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16.01.2003

08:39 Uhr

Zustrom ausländischen Kapitals sorgt auch beim polnischen Zloty für Aufwertungsdruck

Ungarische Notenbank verkauft Forint

VonDoris Heimann (Reinhold Vetter)

Unter den Währungen der EU-Beitrittskandidaten stand am Mittwoch der Forint im Mittelpunkt. Der Aufwertungsdruck bei der ungarischen Währung wurde so stark, dass die Ungarische Notenbank (MNB) intervenieren musste. Händler schätzen, dass die MNB mehrere hundert Millionen Euro gegen Forint gekauft hat. Bei einem Forint-Kurs von unter 234,69 je Euro ist die Zentralbank zur Intervention verpflichtet.

BUDAPEST/WARSCHAU. Am Mittwoch notierte der Forint bei 234,33, zum Euro. Die Aufwertung des Forints war erwartet worden, nachdem die Notenbank (MNB) die Leitzinsen Anfang der Woche unverändert gelassen hatte. Am Mittwoch schwenkte die MNB dann um und hat ihren Zinssatz auf zweiwöchige nichtkündbare Einlagen der Geschäftsbanken um 100 Basispunkte auf 7,50 % gesenkt.

Ursache für die Stärke des Forints ist der anhaltende Zustrom ausländischen Portfolio-Kapitals, das von den nach wie vor attraktiven Zinsen angelockt wird. Die Ungarische Außenhandelsbank MKB geht davon aus, dass der Bestand inländischer Staatsanleihen im Ausland knapp 8 Mrd. Euro ausmacht. Wiederholt hatte sich der Unternehmerverband MGOSZ für einen Zinsschnitt stark gemacht. Der ungarischen Exportwirtschaft zufolge, die unter der realen Aufwertung des Forints um ca. 20 % innerhalb von zwei Jahren leidet, könnten nur Zinssenkungen von mindestens 200 Basispunkten Abhilfe schaffen. Doch auch der Zinsschnitt vom 16. Dezember hatte den Forint nicht gestoppt.

Anders als der Forint hat die tschechische Krone weiter verloren und notiert mit 31,84 ckr zum Euro auf dem niedrigsten Wert seit elf Monaten. Analyst Jan Vejmelek von der Komercni Banka schloss gegenüber der Nachrichtenagentur CTK nicht aus, dass die Krone in den nächsten Tagen auf 32,00 je Euro fällt. Er führt dies vor allem auf die Angst zurück, die schwächelnde Konjunktur im Euroland - besonders in Deutschland - könne sich weiter negativ auf den tschechischen Export auswirken.

Auch die slowakische Krone tendierte mit Kursen von 41,32 zum Euro leichter. Analysten erwarten aber vorerst keine Schritte der Nationalbank NBS. Rumäniens Zentralbank-Gouverneur Mugur Isarescu, hat derweil angekündigt, man wolle demnächst den Euro als Referenzwährung für den offiziellen Wechselkurs der Landeswährung Leu einführen. Er begründete dies vor allem mit dem stärkeren Euro. Hinzu kommt, dass Rumänien inzwischen 60 % seines Außenhandels mit EU-Ländern abwickelt.

In Polen versucht derweil offenbar Finanzminister Grzegorz Kolodko, mit den Mitteln der Politik gegen das Marktgeschehen anzuarbeiten. Gleich zweimal warnte er, der Zloty sei stark überbewertet, eine Kurskorrektur nach unten stehe bevor. "Wer kann, sollte jetzt Dollar und Euro kaufen - ob Haushalt, Unternehmen oder Bank", warb Kolodko im polnischen Radio. Doch der Markt blieb ungerührt. Die Äußerungen werteten viele Analysten eher als "selbsterfüllende Prophezeiung". Denn der Zloty demonstriert unverändert Stärke mit Kursen von 3,81 zum Dollar und legte gegenüber dem Euro mit gut 4,01 Zloty geringfügig zu. In einer Umfrage der polnischen Nachrichtenagentur PAP war die Mehrheit der Analysten aber überzeugt, dass sich der Zloty bis zum Jahresende gegenüber Dollar und Euro gleichermaßen bei 3,9 Zloty einpendeln wird.

Das hohe Realzinsniveau und die große Zinsdifferenz zu den westlichen Ländern machen die polnische Währung und Anleihen weiterhin für Investoren interessant. Dazu kommt, dass die Wirtschaftslage stabil ist und bis zum EU-Beitritt nur wenig mehr als ein Jahr bleibt. "Die größte Nervosität könnte es vor dem Referendum über Polens EU- Beitritt im Juni geben", meint Maciej Reluga, Chefvolkswirt der Bank Zachodni WBK. Das könnte zwar zu kurzfristigen Kurseinbrüchen führen, aber ein positives Referendum würde den Zloty stärken.

Finanzminister Kolodko beschuldigt die Zentralbank, mit ihrer Hochzinspolitik spekulatives Kapital anzulocken und so den Zloty in die Höhe zu treiben, was der Exportwirtschaft schade. Er deutete an, die Regierung werde Schritte unternehmen, den Zloty zu schwächen. Ökonomen nehmen an, dass es dabei um geplante Währungskäufe der Regierung zur Begleichung von Auslandsschulden geht. Diese seien aber zu gering, um Einfluss auf die Währung zu haben.

Quelle: Handelsblatt

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