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12.01.2004

06:00 Uhr

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Zwischen Mond & Mars

VonThomas Knipp

Der US-Präsident will auf den Mond und den Mars. Diese Initiative ist nicht mehr als politischer Karneval, der von den desaströsen Ergebnissen seiner Außenpolitik ablenken soll.

Quelle: Handelsblatt

Die Welt schaut in dieser Woche wieder mal gespannt nach Washington. Am Mittwoch enthüllt Präsident Bush das neue Weltraumprogramm der USA: Eine Basis auf dem Mond und US-Erdlinge auf dem Mars. So wird er es wohl verkünden - ganz wie Kennedy 1961. Damit hat die politische Karnevalszeit am Potomac begonnen.

Es ist ein probates Mittel der Politik, bei innenpolitischen Schwierigkeiten auf die Themen der Außenpolitik umzuschalten. Innenpolitische Schwierigkeiten hat Bush in der Tat genug. Nur: die stammen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus den Erlebnis-Ausflügen seiner Außenpolitik. Und daher verbietet sich das Umschalten auf schlichte Außenpolitik. Es muss in diesem Fall schon etwas außerirdisches sein. Wenn wir den Präsidenten bis hierher richtig verstanden haben, dann will er dort nicht nach Massenvernichtungswaffen suchen lassen. Nur, wenn es nicht der Kampf gegen die Achse des Bösen zwischen Mond und Mars ist, was ist es dann? Was will Bush dort?

Er will - und nun ganz ernsthaft - vom Desaster seiner Außenpolitik ablenken, die immer mehr zu einer innenpolitischen Belastung wird. Nur zwei Nachrichten der letzten Tage: Außenminister Powell gibt zu, dass man nie einen Beweis für die später behauptete Verbindung zwischen Irak und El-Kaida gehabt habe. Und Ex-Finanzminister Paul O?Neill sagt: Der Krieg gegen Hussein wurde weit vor den Anschlägen des 11. September entschieden.

Das ist eine toxische Mischung für den Präsidenten. Das Volk wird immer lauter fragen: Warum der Krieg, mit all den Opfern und Kosten? Wenn Bush keine plausible Erklärung hat, dann wird er am Wahltag die Antwort des Volkes erhalten. Er ist eben nicht Kennedy.

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