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24.04.2003

16:11 Uhr

Zunächst für vier Monate

EU belegt Hynix mit Strafzöllen

Die Europäische Kommission wird wie erwartet Strafzölle in Höhe von 33 Prozent auf Einfuhren des Halbleiter-Herstellers Hynix erheben. Während das südkoreanische Unternehmen bereits rechtlichen Widerstand angekündigt hat, erwarten Branchenkenner zunächst kaum positive Auswirkungen auf den krisengeschüttelten Markt für Speicherchips (DRAMs).

Reuters BRÜSSEL/MÜNCHEN. Hynix habe von staatlich kontrollierten Banken Unterstützung in Milliardenhöhe erhalten und sei nur deshalb im Geschäft geblieben, urteilte die EU-Kommission am Donnerstag. Dies sei zu Lasten europäischer Konkurrenten wie STMicroelectronics oder Infineon gegangen. Die Strafzölle beschränken sich jedoch vorerst auf die kommenden vier Monate, in denen die Untersuchung fortgeführt werden soll. Sie müssen zudem noch von der Mehrheit der 15 EU-Mitgliedsstaaten bestätigt werden.

Bereits vor einigen Wochen hatten die USA angekündigt, im Zuge eines von Micron angestrengten Wettbewerbsverfahrens Strafzölle von bis zu 57 Prozent gegen Hynix verhängen zu wollen. Auch diese Pläne müssen aber noch bestätigt werden, so dass die Zölle frühestens ab August wirksam werden könnten. Die Infineon-Aktie notierte am Nachmittag in einem insgesamt schwächeren Gesamtmarkt mit 7,24 Euro um 1,9 Prozent im Minus.

Analysten sehen zunächst kaum Auswirkungen

Die gesamte Halbleiterbranche durchleidet seit rund zwei Jahren angesichts drastischer Preiseinbrüche die schwerste Krise in ihrer 50-jährigen Geschichte. Gerade im Speicherchip-Bereich haben - neben fehlender Nachfrage - massive Überkapazitäten eine Erholung der Preise bislang verhindert.

"Wir begrüßen das sehr", kommentierte ein Sprecher von Infineon die Entscheidung. "Das ist ein wichtiges Zeichen, dass die EU-Kommission gegen unfairen Wettbewerb vorgeht." In Unternehmenskreisen hieß es, man sei mit der Größenordnung der verhängten Strafzölle zufrieden. Infineon rechne zunächst zwar nicht mit einer Auswirkung auf die Sprechchip-Preise. Da aber Anzeichen vorhanden seien, dass - neben Europa und den USA - auch andere Regionen Strafmaßnahmen für Hynix planten, deute vieles darauf hin, dass der Markt für das südkoreanische Unternehmen immer enger werde. Infineon, die mit Hynix um Rang drei im weltweiten Speicherchipmarkt konkurrieren, hatte das EU-Verfahren gegen die Südkoreaner selbst angestrengt.

"Die Auswirkungen auf den gesamten DRAM-Markt werden zunächst eher marginal sein", sagte Nicolas Gaudois, Halbleiteranalyst bei der Deutschen Bank in London. Theo Kitz von Merck Finck fügte hinzu: "Es geht jetzt ein bisschen die Angst um, dass Hynix die Chips auf den Spot-Markt wirft und damit die Preise verdirbt." Hinzu komme, dass die Strafzölle der EU bislang nur vorläufigen Charakter hätten. "Das ist jetzt noch nicht unbedingt das Ende für Hynix, was viele hoffen", resümierte Kitz. "Die werden künstlich am Leben gehalten und es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich das ändern sollte."

HVB-Analyst Günther Hollfelder wies zudem darauf hin, dass Hynix ein, von amerikanischen Strafzöllen nicht betroffenes, Werk in Oregon habe und mit dessen Ausstoß sie fast den gesamten US-Markt bedienen könne. In der zweiten Jahreshälfte rechne er aber mit positiven Effekten auf dem DRAM-Markt.

Keine Strafzölle für südkoreanische Samsung

Hynix selbst hatte in der Vergangenheit die Vorwürfe der Wettbewerbsbehörden mehrfach zurückgewiesen. Das südkoreanische Unternehmen werde voraussichtlich bei der Kommission eine Anhörung beantragen, sagte ein Rechtsberater des DRAM-Herstellers. "Bei dieser Anhörung hoffen wir, dass wir in der Lage sind, sie davon zu überzeugen, dass ihre Schritte rechtlich nicht korrekt sind."

Der Schritt der Kommission könnte die Handelsbeziehungen zu Südkorea weiter belasten, nachdem die EU dem Land zuletzt wettbewerbswidrige Beihilfen für Schiffsbauer vorgeworfen hat. Seoul hat dies - ebenso wie im Fall von Hynix - zurückgewiesen.

Hynix gab unterdessen eine strategische Allianz mit STMicroelectronics für Flash-Speicherchips bekannt. Diese ist den Angaben zufolge auf fünf Jahre angelegt und umfasst Entwicklung und Vertrieb.

Die südkoreanischen Samsung, vor Micron Weltmarktführer bei DRAMs, muss nicht mit Strafzöllen der EU rechnen.

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