder in München noch in Berlin - den einzigen deutschen Zoos, deren Aktien an Börsen notiert sind. Die Zoos in Köln und Duisburg haben ebenfalls Aktien ausgegeben, die allerdings nicht an der Börse gehandelt werden.



Im Ausland sind viele Zoo-Betreiber auf dem Parkett

Im Ausland sind eine ganze Reihe von Zoo-Betreibern auf dem Parkett. Beispiel Parc Paradisio: Die Belgier sind in Brüssel an der Wachstumsbörse notiert und betreiben einen Vogel-Park. Ihre Aktie ist bislang nicht abgehoben: Seit der Emission im vergangenen Juli fiel der Kurs von 22 auf zuletzt 15 Euro. Eher für Liebhaber ist auch die Aktie des Tierparks im norwegischen Kristiansand - die Zahl der Transaktionen ist gering, der Kurs wenig spektakulär.

Die Exotik nicht nur im Namen hat die Safari World Plc in Bangkok. Das an der thailändischen Börse notierte Unternehmen betreibt einen riesigen Zoo, der einen Freizeitpark einschließt. Doch die Aktie verlor seit der Erstnotiz am 16. Februar 1995 fast die Hälfte ihres Werts.

In vielen Fällen können Zoo-Liebhaber freilich indirekt in ihr Freizeitvergnügen investieren. Beispiel Disney: Der börsennotierte US-Vergnügungskonzern betreibt neben Studios, Fernsehsendern und Freizeitparks auch einen Erlebnis-Zoo. Das so genannte Animal Kingdom ist Teil der riesigen Disney-Freizeitlandschaft in Orlando.



Auch Disney leistet sich einen privaten Park

Disney ist nicht das einzige amerikanische Unternehmen, das sich seinen privaten Tierpark leistet: Der Brauereikonzern Anheuser-Busch betreibt vier Sea World Parks in Kalifornien, Florida, Texas und Ohio, den Wasser-Zoo Discovery Cove in Orlando sowie die Zoos Busch Gardens in Tampa Bay und in Williamsburg. Mit Tierparks europäischer Art haben diese riesigen Gelände wenig zu tun: Dort rasen Achterbahnen über die Käfige oder Jeeps durch die Freigehege. Im Discovery Cove gehen die Besucher mit den Delfinen ins Wasser und schnorcheln durch lebende Korallen. Sämtliche Tierparks sind Teil der Entertainment-Sparte des an der New York Stock Exchange notierten Konzerns. Für Anleger interessant: Der Bereich, zu dem noch zwei Freizeitparks gehören, konnte seinen Profit in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich steigern und erwirtschaftete in den vergangenen drei Jahren jeweils einen Vorsteuergewinn von mehr als 100 Mill. Dollar bei zuletzt 19 Millionen Besuchern im Jahr.

Auch in Europa sind Zoos mitunter Teil von Konzernen. So unterhält zum Beispiel der spanische Freizeitparkbetreiber Parques Reunidos den Tierpark von Madrid - der ist mit 800 000 Besuchern einer der größten auf dem Kontinent.

Die Zoos in Berlin und München haben mit den großen Unterhaltungskonzernen wenig gemeinsam. Gewiss, die Berliner ziehen mit über 2,5 Millionen Besuchern im Jahr mehr Menschen in den Zoo als irgendein anderer Tiergarten in Europa. Mit zahlreichen Sonderveranstaltungen gelingt es ihnen auch, zusätzlich zu den Eintrittsgeldern etwas einzunehmen. Das alles ändert jedoch kaum etwas daran, dass der Zoo auf staatliche Zuschüsse angewiesen ist. Statt eines "Gewinns pro Aktie" erwirtschaften Berliner wie Münchener aus eigener Kraft Jahr für Jahr nur einen "Verlust pro Aktie".



Berliner Zoo-Aktie ein Selbstläufer

Während die Berliner Aktie durch ihre Tradition ein Selbstläufer ist, wollen die Münchener ihre Aktie jetzt neuen Bevölkerungskreisen erschließen. Mit hübsch gestalteten Papieren, "die sich die Leute ins Wohnzimmer hängen können", hofft Erwin Kufner auf neue Anteilseigner. Die Stadt München hat Zustimmung signalisiert, ihren Anteil für einen Verkauf der Aktien zu senken. Derzeit hält sie 93 Prozent.

Als München zum ersten Mal Zoo-Aktien an die Bevölkerung verkaufen wollte, war das nur mäßig erfolgreich. 1800 DM kostete 1993 eine Aktie, erinnert sich Kufner, "das war den meisten zu viel". Einen Freizeitpark, das steht für Kufner fest, wird er aus Hellabrunn trotzdem nicht machen. Auch wenn das die Kursphantasie anregen würde.



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