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29.01.2002

10:24 Uhr

Zweitägige Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) am Dienstag/Mittwoch

Ausblick: Die Fed hat den Zinsboden erreicht

Nachdem Fed-Chairman Alan Greenspan in der vorigen Woche einen verhalten optimistischen Ausblick auf die künftige Entwicklung der US-Konjunktur gegeben hat, dürfte kaum noch mit einer weiteren Zinssenkung durch die Federal Reserve zu rechnen zu sein.

vwd WASHINGTON. So erwarteten zum Ende der vergangenen Woche 22 der 24 Primary Dealers, die direkt im Anleihengeschäft mit der Fed tätig sind, dass die Notenbank den Zielsatz für die Fed Funds Rate unverändert bei 1,75 % belassen wird. Aber auch die Volkswirte in den Research-Abteilungen der großen US-Investmentbanken gehen im Vorfeld der zweitägigen Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses FOMC (Dienstag/Mittwoch) von keinem weiteren Zinsschritt aus.

Viele Analysten sahen sich allerdings erst am vergangenen Donnerstag - nach der Greenspan-Rede vor dem Haushaltsauschuss des US-Senats - dazu veranlasst, zuvor bestehende Zinssenkungserwartungen zu revidieren. Diese waren aufkommen, nachdem der Fed-Chairman vor gut zwei Wochen in San Francisco - wie er selber sagte - "unglücklicherweise" angedeutet hatte, vorerst sei wohl keine konjunkturelle Wende in den USA zu erwarten. Tatsächlich wollte Greenspan lediglich darauf verweisen, dass er den Aufschwung mit einem etwas moderateren Tempo erwartet als viele andere Konjunkturexperten.

Greenspan scheint zurzeit also in der Mitte zu stehen, weder ein konjunktureller Bär, noch ein konjunktureller Bulle. Dazu passt auch, dass er vor dem Senatsauschuss auf jene Risiken hinwies, die zum Beispiel von der steigenden Arbeitslosigkeit oder den immer noch gedrückten Aktienkursen auf die Verbraucherausgaben ausgehen.

Der starke Optimismus, den Greenspan relativieren wollte, hat zurzeit jedoch womöglich ein solides Fundament. Nach rund neun Monaten Rezession mehren sich nach Meinung der meisten Experten die Signale dafür, dass die US-Wirtschaft vor einer deutlichen Trendwende steht. Am Arbeitsmarkt zeichnet sich eine Stabilisierung ab, die Stimmung der Unternehmen und Verbraucher zeigt nach oben, die Läger sind leer. Vor diesem Hintergrund wird weithin erwartet, dass die US-Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2002 kräftig durchstarten wird. Einige Analysten halten dann ein Wachstumstempo von fünf Prozent nicht mehr für unwahrscheinlich.

Wenngleich kritische Beobachter noch einige "Leichen im Keller" sehen, die noch einmal zu konjunkturellen Rückschlägen führen könnten, richten sich die Märkte bereits auf eine Wende im geldpolitischen Zinszyklus ein. So wird in den Fed Funds Futures mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % bereits für Juni eine erste Zinsanhebung durch die Fed eingepreist. Diese dürfte aber nur dann erfolgen, wenn die Arbeitslosenquote bis dahin wieder rückläufig ist. Bisher hat die Federal Reserve nämlich nie die Zinsen erhöht, solange die Arbeitslosigkeit im Zuge einer Rezession nicht ihr zyklisches Hoch erreicht hatte.

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