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08.01.2003

15:52 Uhr

Zwischenbilanz der Handelsblatt-Serie über innovative Unternehmensfinanzierungen

Neues Finanzierungsmodell für Mittelständler geht in die Testphase

VonPeter Köhler und Nicole Walter

Ein halbes Jahr nach der Handelsblatt-Serie über innovative Modelle zur Mittelstandsfinanzierung fällt eine erste Zwischenbilanz gemischt aus. Einige Modelle wurden trotz des widrigen Marktumfeldes weiter entwickelt, bei anderen waren die Fortschritte langsamer als erhofft. Eine Reihe von Kreditgebern haben sich für dieses Jahr ehrgeizige Ziele gesetzt, um die Mittelstandsfinanzierung zu einem rentablen Geschäft auszubauen.

HB FRANKFURT/M. Einen großen Schritt nach vorn hat das Eigenkapitalmodell von Anton Börner gemacht. Der Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Einzelhandels (BGA) plant einen Beteiligungsfonds, der kleinen und mittelständischen Firmen Eigenkapital zur Verfügung stellt. Er soll sich anfangs aus Geldern von den Beteiligungsgesellschaften der Länder speisen und es später institutionellen Investoren erleichtern, in diese Risikoklasse zu investieren. In Kürze soll ein Modellversuch in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und anderen Bundesländern anlaufen, sagt Börner. "Im Laufe dieses Jahres werden wir dann das Modell in Zusammenarbeit mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu einem bundesweiten und privat finanzierten Produkt entwickeln", sagt Börner.

Das Interesse institutioneller Kapitalgeber wie etwa Investmentfonds oder Versicherungen an Investitionen in den deutschen Mittelstand sei groß, sagt Börner. Das Problem bestehe daher nicht darin, Kapital zu akquirieren, sondern darin, eine günstige, standardisierte Plattform zu schaffen, um das Kapital mit geringen Verwaltungskosten zu investieren.

Der ehemalige Banker Börner will sich dabei vor allem auf die Erfahrungen der KfW mit Förderprogrammen für den Mittelstand stützen. Ausserdem liefen derzeit auch Gespräche mit privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken über den Aufbau eines Vertriebsnetzes, um Beteiligungen zu akquirieren und Investitionskapital zu gewinnen.

Etwas langsamer als erhofft kommt das Partnerschaftsmodell der Deutschen Industriebank IKB voran. Es sieht vor, dass zum Beispiel Automobilzulieferer teure Entwicklungsprojekte in fremdfinanzierte Projektgesellschaften auslagern können, um auf diese Weise ihre Bilanz zu entlasten und ihre Kreditlinien schonen. Schwieriger als anfangs angenommen sei die Umsetzung der "idealtypischen" Vertragskonstruktion, bei der der Automobilhersteller als Gesellschafter in die Projektgesellschaft eintritt. "Die komplizierten Entscheidungsprozesse in den Autobilkonzernen erschweren es, dieses Konzept schnell umzusetzen", sagt der Projektverantwortliche, Olav van Lier. Im laufenden Jahr sei aber geplant, ein solches Projekt zu realisieren. In der Zwischenzeit hat die IKB Konstruktionen entwickelt, bei denen ausschließlich die Bank und der Zulieferer Vertragspartner sind und die Beteiligung eines Herstellers nicht erforderlich ist.

Die Ende Juli 2002 angekündigten 70 bis 100 Mill. Euro Finanzierungsvolumen habe die IKB im vorigen Jahr nicht erreicht, so van Lier. Nach rund 50 Mill. Euro im Jahr 2002 rechnet er in diesem Jahr mit 100 bis 130 Mill. Euro.

Für 2003 sei ein großes Projekt in der elektrotechnischen Investitionsgüterindustrie in Aussicht. Van Lier: "In Zusammenarbeit mit einem Investitionsgüterhersteller werden wir sein Lager finanzieren und bilanzieren. Damit wird erreicht, dass die häufig mittelständischen Zulieferer bereits bei Lieferung bezahlt werden."

Mittelfristig will van Lier das bilanzschonende Finanzierungsmodell auf andere Branchen übertragen, zum Beispiel auf den Maschinenbau oder die Medizintechnik.

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) bietet Mezzanine-Finanzierungen, die zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelt sind, auch für den Mittelstand an. Die Bank habe 2002 acht Mezzanine-Transaktionen über insgesamt 30 Mill. Euro strukturiert, sagt der für dieses Geschäftsfeld Verantwortliche Frank Henes. Finanziert wurden in erster Linie mittelständische Produktionsbetriebe. "Wir haben jetzt die Anlaufphase hinter uns", sagt Henes. 2003 will die Bank Transaktionen mit einem Gesamtvolumen in dreistelliger Millionenhöhe strukturieren.

Die Commerzbank hat 2002 eine ausführliche Ratingberatung für Mittelständler aufgebaut. Analysten unterstützen Unternehmer bei einer Stärken-Schwächen-Analyse ihrer Firma und helfen, die Bonität zu verbessern. Mittlerweile berate die Bank über 30 Unternehmen, sagt Commerzbank-Direktor Michael Bücker.

Quelle: Handelsblatt

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