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06.01.2003

08:48 Uhr

Zweiter Fall in den USA

Analysten von Merrill Lynch droht Anklage

Dem früheren Star-Analysten von Merrill Lynch, Henry Blodget, droht eine Anklage durch National Association of Securities Dealers (NASD), dem US-amerikanischen WertpapierHandelsverband. Dies hat die NASD-interne Branchenaufsicht dem früheren Wall-Street-Liebling und Spezialisten für Internet- Aktien in einer so genannten "Well?s Notice" mitgeteilt.

sia NEW YORK. Blodget, der während des Internet-Booms als High-Tech-Guru galt, hatte Aktien zum Kauf empfohlen, die er intern als "Schrott" bewertet hatte. Blodget ist nun bereits der zweite Analyst, dem ein Gerichtsverfahren droht. Das Verfahren gegen den früheren Analysten von Salomon-Smith- Barney, Jack Grubman, wurde kürzlich mit einem Vergleich beigelegt. Grubman, der die AT&T-Aktie absichtlich hochgestuft haben soll, um seine Bank am Börsengang der AT&T-Mobilfunktochter zu beteiligen, hatte in dem Vergleich mit der NASD eine Strafe von 15 Mill. US-Dollar sowie den Ausschluss aus der Wertpapierbranche akzeptiert.

Blodgets früherer Arbeitgeber, Merrill Lynch, hatte sich bereits im Juni mit dem New Yorker Staatsanwalt Elliot Spitzer in einem Vergleich auf eine Buße von 100 Mill. US-Dollar geeinigt. Dieser Vergleich schloss auch den Fall Blodget ein. Allerdings war die NASD hieran nicht beteiligt, so dass sie ihre Ermittlungen fortsetzte. Kurz vor Weihnachten einigten sich die NASD, SEC und andere US-Behörden mit großen Wall-Street-Firmen auf einen Vergleich gegen Zahlung einer Buße von 1,4 Mrd. US-Dollar. Nun konzentriert die NASD ihre Ermittlungen auf individuelle Analysten.

Die "Well?s Notice", in der die NASD Blodget vor dem Jahreswechsel über das drohende Verfahren informierte, gibt diesem zunächst zwei Wochen Zeit für eine Stellungnahme. Sollte er die Aufsicht in dieser Zeit nicht überzeugen können, dass eine Klage ist, wird die NASD klagen.

Blodget hatte Merrill Lynch Ende 2001 verlassen, nachdem Staatsanwalt Spitzer seine Ermittlungen aufgenommen hatte. Spitzer war es, der die entscheidenden E-Mails entdeckte, in denen Blodget zum Kauf empfohlene Aktien als "Schrott" bezeichnet hatte.

Wall Street Journal

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