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14.03.2019

17:54

Auktion bei Van Ham

Westfälischer Textilunternehmer lässt über 4.000 Kunstwerke versteigern

Von: Stefan Kobel

Das Textilunternehmen SØR Rusche verkauft seine von vier Generationen aufgebaute Sammlung. Bei Van Ham in Köln kommt die zeitgenössische Kunst zum Aufruf.

Die Auktionserlöse fließen zurück in die Firma. SØR Rusche GmbH

Geschäftsführer Thomas Rusche

Die Auktionserlöse fließen zurück in die Firma.

BerlinDer westfälische Textilunternehmer Thomas Rusche hat das Kölner Auktionshaus Van Ham damit beauftragt, den Großteil der firmeneigenen SØR Rusche-Sammlung zu versteigern. Der Grundstock der in vier Generationen von der Familie zusammengetragenen Kollektion besteht aus Gemälden niederländischer Meister des 17. Jahrhunderts. Sie werden von Sotheby‘s versteigert. Vor mehr als zehn Jahren hatte Rusche dann begonnen, zeitgenössische Kunst zu sammeln.

Mittlerweile sind über 4.000 Werke zusammengekommen, die Van Ham im Laufe des Jahres in unterschiedlichen Auktionen aufrufen wird. Den Auftakt machen am 29. Mai rund 150 hochkarätige Werke der Sammlung, die in einem Ende April erscheinenden Sonderkatalog präsentiert werden. Prominente Namen sind hier Norbert Bisky, George Condo, Leiko Ikemura, Alicja Kwade, Jonathan Meese, Neo Rauch, Daniel Richter oder David Schnell.

Die übrigen Objekte sollen dann über die jeweils passenden Kanäle veräußert werden, unter anderem über das Internet, erklärt Robert van den Valentyn, Mit-Gesellschafter von Van Ham und Leiter der Abteilung Modern, Post War & Contemporary. „Wir werden die nächste große Präsenzauktion im Herbst durchführen. Ob wir den gesamten Bestand in diesem Jahr noch schaffen, weiß ich nicht.“

Er betont jedoch, dass es sich nicht um einen Ausverkauf im Stil eines „Fire Sale“ (Verkauf unter Druck) handeln würde: „Wenn wir merken, dass da junge Künstler dabei sind, die der Markt nicht aufnimmt, dann müssen wir die nicht verkaufen.“

Das Volumen des Auftrags übersteigt den der ebenfalls bei Van Ham versteigerten Insolvenzmasse von Helge Achenbach 2015/16. „Wir können das überhaupt nur stemmen, weil wir so ein riesiges Lager haben“, ergänzt van den Valentyn.

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Den Ausschlag zur Auftragserteilung hätten letztlich auch die logistischen Möglichkeiten von Van Ham und die Bereitschaft des Hauses, den gesamten zeitgenössischen Teil ohne Rosinenpickerei zu übernehmen, gegeben. Die Schätzung der Werke sei aufgrund ihrer Vielzahl noch nicht abgeschlossen, doch gehe es insgesamt um einige Millionen Euro.

Der Erlös fließt in das Unternehmen

Die Alten Meister gab Rusche bewusst Sotheby‘s. „Aus meiner langjährigen Erfahrung ist das Unternehmen für Alte Meister eine ebenso erstklassige Adresse wie Van Ham für die Auflösung von Firmensammlungen.“ Ein Highlight der Sammlung, die barocke Blumengirlande von Michaelina Woutier, wurde am 30. Januar bei Sotheby‘s in New York für 471.000 Dollar inklusive Aufgeld versteigert. Geschätzt war sie auf 150.000 bis 200.000 Dollar.

Der Erlös der Auktionen soll in das Unternehmen investiert werden, erklärte Rusche gegenüber dem Handelsblatt: „Auch unser Unternehmen hat in den letzten beiden Jahren unter der negativen Entwicklung der Textilbranche gelitten, die neben dem Klimawandel ganz wesentlich von der Digitalisierung beeinflusst wird.“ Der Verkaufserlös der Firmensammlung komme der digitalen Transformation aller Geschäftsbereiche des Unternehmens zugute.

Das Traditionsunternehmen mit Sitz in Oelde in Westfalen erwirtschaftete laut dem letzten veröffentlichten Jahresabschluss 2016 bei einem leicht rückläufigen Umsatz von gut 24,7 Millionen Euro einen Jahresüberschuss von 530.000 Euro.

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