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30.07.2000

12:00 Uhr

Zum Traumurlaub kurzentschlossen per Mausklick

Die Reisebuchung im Internet wird einfacher und sicherer

VonKRISTINA GREENE

Mit günstigen Preisen locken die virtuellen Reisebüros die Reisewilligen ins Internet. Im Wettrennen um den Kunden lassen sie sich alle möglichen Zusatzleistungen einfallen – und erschlagen ihn dabei manchmal mit Angeboten.

"Wer hat denn heute noch Zeit, von einem Reisebüro ins nächste zu rennen? Ich weiss ohnehin, wohin ich will. Ich buche einfach im Internet". So wie Sonja Jooppe, die energische Marketing-Leiterin eines Spielzeugherstellers, denken viele. Die Anfang-Dreißigjährige ist für die Online-Reiseindustrie die ideale Kundin: Jung, kurzentschlossen und geübt im Umgang mit dem Internet.

Erfahrene Nutzer brauchen für eine Ticketbestellung nur wenige Minuten: per Klick auf die Flugzeug-Liste reservieren sie die gewünschte Maschine und buchen das Hotel am Urlaubsort. Von Flugverspätungen erfähren sie im Display ihres Handys - ein Service, den die besten Berater im Reisebüro nicht bieten können.

Reisebuchungen im Internet haben sich rasant entwickelt. Nach Schätzung von Helmut Biehl vom Verband Deutsche Reisebüros und Reiseveranstalter waren vor drei Jahren gerade mal 1000 Reisebüros Online - heute sind es mehr als 5000. Doch auch wenn eine Online-Präsenz heutzutage unerlässlich ist, heißt dies noch lange nicht, dass die Anbieter über die notwendige Software oder Erfahrung verfügen. "Vielleicht bei einem Fünftel kann man tatsächlich Reisen buchen", unterstreicht Biehl. Den Online-Markt dominieren ohnehin nicht die klassischen Reisebüros, sondern neugegründete Unternehmen, die gleich im Netz gestartet sind.



Preisnachlässe bis zu 20 Prozent

Sie haben viel gemeinsam: Ihre Seiten sind selten älter als vier Jahre, dynamisch-bunt gestaltet und mit Inhalt geradezu überfüllt. Sämtliche getesteten Seiten bieten kurze Ladezeiten; Informationen und die gewünschten Funktionen der Reiseseiten sind mit wenigen Klicks erreichbar. Und: Im Vergleich zu echten Reisebüros kann bei Internet-Bestellungen eine Preisdifferenz von durchschnittlich 20 % erzielt werden. Die Mehrheit der Travelsites bieten eine gesicherte Datenverschlüsselung und ein Call-Center, bei dem sich der Kunde beraten lassen kann und auch eine Buchungsbestätigung bekommt. In einzelnen Fällen kann statt dem Rechner den dortigen Mitarbeitern die Kreditkartennummer anvertraut werden.

Beim genaueren Blick auf die Seiten erwartet den neugierigen Surfer ein stark unterschiedliches Angebot: Selten wird der Urlaub als Paket angeboten. Meist werden Einzelleistungen verkauft (z.B. Nur-Flug). Datenbanken mit Mietservice- und Hotelreservierung sind zwar weit verbreitet, bleiben wegen der dünnen Angebotspalette aber bei den meisten Anbietern noch unbefriedigend.

"Hauptsache, die Kunden kommen schnell und einfach ans Ziel", sagt Dorothee Englisch, Pressesprecherin von start.de. Dazu muss das Angebot übersichtlich, selbsterklärend und attraktiv sein. Nach diesem Prinzip ließ sich tiss.com kürzlich die Software für eine "Express-Taste" liefern, mit der zwei Klicks zur Bestellung des günstigsten Tickets genügen.



"Best-Of"-Listen mit Schnäppchen

Damit sich der Nutzer zum Kauf entscheidet, wird ihm selbst das Suchen erspart: Alle Online-Reisebüros bieten direkt auf der Homepage "Best-Of"-Listen, die auf Schnäppchen oder besonders ungewöhnliche Offerten aufmerksam machen. Die Aufmachung ist unterschiedlich - mal kindisch-verspielt wie bei nix-wie-weg.de, mal übersichtlich und sachlich wie bei Lastminute.com oder als bloßer Katalog bei Bellnet.com.

