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04.02.2001

12:48 Uhr

Zweiter Verdachtsfall in Sachsen-Anhalt

Schweinemast-Skandal weitet sich aus

Der Skandal um den illegalen Einsatz von Arzneimitteln in Schweinemastbetrieben weitet sich aus. Aus Sachsen-Anhalt wurde jetzt ein zweiter Verdachtsfall bekannt. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen die Betreiber eines Mastbetriebes in Osterfeld wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz, wie Oberstaatsanwalt Ingo Siehrt am Samstag der "Mitteldeutschen Zeitung" und dem Mitteldeutschen Rundfunk bestätigte.

ap HALLE. Das Landeskriminalamt habe die Anlage durchsucht, die einen Bestand von 2 000 Tieren habe, sagte Siehrt. Ergebnisse der Razzia seien noch nicht bekannt. Bereits Ende Januar waren in einem anderen Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt ebenfalls verbotene Arzneimittel gefunden worden. Wegen des Verdachtes des Verstoßes gegen arzneimittelrechtliche Vorschriften wurde Strafanzeige gegen den Tierhalter sowie gegen die in Bayern und Thüringen ansässigen Tierärzte gestellt, die dem Unternehmen die Arzneimittel verkauft hatten.

In Ost- und Südbayern hatte die Polizei am Donnerstag bei einer Großrazzia auf 33 Bauernhöfen Beweismittel sichergestellt. Nach bisherigen Feststellungen besteht in Bayern der Verdacht, dass ein Arzneimittel für Geflügel als Injektionslösung für Schweine und Rinder umetikettiert und verbreitet wurde. Außerdem sollen die Tierärzte Arzneien an Bauern abgegeben haben, ohne die Tiere zu untersuchen. Der Hauptverdächtige, der Straubinger Tierarzt Roland Fechter, soll mehrere tausend Bauernhöfe in Deutschland und Österreich beliefert haben. Er sitzt wegen Verdunkelungsgefahr seit einer Woche in Haft.

Simonis fordert artgerechte Tierhaltung

Künast verlangte in der "Bild am Sonntag": "Wir brauchen artgerechte Produktion ohne Doping." Schon seit Jahren würden Schweinen Antibiotika unter das Futter gemischt und damit über die Gülle Boden und Wasser belastet. "Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass Ferkeln Antibiotika zugefüttert werden, damit sie sich nicht gegenseitig anstecken", kritisierte die Grünen-Politikerin.

Die schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis sagte mit Blick auf den Skandal, die Bauern täten "gut daran, die Schuldigen schnell ausfindig zu machen und ihre 'schwarzen Schafe' zu verbannen. Um das Vertrauen der Bürger in landwirtschaftliche Produkte zurück zu gewinnen, müsse Europa jetzt ein anderes Signal senden: "Wir müssen hin zur artgerechten Tierhaltung, und zwar auch in der konventionellen Landwirtschaft. Das Produkt, das am Ende dabei herauskommt, muss gesund sein", verlangte die SPD-Politikerin in "Spiegel Online". Nur dann werde der Verbraucher auch bereit sein, das Produkt für einen höheren Preis zu kaufen.



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