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20.02.2002

19:13 Uhr

Zweierbob-Olympiasieger steuert zweite Gold an

Mr. Bob ist immer ein paar Bierdosen voraus

Der Mann wird bald vierzig. Und bestreitet in überzeugender Weise, dass nach all den Jahren womöglich leistungshemmende Routine Einzug gehalten haben könnte. Christoph Langen ist Mr. Bob in Deutschland und schwärmt im Handelsblatt-Gespräch noch immer unverdrossen von seiner Sportart.

Christoph Langen und sein Bremser Markus Zimmermann jubeln über Gold im Zweierbob. Foto: dpa

Christoph Langen und sein Bremser Markus Zimmermann jubeln über Gold im Zweierbob. Foto: dpa

SALT LAKE CITY. "Da springen große und durchtrainierte Jungs in eine Kiste rein, rasen den Eiskanal hinunter und leben immer mit dem Risiko, dass ein Sturz passiert", sagt Langen. "Ungefähr wie beim Rennsport, und daher mögen gerade die Amerikaner das Bobfahren."

Als der Mann vom BC Unterhaching am vergangenen Sonntag zusammen mit Bremser Markus Zimmermann die Goldmedaille im Zweierbob gewonnen hatte, errechneten die US-Experten sogleich den Vorsprung. Nicht in Zentimetern, sondern in Bierdosen. Neun Hundertstel Vorsprung auf die zweitplatzierten Schweizer, so das verblüffende Resultat, entspräche der Länge von 20 Bierdosen. Ein Vergleich, der nicht gerade zu Langen passt. Denn der, so weiß der deutsche Verbandspräsident Klaus Kotter nach diversen Siegesfeiern, "vertroagt nix".

Im Bob jedoch ist er das Nonplusultra. Ein russischer Kontrahent soll einmal gesagt haben, dass der Deutsche "leichter zu killen ist, als in einem Bobrennen zu besiegen". Zugegeben, ein selten blöder Vergleich. Und doch dokumentiert er den Respekt vor den Qualitäten Christoph Langens, der in der Szene als großer Perfektionist gilt und bei Personalentscheidungen weder Freund noch Feind kennt.

Bob-Sport hat Langen trotz seiner Erfolge nicht reich gemacht

Dabei hat der ehemalige Zehnkämpfer, der am Freitag und Samstag im Viererbob das zweite Gold in Salt Lake City gewinnen kann, durchaus Sinn für Humor. "Im Bobsport", sinniert er, "fährt fast alles mit. Der Prinz von Monaco war schon dabei, aber auch Leute, die nichts besitzen." Es soll sogar schon Leute gegeben haben, so erzählt der Olympiasieger, "die kurz vor einem Weltcuprennen von der Straße aufgelesen und in den Bob gesteckt wurden, nur weil sie athletisch aussahen". Langen findet es gut, das exotische Sammelsurium aus verrückten und ernsthaften Bobpiloten.

In dieser Gesellschaft fühlt er sich seit langem wohl, ohne dass sein Portemonnaie jemals in Gefahr geriet zu platzen. "Ich habe nun 17 Jahre Leistungssport betrieben und nichts verdient. Es reichte so gerade dazu, dass ich nicht draufzahlen musste", sagt Langen. Finanziell lukrativere Sportarten waren für ihn jedoch nie ein Thema: "Wenn ich neidisch auf andere wäre, hätte ich schon lange aufgehört."

Der deutsche Bobsport ist stehen geblieben

Das Geschehen bei anderen Wintersportarten verfolgt er gleichwohl sehr genau. "Skispringen, Biathlon, Eisschnelllauf, Nordische Kombination - überall ist etwas zum Positiven passiert. Bei uns leider nicht", bedauert der inzwischen mit 25 internationalen Medaillen dekorierte Altmeister. Vorwürfe an die Adresse der Funktionäre liegen ihm dennoch fern: "Wenn ich wüsste, wie man es besser machen kann, wäre ich selbst Präsident."

Ein wichtiger Schritt zu mehr Beachtung und üppiger fließenden Geldquellen wäre natürlich ein Fernsehsender, der Bobfahren intensiv präsentiert. "Beim Skispringen weiß inzwischen jeder, wie eine Bindung funktioniert. Bei der Formel 1 kennt jeder Laie genau den Verlauf der Rillen in den Reifen. Beim Bob aber hat niemand auch nur einen blassen Schimmer, wo die Bremse sitzt", erklärt Langen. Wenn der Zuschauer mehr Ahnung von der Materie hätte, würde er "mit anderen Augen vor dem Fernseher sitzen und nicht mehr glauben, dass wir einfach nur die Bahn runterschaukeln".

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