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21.06.2000

13:29 Uhr

Zusammenschluss zum weltweit größten Spezialchemiekonzern

SKW sieht bei Fusion Größenvorteil

Analysten hatten in der Vergangenheit die fehlenden Einsparungsmöglichkeiten bei der geplanten Fusion moniert, weil sich die Geschäftsbereiche von SKW und Degussa kaum überschneiden.

Reuters MÜNCHEN. Die Viag-Chemietochter SKW Trostberg sieht bei der bevorstehenden Fusion mit der Degussa Hüls AG die Vorteile vor allem in der Größe des entstehenden Konzerns. Der Zusammenschluss zum weltweit größten Spezialchemiekonzern sei sicher weniger durch das Synergiepotential als durch die entstehende Marktmacht getrieben, sagte Dieter Poech, der seit Anfang Juni als Nachfolger von Utz-Hellmuth Felcht Trostberg-Chef ist, am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Die Aktionäre kritisierten vor allem die Kursentwicklung der SKW-Trostberg - Aktie.

Analysten hatten in der Vergangenheit die fehlenden Einsparungsmöglichkeiten bei der geplanten Fusion moniert, weil sich die Geschäftsbereiche von SKW und Degussa kaum überschneiden. Durch die neue Größe könnten die beiden Unternehmen aber ihre Innovationskraft bündeln und auch beim Einkauf Vorteile erzielen, sagte Poech. "Größe in der Spezialchemie ist heute ein wichtiger Wettbewerbsfaktor", fügte er hinzu.

Im Zuge ihrer Fusion zum Eon-Konzern wollen die Mischkonzerne Viag und Veba ihre Chemietöchter zur Degussa AG mit Sitz in Düsseldorf zusammenführen. Eon wird an der neuen Spezialchemiefirma mit rund 64 % beteiligt sein, die der Konzern nach den Worten von Wilhelm Simson, E.ON-Chef und Vorsitzender des SKW-Aufsichtsrats, in naher Zukunft auch behalten will. Die Aktionäre von SKW Trostberg und Degussa-Hüls sollen auf außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst über die geplante Fusion abstimmen, damit der neue Konzern wie geplant am 1. Januar 2001 seine Geschäfte aufnehmen kann.

Unzufrieden zeigten sich die Anteilseigner aber mit der Entwicklung des Aktienkurses von SKW Trostberg, der am Mittwoch mittag um rund 1,4 % im Minus bei 7,25 Euro lag. In den vergangenen Monaten hätten sich die Titel schlechter als ihr Börsensegment, der MDax, entwickelt, hieß es. Aktionärsvertreter machten dafür die niedrige Liquidität und Unsicherheit der Anleger über die zukünftige Strategie verantwortlich. Poech sah den Grund vor allem in der Internet- und Telekom-Euphorie an der Börse. "Chemie ist wie viele andere solide Bereiche out", sagte er.

Bei der geplanten Abgabe von Geschäftsbereichen sieht sich Poech nicht unter Zeitdruck. Der Konzern wolle die steuerlichen Vorteile nutzen, die sich voraussichtlich durch die Änderung des Steuergesetzes ab dem nächsten Jahr ergäben. Die Bundesregierung plant, die Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen in Zukunft von der Steuer zu befreien. Vorgesehen ist die Abgabe der SKW Piesteritz, der Geschäftsbereiche Gelatine, Salz, Metallchemie und Industriechemikalien mit einem Umsatzvolumen von insgesamt 1,4 Mrd. DM. Als Auflage der Europäischen Union für die Genehmigung der Fusion muss SKW auch die Cyanurchlorid- und Blausäure-Aktivitäten verkaufen. Die EU habe hier im Juni eine Frist von fünf Monaten gesetzt.

Im vergangenen Jahr hatte SKW Trostberg einen Umsatz von 6,9 Mrd. DM und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von 640 Mill. DM erzielt. Poech bestätigte die Prognosen, wonach das Unternehmen im laufenden Jahr ein Ebita von über 700 Mill. DM und ein organisches Umsatzwachstum von rund fünf Prozent auf 7,2 bis 7,4 Mrd. DM erzielen will. Auf der Hauptversammlung, auf der gut 1000 Aktioräre und 80 % des Grundkapitals versammelt waren, stimmen die Aktionäre auch über die Ausschüttung einer Dividende von 0,28 (Vorjahr 0,26) Euro ab.

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