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11.02.2001

15:56 Uhr

Zuversichtliche Wirtschaftsentwicklung in Europa

Europas Chance liegt in seinem 'Aufholpotenzial'

"Das Wirtschaftswachstum in Euroland ist nach wie vor sehr robust. Wir erwarten, dass dies im gesamten Jahr so bleiben wird. Das würde dazu beitragen, die Unternehmensgewinne zu stützen", sagt James Elliot, Fondsmanager des FF Technology Fund-European der amerikanisch-britischen Vermögensverwaltung JP Morgan Fleming Asset Management.

dpa-afx FRANKFURT. Mit dieser zuversichtlichen Sicht auf die Wirtschaftsentwicklung des Euroraumes steht der Manager nicht allein da. Und das, obwohl immer wieder auf die Strukturprobleme im Euro-Währungsgebiet hingewiesen wird. "Wir sind derzeit stark - und wir waren auch schon vorher stark", sagt auch Stephan Lipfert, Analyst bei der Vereins und Westbank - in Hamburg.

Doch nicht nur ihr Euroland-Optimismus vereint die beiden Experten: Beide wittern gerade in einem hohen "Aufholpotenzial" die große Chance für den Euroraum. So nennt Elliot als starkes Argument für die alte Welt das Restrukturierungspotenzial in den Unternehmen und den einzelnen Volkswirtschaften. "Wir gehen von weiteren Fortschritten in Bezug auf Arbeitsmarktreformen, Übernahmegesetze und die Besteuerung aus, die die Attraktivität von Investments in Europa zusätzlich steigern werden", erklärt er. So hatte sich beispielsweise der stellvertretende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Stanley Fischer, im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos für Strukturreformen in Europa ausgesprochen. Dann gebe es keinen Grund, warum die Euro-Wirtschaft nicht im gleichen Maße wachsen könne wie die der USA.

Auf die Frage, wie groß der Liberalisierungsbedarf beispielsweise auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist, antwortet Analyst Lipfert mit nackten Zahlen: "Dazu sage ich nur: Wir haben eine Arbeitslosenquote von 10,0% und die Amerikaner eine von 4,2%." Die strukturellen Probleme auf dem Kontinent wiegen für ihn schwer. Das zeige das Beispiel Neuregelungen: Es gebe in Europa einen riesigen Apparat, der das Prozedere dann "unheimlich" in die Länge ziehe. "Wenn dann ein angelsächsischer Investor nach Europa kommt, schwebt schon ein bisschen Verunsicherung im Raum", fügt Lipfert hinzu. "Wenn etwa Trichet 'Hüh!' sagt und Schröder 'Hot!'". Dieser Zustand sei in der jüngsten Vergangenheit auch ein "Discount-Faktor" für den Euro gewesen. Was nicht zwangsläufig so bleiben muss: "Die Bereitschaft zu Reformen ist ja da", meint der Analyst. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass der Ausbau und Reform der Europäischen Union ein "gewaltiges Programm" sei, dass nicht einfach zu bewältigen sei.

Vielversprechende Reformen in Deutschland und Frankreich

"Deutschland und Frankreich haben viel versprechende Reformen und Steuererleichterungen eingeleitet, die die Wirtschaft deutlich ankurbeln dürften", sagt auch James Elliot in Bezug auf fiskalische Maßnahmen. "Die Regierungen hatten für die Maßnahmen, dank der strengen Auflagen des Maastricht-Vertrages für einen Euro-Beitritt, ein relativ stabiles Budget um Rücken."

So weist Lipfert darauf hin, das der Euro "nach wie vor völlig unterbewertet ist". "Die Parität zum $ ist gerechtfertigt. Das gilt auf jeden Fall für dieses Jahr." "Prinzipiell" spreche wirtschaftlich alles für ein Anstiegen des Kurses der Gemeinschaftswährung. Dabei erkennt Lipfert bei 95 US-Cent eine "ganz schwere Hürde", die übersprungen werden müsse. Jedoch unter die Marke von 0,90 $ sieht er die Währung derzeit nicht fallen.

Konjunkturabkühlung in den USA soll sich nur marginal auswirken

Sowohl Lipfert als auch Elliot glauben, dass sich die gegenwärtige Konjunkturabkühlung in den USA nur marginal auf die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone auswirke. So lebe das Euro-Währungsgebiet stark vom Binnenhandel unter den Mitgliedsländer und sei deshalb nach außen relativ abgeschottet. Lipfert glaubt aber nicht an eine nachhaltige Schwäche der US-Wirtschaft: "Die USA sind gar nicht so schwach, wie es vielleicht scheint. Die Fed ist gewillt, der wirtschaftlichen Abkühlung gegenzusteuern."

So sei die Produktivitätsentwicklung der Vereinigten Staaten bisher immer relativ stark gewesen, mit Ausnahme vielleicht im Jahr 1992. Daher sehe er gute Chancen, dass sich die US-Konjunktur im dritten oder vierten Quartal wieder wirtschaftlich stabilisiere. Vor diesem Hintergrund lautet das Fazit für die weitere Wirtschaftsentwicklung: "Die USA kühlen sich im Moment ab und bleiben etwas hinter dem Euroraum zurück; werden aber wieder aufschließen. Euroland wächst, wenn auch mit einer kleinen Delle in diesem Jahr, stabil und auf hohem Niveau."

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