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15.06.2000

13:12 Uhr

Zweitbestes Geschäftsjahr der Firmengeschichte

Lufthansa setzt auf neue Technologien

Die Deutsche Lufthansa will bei ihrer Unternehmensstrategie voll auf neue Technologien und neue Medien setzen. "Die Richtung ist vorgegeben. Sie lautet: Das bestehende Geschäft auf die Anforderungen der 'Neuen Ökonomie' auszurichten", sagte Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber am Donnerstag auf der Hauptversammlung seiner Gesellschaft in Berlin.

Reuters BERLIN. Der Konzernchef bekräftigte damit sein Konzept der Verknüpfung von realen und virtuellen Netzen. Zugleich hob er die Notwendigkeit von Partnerschaften mit anderen Fluglinien und eines Ausbaus der Luftverkehrsinfrastruktur hervor. Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Weber optimistisch. Weber versprach den Aktionären, die elektronischen Medien in allen Bereichen zu nutzen und sich strategisch und organisatorisch darauf einzustellen. In diesem Sinne zählte der Konzernchef die verschiedenen Aktivitäten der Lufthansa in den Bereichen elektronischer Handel ("E-Commerce") und Internet auf.

So sei mit der E GmbH-Commerce eine eigene Tochter für die neuen Technologien geschaffen worden, die unter anderem den Reservierungs- und Informationsservice der Lufthansa im Internet übernommen habe. Daneben sei die Lufthansa Partner des Online-Reisemarktes "Otopenia" geworden. Auch die Logistik-Tochter Lufthansa Cargo wolle zusammen mit ihrem größten Partner Deutsche Post neue Geschäftspotenziale im Internet erschließen. Auch in den Flugzeugen der Lufthansa werde das Internet Einzug halten, fügte Weber hinzu.

Weber ging auch auf die internationalen und nationalen Partnerschaften und Kooperationen als zweite strategische Linie ein. Das Flugbündnis "Star Alliance" habe im vergangenen Jahr 500 Mill. DM zum Konzernergebnis vor Steuern beigetragen, sagte der Konzernchef. Mit den mittlerweile zwölf Partnerfirmen fliege das Bündnis 800 Zielorte in 130 Ländern an. Die Star Alliance habe sich als Erfolgsformel eines globalen Verbundes erwiesen, sagte er. Erneute Kritik richtete Weber unterdessen an den internationalen Flugsicherungen, die es nicht schafften, durch eine notwendige Restrukturierung mehr Kapazitäten am Himmel bereitzustellen. Dies sei nach wie vor für die zahlreichen Verspätungen von Flügen verantwortlich. Weber sprach sich auch nochmals eindringlich für den Ausbau des Frankfurter Flughafens aus.

1999 sei das zweitbeste Geschäftsjahr in der Firmengeschichte gewesen, sagte Weber. Die Lufthansa hatte 1999 mit einem operativen Gewinn von rund 1,4 Mrd. DM zwar ihr Vorjahresergebnis um mehr als 600 Mill. DM unterschritten, einen zunächst erwarteten Gewinneinbruch jedoch vermieden. Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr 2000 sagte Weber: "Die Gesellschaften der Geschäftsfelder unseres Konzerns sind gut und zukunftssicher positioniert". Der Konzern gehe davon aus, das operative Konzernergebnis um über zehn Prozent auf auf mehr als 1,5 Mrd. DM steigern zu können. Die Verkehrserlöse in der Passage seien im bisherigen Jahresverlauf um zehn Prozent gestiegen - ein Zuwachs, der auch für das Gesamtjahr erwartet werde, fügte Weber hinzu.

Weber und seine Vorstandskollegen erhielten von den Aktionären überwiegend Lob und Anerkennung. In einem schwierigen konjunkturellen Umfeld und unter hohen Wettbewerbsdruck habe es die Lufthansa geschafft, sich zu behaupten. Proteste gab es allerdings gegen das angeblich gewaltsame Ausfliegen abgeschobener Flüchtlinge. Zum Auftakt der Versammlung stürmten einige Demonstranten den Tagungsaal und unterbrachen die Ansprache des Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schlede mit Rufen wie "Kein Mensch ist illegal" oder "Bleiberecht für alle". Die Protestler wurden nach kurzem Gerangel von Ordnungskräften aus dem Saal gedrängt. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre legte im Zusammenhang mit dem Ausfliegen von Flüchtlinge der Hauptversammlung den Antrag vor, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Viele abgeschobene Flüchtlinge würden "unter Anwendung physischer Gewalt" von der Lufthansa in ihre Heimatländer ausgeflogen, hieß es. Die Lufthansa wies die Vorwürfe zurück. Die Gesellschaft lehne Abschiebungen gegen den erkennbaren Widerstand der Betroffenen grundsätzlich ab und befördere diese nicht, erklärte sie.

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