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28.01.2003

12:42 Uhr

Zweierlei Maß

Ex-Waffeninspekteur greift USA scharf an

Der frühere Uno-Waffeninspekteur Richard Butler hat den USA vorgeworfen, in ihrem Vorgehen gegen Irak mit zweierlei Maß zu messen. Butler, der das Uno-Inspektorenteam in Irak bis zu dessen Ausweisung 1998 geleitet hatte, sagte am Dienstag in Sydney, der irakische Präsident Saddam Hussein verfüge ohne Zweifel über Massenvernichtungswaffen und versuche, sich den Abrüstungsforderungen der Uno zu entziehen.

Richard Butler findet deutliche Wort. Archivfoto: dpa

Richard Butler findet deutliche Wort. Archivfoto: dpa

Reuters SYDNEY. Doch ein US-Angriff ohne Uno-Mandat und ohne die Bemühungen, den Besitz von Massenvernichtungswaffen weltweit einzuschränken, wäre ein Verstoß gegen das Völkerrecht und würde den Riss zwischen den Arabern und dem Westen nur vergrößern. "Das Schauspiel der mit Massenvernichtungswaffen ausgerüsteten USA, die ohne Mandat des Sicherheitsrats ein Land im Herzen Arabien angreifen und notfalls Massenvernichtungswaffen einsetzen würden, um den Krieg zu gewinnen, würde jeden Begriff von Fairness in dieser Welt tief verletzen. Dies könnte Kräfte freisetzen, deren Freisetzung wir zutiefst bedauern würden", sagte Butler.

Butlers Nachfolger Hans Blix hatte am Montag dem Sicherheitsrat berichtet, Irak sei den Abrüstungsforderungen der Uno nur begrenzt nachgekommen. Die USA verlangen von den Vereinten Nationen (Uno) ein Mandat für einen Militärschlag, sind notfalls aber auch zu einem Alleingang bereit. Rund um Irak sind starke US-Verbände aufmarschiert.

Butler warf den USA vor, ihrem erklärten Motiv - Irak seine Massenvernichtungswaffen zu entreißen - mangele es an Glaubwürdigkeit, weil sie gegen andere Länder nicht in der gleichen Weise vorgingen. Länder wie Syrien stünden im Verdacht, Mittel für biologische und chemische Kriegsführung zu besitzen. Verbündete der USA wie Israel, Indien und Pakistan besäßen Atomwaffen, ohne dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten zu sein. Schließlich verfügten die USA und andere ständige Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates über die weltweit größten Atomwaffen-Arsenale. "Warum gestatten wir das Fortbestehen dieser schockierenden Art unterschiedlicher Standards?" Statt die Kriegstrommel zu schlagen sollten die USA sich für internationale Einrichtungen ähnlich dem Sicherheitsrat stark machen, die die Weiterverbreitung atomarer, biologischer und chemischer Waffen kontrollierten. Sie sollten zudem ihre eigenen Arsenale verringern.

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