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28.05.2018

17:48

Zahl der Lehrlinge hat sich verdoppelt. dpa

Junger Flüchtling

Zahl der Lehrlinge hat sich verdoppelt.

Arbeitsmarkt

Erfolgreiche Integration – Immer mehr Flüchtlinge finden einen Job

Von: Frank Specht

Die Beschäftigung unter Flüchtlingen steigt. Damit noch mehr einen Job finden, fordert die Wirtschaft weitere Schritte der Politik.

Berlin Angesichts der Affäre bei der Migrationsbehörde BAMF dreht sich die Flüchtlingsdebatte derzeit vor allem um zu Unrecht erteilte Asylbescheide und den Kontrollverlust des Staates. Weniger im Mittelpunkt stehen jene Flüchtlinge, die bleiben dürfen. Und da gibt es durchaus Erfolge – etwa bei der Integration in den Arbeitsmarkt.

So haben nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) rund 216.000 Menschen aus den acht Hauptasylländern inzwischen einen sozialversicherungspflichtigen Job – 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge stagniert seit Anfang 2017, von kleineren Schwankungen abgesehen, bei rund 180.000. Das liegt daran, dass weniger Flüchtlinge kommen und sich viele nach wie vor in Integrationskursen befinden, aber auch an der gestiegenen Erwerbstätigkeit.

„Die Befürchtung, da kommen eine Million Arbeitslose auf uns zu, hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Nürnberger Forscher gehen davon aus, dass der Flüchtlingszuzug 2018 keinen Effekt auf die Arbeitslosenquote hat, aber die Zahl der Erwerbstätigen um rund 100.000 erhöhen wird.

Denn die Unternehmen suchen weiter Personal. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer, das die Münchener Konjunkturforscher exklusiv für das Handelsblatt berechnen, ist nach drei Rückgängen in Folge im Mai wieder gestiegen – auf 104,1 Punkte, nach 103,3 Zählern im April. Wesentlicher Treiber für den Anstieg war der Dienstleistungssektor und hier insbesondere die Werber sowie die Hotel- und Gastronomiebranche. Auf dem Bau herrscht Arbeitskräftemangel.

Gerade Branchen mit vielen Helferjobs wie das Gastgewerbe bieten Flüchtlingen gute Einstiegschancen, solange die Voraussetzungen stimmen: „Die Sprache ist eine große Herausforderung, gerade beim Thema Ausbildung“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbands Dehoga, Ingrid Hartges.

Zwölf Prozent der 70.000 arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge, die zwischen Februar 2017 und Januar 2018 einen Job fanden, landeten im Gastgewerbe. Größte Aufnahmebranche bleibt mit knapp einem Drittel die Zeitarbeit.

Weil gut drei von fünf Flüchtlingen noch unter 25 Jahre alt sind, hoffen die Unternehmen zudem, sie für eine Ausbildung gewinnen zu können. Auch hier gibt es Fortschritte: „Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Geflüchteten, die eine Ausbildung absolvieren, mehr als verdoppelt“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Achim Dercks. Derzeit seien es insgesamt fast 28.000.

Damit es noch mehr werden, fordert die Wirtschaft weitere Schritte der Politik. Die neue Bundesregierung sollte noch vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres im Herbst die gesetzlichen Regelungen so ändern, dass alle Geflüchteten mit Ausbildungsvertrag auch Zugang zur Ausbildungsförderung haben, fordert Dercks: „Nur so haben die Ausbildungsbetriebe die Gewissheit, dass ihre Auszubildenden während der gesamten Zeit der Ausbildung gefördert werden.“

Mit dem Integrationsgesetz hatte die letzte schwarz-rote Bundesregierung 2016 Unterstützungsleistungen wie die assistierte Ausbildung oder Bildungsangebote zur Berufsvorbereitung für einen größeren Kreis junger Flüchtlinge geöffnet – allerdings befristet bis Ende dieses Jahres.

Kommentar: Der BAMF-Skandal legt die eigentlichen Probleme der Flüchtlingspolitik frei

Kommentar

Der BAMF-Skandal legt die eigentlichen Probleme der Flüchtlingspolitik frei

Chaos und Versagen des BAMF sind leider symptomatisch für die deutsche Flüchtlingspolitik. Die Behörde wurde zu lange vernachlässigt.

