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08.01.2002

13:21 Uhr

Die einstige Erfolgs-Phalanx ist endgültig auseinander gebrochen. Schon früh im vergangen Jahr hat Infineon-Vorstand Ulrich Schumacher das Vertrauen seines Mentors verloren. Zu lange soll er Siemens-Lenker Heinrich von Pierer den sich abzeichnenden Fall von Infineon verschwiegen haben. Auf dem Höhepunkt seiner Blitzkarriere zeitweilig sogar als Pierer-Nachfolger gehandelt, wird nunmehr darüber spekuliert, ob Schumacher gar das Vertragsende bis 2003 bei Infineon noch erleben darf.

Der zum Börsenstart von Infineon hochgejubelte Unternehmerstar hat auch im eigenen Haus das Vertrauen verspielt. Die Belegschaftsaktionäre jedenfalls wollen dem Vorstand auf der Hautversammlung am 22. Januar nicht entlasten.

Mit Schumacher steht allerdings nicht nur eine wenig geliebte Person zur Disposition, sondern gleich auch ein ganzes Geschäftsfeld. Siemens-Macher Pierer hat schon mehrfach angekündigt, sich mittelfristig ganz vom unsicheren Halbleitergeschäft abzuwenden. Seit Dezember hält Siemens nicht mehr die Mehrheit an der Tochter. Durch den Verkauf von 40 Millionen Aktien sinkt die Beteiligung auf 41,3 Prozent. Dem Konzern soll dadurch ein Erlös von einer Milliarden Euro zufließen. Das entspricht kurioserweise ziemlich genau dem Betrag, den Infineon im vergangenen Jahr als Verlust verbuchen musste.

Dass sich der angeschlagene Halbleiter-Hersteller im gleichen Zug mit der Ausgabe einer milliardenschweren Wandelanleihe frisches Geld beschaffen will, dürfte Schumachers Problem nicht wirklich lösen. In einer Branche, die zunehmend auf Kooperationen angewiesen ist, verfolgt ihn immer noch der geplatzte Toshiba-Deal. Andere potente Partner sind derzeit nicht in Sicht. Dass der in Bedrängnis geratene Infineon-Chef den Erlös aus der Emission für die "Finanzierung der langfristigen Strategie" verwenden will, ist gut so. Unklar ist allerdings, was das bedeuten soll. Über die notwendigen Wachstumsstrategien schweigt sich das Unternehmen bislang jedenfalls aus.

Während der Druck auf Schumacher also beharrlich zunimmt, entledigt sich von Pierer mit seinem Rückzug auf Raten gleichwohl einem defizitären Geschäftsfeld wie auch einer unliebsamen Personalentscheidung.

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