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02.04.2003

07:54 Uhr

Zwangsquarantäne in Hongkong

SARS: Deutsche Firmen verhängen Reisestopp

Einer der Drehscheiben des internationalen Handels droht der Stillstand: In Hongkong kommt das öffentliche Leben wegen SARS zum Erliegen, Wirtschaftskontakte brechen weg.

olm/HB HONGKONG. Die gefährliche Lungenentzündung SARS breitet sich trotz Schutzmaßnahmen weiter aus. Jetzt wurde der wahrscheinliche Krankheitserreger bei dem zweiten Deutschen nachgewiesen. Auch in Asien und Kanada stieg die Zahl der Infizierten. Weltweit sollen jetzt 1 800 Menschen an SARS erkrankt und 62 daran gestorben sein. Die Hongkonger Behörden stellten gestern 240 Menschen unter Zwangsquarantäne.

Betroffen sind die Bewohner eines Häuserblocks, in dem am Dienstag 52 neue Fälle festgestellt wurden. Die Menschen würden in ländlichen Gebieten außerhalb des Stadtzentrums isoliert, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Hongkongs öffentliches Leben ist gelähmt. Schulen, Universitäten und Schwimmbäder sind geschlossen, Restaurants und Kinos gähnend leer. Selbst in den Büros tragen viele Angestellte einen Mundschutz.

Als erstes großes deutsches Unternehmen untersagte die Post gestern ihren Mitarbeitern Reisen in die Krisenregion China, Vietnam, Singapur und Hongkong, bestätigte eine Konzernsprecherin in Bonn. Auch der Hamburger Otto-Konzern verhängte einen Reisestopp. Der Leiter der asiatischen Einkaufstochter von Karstadt-Quelle, Gundolf Bork, sagte dem Handelsblatt: "Für April sind sämtliche Einkäuferreisen nach Hongkong gestrichen." Der Chemiekonzern BASF und der Handelskonzern Metro empfahlen ihren Mitarbeitern, Reisen in die Region zu verschieben. Internationale Konzerne wie die Großbank HSBC und der Computerhersteller Hewlett Packard haben nach der Erkrankung von Mitarbeitern ihre Hongkonger Büros geschlossen. Allerdings sagen die Unternehmen, dass ihr Asien-Geschäft durch die Maßnahmen noch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sei.

Da die Handelsmetropole Hongkong davon lebt, Käufer und Verkäufer zusammenzubringen, ist SARS nach Einschätzung der Großbank BNP Paribas eine größere Bedrohung für die Krisenregion als der Irak-Krieg. Wegen der gefährlichen Lungenentzündung hat BNP jetzt seine Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den Krisenländern für 2003 um 0,4 bis 1,5 Prozent nach unten korrigiert. "Erwartungen an Wirtschafts- und Gewinnwachstum in den betroffenen Gebieten sind viel zu optimistisch", heißt es in dem gestern veröffentlichten Asien-Report. Viele Experten befürchten, dass die Krise sich nicht auf die unmittelbar betroffenen Airlines und Hotels beschränken wird. "Dauert die Krankheit länger, steigt die Arbeitslosigkeit - dann könnte ein Teufelskreis in Gang kommen", warnt die Deutsche Bank in Hongkong.

Umstritten ist nach wie vor, wie groß die Ansteckungs- und Ausbreitungsgefahr von SARS ist. Während die Weltgesundheitsorganisation sich in Genf zuversichtlich zeigte, die gefährliche Lungenentzündung unter Kontrolle zu bekommen, warnte die US-Regierung gestern offiziell vor Reisen nach Asien.

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