Das Handwerk moniert, dass die sogenannte 3+2-Regelung von Bundesland zu Bundesland immer noch unterschiedlich gehandhabt wird. Sie sieht vor, dass Auszubildende während einer dreijährigen Lehre und zweijährigen Anschlussbeschäftigung nicht abgeschoben werden dürfen. „Unsere Betriebe brauchen Rechtssicherheit“, sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Deshalb müsse die 3+2-Regel überall gelten: „Wenn das nicht flächendeckend garantiert werden kann, werden Betriebe vermutlich bald keine Flüchtlinge mehr ausbilden.“

IAB-Forscher Weber macht sich zudem dafür stark, auch Geduldeten die Teilnahme an Integrations- und berufsbezogenen Sprachkursen zu erleichtern: „Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht sollte man da frühzeitig und für einen möglichst großen Personenkreis investieren.“

Kommentare (5)

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Herr Holger Narrog

29.05.2018, 10:40 Uhr

Eine steigende Integration der Gäste der Kanzlerin in den Arbeitsmarkt ist sicherlich eine sehr gute Nachricht. Das > 50% dieser Personengruppe in einem Arbeitsverhältnis stehen ist beachtlich.

Gem. des Schweizer Kantons Aargau leben dort > 70% der in der Schweiz als Asylanten bezeichneten Mitmenschen auch noch Jahre nach der Einreise teils, oder vollständig von staatlicher Alimentation. Da die Arbeitslosenquote in der Schweiz niedriger ist, die Behörden konsequenter sind, nehme ich an, dass die Zahl in D höher ist.

Deshalb wäre ich nicht erstaunt, wenn man bei einer kritischen Betrachtung der Erfolgsmeldung auch andere Wahrheiten finden kann.

Herr Leo Löwenstein

29.05.2018, 11:17 Uhr

Aha, was will uns der Artikel denn sagen?
Dass es super vorangeht mit der Beschäftigung bei den Flüchtlingen.
Aber man sollte Statistiken genauer betrachten.
216.000 haben also einen Job. Und nur 180.000 sind arbeitslos?

Hmm, diese Aussagen verhindern eine ehrliche Diskussion.

Seit 2015 sind wie viele nach Deutschland gekommen? 1,5 - 2 Mio ?
Und wenn man die Erzeugung von Statistiken kennt, sind in diesen 216.000 "Beschäftigten" alle aus diesen Herkunftsländern gezählt, auch die, die schon vorher da waren.
Trotzdem lassen wir mal die 216.000 stehen. Welche Jobs haben sie, können sie sich selbst ernähren? Oder sind es z.T. nur Weiterqualifizierungsmaßnaghmen, die ja gerne mal dafür hergenommen werden.
Aber sagen wir mal als Gutmensch, die sind alle in Beschäftigungen, in denen sie ausreichend verdienen (was sicher nicht der Fall ist), dann wären das zwischen 10 und 20% der Flüchtlinge, die hier bei uns angekommen sind. Ehrlich?
Aber haben sie es gemerkt, ich habe die Statistik ebenfalls zu mkienen Zwecken missbraucht. In der Gesamtanzahl der Flüchtlinge sind natürlich auch andere, als die 8 Hauptwirtschaftsflüchtlingsländer.

Es kommt also immer darauf an, was man in einer Statistik wegläßt oder dazunimmt. Solange nicht alle Zahlen gemeinsam veröffentlicht werden, ist eine Statistik wertlos und soll nur eine bestimmte Stimmung erzeugen.

Danke.

Herr Peter Spiegel

29.05.2018, 12:35 Uhr

Ich gehe doch davon aus, daß das Bamf an den Zahlen mitgewirkt hat. Mußte man den Flüchtling schon erfinden, denn es gibt in Deutschland laut GG keine, war es nur ein kurzer Weg zum beschäftigten Flüchtling. Warten wir auf die nächste Siegesmeldung und freuen uns, daß wir immer gewinnen, die Renten ganz sicher sind, auf die Teilnahme an der Umvolkung,, den Bürgerkrieg, die Islamisierung, die immer buntere Gesellschaft und daß immer mehr Menschen in diesem kleinen Land, übereinander leben dürfen. Denken wir auch daran, daß es in Bangladesch schlechter geht und freuen uns über das Land in dem Frau Dr. Merkel gerne lebt.

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