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11.01.2007

12:21 Uhr

Zusammenhalt im Bundeskabinett

Merkels Wohlfühl-Truppe

VonAndreas Rinke

Das Bundeskabinett präsentiert sich als geschlossene Einheit. Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Koalition und Kritik an den geplanten Reformen werden gemeinsam heruntergespielt, damit man den wirtschaftlichen Aufschwung in Ruhe auskosten kann.

BERLIN. Selten wird in einem Bundeskabinett so viel geküsst wie am Mittwochmorgen. Die Ministerinnen stehen Schlange, um Finanzminister Peer Steinbrück zum 60. Geburtstag zu gratulieren. Es gibt Blumen und Sekt. Die Atmosphäre im Kabinettssaal gleicht eher einer Familienfeier als einer in der Zentrale der Regierungsarbeit. Aber sie ist typisch für die Stimmung in der großkoalitionären Mannschaft von Angela Merkel. Obwohl CSU, CDU und SPD in vielen politischen Fragen nach wie vor über Kreuz liegen, empfinden sie sich ein Jahr nach der ersten Kabinettsklausur in Genshagen als Einheit.

Da mag man draußen im Land noch so sehr über eine unverständliche Gesundheitsreform schimpfen. Die Ministerriege findet sich sichtlich gut. Wer sehen will, wie sich das auswirkt, muss nur die Schritte hinunter zur blauen Wand im Foyer des ersten Stocks im Kanzleramt gehen, vor der sich Merkel und Vizekanzler Franz Müntefering der Presse präsentieren. Bei der Ankündigung des Arbeitsprogramms für 2007 gibt es keinen falschen Zungenschlag, keine versteckte Anspielung. Kanzlerin und Vizekanzler müssen die Harmonie zurzeit nicht spielen, sie leben sie.

Schon am Dienstagabend hat das Kabinett in der Vorbesprechung zum Jahresbeginn vier Stunden zusammengesessen und den Fahrplan für 2007 abgesteckt. Dann zog man in den achten Stock, um entspannt bei Bier und Wein weitere anderthalb Stunden zu plauschen.

Verantwortlich für die Stimmung ist nicht nur ein netterer Umgangston, der unter der Kanzlerin Einzug gehalten hat. Merkels Mannen und Mädels sonnen sich sichtlich im wirtschaftlichen Aufschwung. Es schweißt eben zusammen, erst gemeinsam geprügelt zu werden - und sich dann verdient oder unverdient Erfolge ans Revers heften zu können. Fast triumphierend fordert Müntefering die Journalisten auf, sie sollten ihre Untergangsszenarien aus 2006 doch noch einmal aufmerksam lesen.

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