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07.01.2002

19:00 Uhr

Zuliefersparte steht zum Verkauf

Philips-Chef will Talfahrt des Konzerns stoppen

VonDan Bilefsky (Wall Street Journal)

Philips-Chef Gerard Kleisterlee will mit seinem Sparprogramm in der zweiten Jahreshälfte 2003 auf Einsparungen von bis zu 1 Mrd. Euro jährlich kommen. Im Gespräch mit dem Wall Street Journal sagte Kleisterlee, er vermute, das im vergangenen Jahr angekündigte Programm, wonach die allgemeinen Verwaltungskosten um 25 % gesenkt werden sollen, werde mehr Einsparungen bringen als die angepeilten 300 Mill. Euro.

EINDHOVEN. "Mein Ziel für das Jahr 2002 ist, zehn Jahre ohne Wachstum zu beenden." Zu dem angekündigten Abbau von rund 12 000 Arbeitsplätzen könnten weitere Streichungen hinzukommen, so der Philips-Chef.

Im Rahmen des Sparprogramms will Kleisterlee sich vom Geschäftsbereich Contract Manufacturing Services trennen. Dieser Bereich beliefert Philips und andere Elektrokonzerne mit Elektronikteilen und beschäftigt weltweit 9 000 Mitarbeiter. Der Verkauf könnte nach Kleisterlees Einschätzung rund 500 Mill. Euro einbringen. Dies passe zur Konzentration auf das Kerngeschäft, bei der die Produktion von ausgereiften Produkten mit hoher Marktreife, wie etwa Fernsehern, ausgelagert werden. So hat Philips bereits seine europäische Produktion von Video-Rekordern an die japanische Funai Electric ausgelagert. Ziel ist es, Philips zum Hersteller von Komponenten und Chips für hochwertige Elektrogeräte, wie DVD-Rekorder zu etablieren, mit denen sich höhere Renditen erzielen lassen.

Gerüchte, wonach Philips seinen Halbleiterbereich mit anderen Chipherstellern wie Infineon oder der französischen STMicroelectronics fusionieren wolle, dementierte Kleisterlee. Im Gegenteil suche er nach Kaufgelegenheiten unter kleineren Halbleiterherstellern, die einen größeren Marktanteil bei Produkten mit hohem Wachstumspotenzial haben. Hierzu gehören Chips für digitale Produkte, Audio und Autoelektronik. Damit würde Philips seine eigene Produktpalette abrunden könnten. "Wir suchen nicht nach einem Fusionspartner, sondern ich habe stets eine Liste von mindestens fünf Halbleiterherstellern parat, an deren Kauf wir interessiert sind", sagte Kleisterlee. Wer auf dieser Liste steht, sagte er nicht. Analysten sehen als mögliche Kandidaten die US-Chiphersteller Zoran, LSI Logic und ESS Technology. Alle drei produzieren hochwertige Chips, die die Philips-Produktpalette abrunden würden.

Trotz der großen Schwierigkeiten in der Halbleiterbranche will Kleisterlee die drei- bis fünfjährigen Finanzziele einhalten: durchschnittlich 10 % Umsatzwachstum, 15 % Gewinnwachstum und mehr als 30 % Nettokapitalrendite pro Jahr. Analysten zeigten sich allerdings skeptisch, wie Philips diese Ziele erreichen wolle, da Konsumenten und Hightech-Unternehmen gleichermaßen den High-Margin-Produkten die kalte Schulter zeigen, die den Philips-Absatz maßgeblich ausmachen. Hierzu sagte Kleisterlee, dass die Verbrauchernachfrage inzwischen den Boden erreicht habe und er in den kommenden sechs Monaten einen kleinen Aufschwung erwarte. "Der Einbruch des Verbrauchervertrauens nach dem 11. September hat den Scheitelpunkt überschritten, und ich denke, wir können jetzt Verbesserung erwarten", sagte er.

Im Hochtechnologie-Bereich werde der so genannte "Tablet-PC", ein mobiler Laptop, der nur aus einem Bildschirm besteht und gleichzeitig zum Internet-Surfen und Fernsehen eingesetzt werden kann, bis zum Jahr 2005 den heutigen Laptop-Computer an Bedeutung überholen. Philips will hier in der zweiten Jahreshälfte 2002 ein eigenes Produkt auf den Markt bringen.

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