Ebookers arbeitet nach dem Motto "Alles auf der ersten Seite": die Überfülle an Informationen auf der Homepage ist erschlagend, dafür können die Seiten in elf Sprachen aufgerufen werden. Eine seltene Leistung bei deutschen Sites: Gibt sich tiss.com mit acht Sprachen noch sehr flexibel, bieten lastminute.deund start.denur deutsche Informationen an.

Im Wettrennen um den Kunden lassen sich die Anbieter alle denkbaren Zusatzleistungen rund um die Reise einfallen. Die meisten bieten ebookers, lastminute.com und www.expedia --dort sind WAP-Informationen und SMS-Benachrichtigung nach der Buchung kein Problem. Schon auf der Einstiegseite wird der Kunde mit einer Rundum-Palette versorgt: von Reisewetter-Informationen, Shopping, Weltuhr, Reiseführer bis zu Tipps zur Reisevorbereitung ist hier alles zu finden.

Um inmitten einer regen Konkurrenz aufzufallen, steht jedoch bei den elektronischen Reisebüros nicht nur technische Finesse an der Tagesordnung: Das Buchen muss zum Einkaufserlebnis werden. Bei lastminute.com sollen die "Unbezahlbaren" Angebote die Seite als "kreativer Gag" auflockern, erklärt Anja von Treskow, PR-Managerin. Doch tatsächlich gebucht wurde bisher nur ein solches Produkt. Für 8500 DM gönnte sich ein Kunde fünf Runden um einen Formel-1-Ring. Andere Möglichkeiten - etwa die Titanic-Tauchbesichtigungen (72 100 DM) oder der Flug im MIG-Jet (22 343 DM) waren wohl doch etwas überteuerte Einträge.

Ein weiteres Zauberwort lautet Personalisierung: Hat ein Kunde bereits gebucht oder Präferenzen angegeben, wird er über sein Passwort erkannt; das Programm präsentiert ihm ein individuelles Sortiment. Wer beispielsweise Interesse für Langlauf in den Alpen bekundet hat, muss sich so nicht durch Tipps über den marokkanischen Atlas durchschlagen. Dass solche Software teuer ist, liegt auf der Hand. Doch "Loyalität ist das wichtigste überhaupt", betont Michael Pluznik, Geschäftsführer von Lastminute.com. Bei Start.de steht die Personalisierung noch bevor, nix-wie-weg verspricht das Feature ab Herbst. Bei nix-wie-weg.de haben 20 % der Kunden mehrmals gebucht, bei tiss.com immerhin über 51 %.

Interessant ist das Konzept von Tallyman.de. Der Hamburger Anbieter setzt nach amerikanischem Vorbild auf Kundenanfrage (customer pricing): Interessenten machen für ein bestimmtes Reiseziel ein verbindliches Preisgebot, worauf bei Tallyman automatisch ein entsprechendes Ticket gesucht wird. "Davon profitieren alle Beteiligten", erklärt Vorstandsmitglied Markus Graf Lambsdorff: Sowohl der Kunde, der den Preis selbst bestimmt, als auch die Fluggesellschaften, die leere Kapazitäten noch vor dem offiziellen Last-Minute-Rabatt besetzen können.

Nach Schätzung von Heidi Fitzpatrick, Analystin bei Lehmann Brothers in London, hat der europäische Reisemarkt im Internet noch starkes Aufholpotential. Doch nicht alle Online-Reiseanbieter werden überleben könne. Heidi Fitzpatrick: "Es setzen sich nur die durch, die alle Möglichkeiten des Internets auszuschöpfen wissen".

Selbst dies wird nicht alle Nutzer überzeugen. So trug einer ins Gästebuch von start.de ein: "Obwohl Ihre Seite gut aufgemacht ist, fehlt den meisten doch der persönliche Kontakt." Das Reisebüro um die Ecke ist eben doch noch nicht überholt.

ADRESSEN: REISEBÜROS IM INTERNET

www.bellnet.com

www.clever-lastminute.com

www.expedia.de

www.firstonline.de

www.fly.de

www.lastminute.de

www.lastminute.com

www.nix-wie-weg.de

www.tallyman.de

www.tiss.com

www.travel24.com

www.reisemarkt.de

www.reisenetz.com

www.start.de



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