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27.01.2003

08:25 Uhr

Zusatzzahlungen mehr als halbiert

Wall Street kappt Bonus von Investmentbankern

Die Banker an der Wall Street haben im vergangenen Jahr deutlich weniger verdient.

BLOOMBERG. So kürzten die Investmentbanken Merrill Lynch & Co. und Goldman Sachs Group Inc. vergangenes Jahr ihre Bonuszahlungen um 37 Prozent. Statt 12,6 Mrd. Dollar wie im Vorjahr erhielten ihre Angestellten nur noch rund 7,9 Mrd. Dollar an Gratifikationen auf ihr Gehalt gesattelt, berichtet Alan Hevesi, Controller des US-Bundesstaats New York.

Nachdem die Prämien im Jahr 2000 mit durchschnittlich 104 600 Dollar einen Höchststand erreichten, halbierte sich der durchschnittliche Banker-Bonus 2002 auf 48 500 Dollar. Alleine mit ihren Bonuszahlungen nehmen die Investmentbanker allerdings immer noch mehr ein, als ein New Yorker im Schnitt verdient.

In den vergangenen beiden Jahren haben die Investmentbanken die Vergütung ihrer Mitarbeiter gesenkt und 68 800 Banker entlassen. So wollten sie den Geschäftseinbruch bei Emissionen, Fusionen und im Aktienhandel ausgleichen.

Erstmals seit zwölf Jahren sei der Gewinn der Investmentbanken zwei Jahre hintereinander gesunken, berichtet der Branchenverband, die Securities Industry Association. "Die Nachwirkungen werden in jedem Wirtschaftssektor in New York zu spüren sein", erklärte Ronnie Lowenstein, Direktor des Independent Budget Office, einer für die Finanzbeobachtung zuständigen städtischen Behörde. "Wenn bei diesen hoch bezahlten Angestellten der Bonus niedriger ausfällt, geben sie auch weniger aus, und das hat überall Auswirkungen."

Für geschäftsführende Direktoren, die ranghöchsten Investmentbanker, dürfte der Bonus nur noch zwischen 250 000 und 350 000 Dollar liegen, verglichen mit 1,5 bis 1,75 Millionen Dollar im Jahr 2000, berichten Personalvermittler. Das Grundgehalt für diese Topinvestmentbanker liegt bei etwa 200 000 Dollar.

Nach Hevesis Angaben ist die Höhe der Sonderzahlungen zum ersten Mal seit dem Börsencrash in den 80er Jahren zwei Mal hintereinander gefallen. Der oberste Finanzaufseher des Bundestaates New York berechnet die Höhe der Bonuszahlungen aus Gehaltsdaten, um die Steuereinnahmen zu schätzen. Zwischen April und Oktober 2002 sanken die Einnahmen New Yorks aus der Einkommenssteuer um knapp 15 Prozent.

Das Büro des Controllers erwartet, dass der Rückgang der Boni die Steuereinnahmen des Staates New York um 300 Millionen Dollar, der Stadt New York um rund 110 Millionen schmälert. "New York bleibt bei den Einnahmen außerordentlich abhängig von der Wall Street. Die neuen Zahlen bringen nur ein weiteres Signal, dass Stadt und Bundesstaat New York vor großen Herausforderungen stehen", betont Hevesi.

Die Investmentbank Merrill Lynch & Co. - die mehr Mitarbeiter entlassen hat als die Konkurrenten - rechnet dieses Jahr mit keiner Erholung der Einnahmen. Eine Besserung der Aktien- und Anleihemärkte "bleibt unwahrscheinlich, weil das Vertrauen der Anleger auf einem Tiefpunkt ist", sagte Thomas Patrick, Executive Vice Chairman für Finanzen und Verwaltung bei Merrill.

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