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04.07.2019

17:30

leitet die im Bundeszollamt angesiedelte Financial Intelligence Unit (FIU) Deutschland. dpa; Foto: Fabian Sommer

Christof Schulte

leitet die im Bundeszollamt angesiedelte Financial Intelligence Unit (FIU) Deutschland.

Köln Schulte leitet die Financial Intelligence Unit (FIU) Deutschland. Die eigenständige Dienststelle des Bundeszollamts ist in Köln angesiedelt und untersucht Finanztransaktionen vor allem mit der Aufgabe, Geldwäsche und Terrorismus zu bekämpfen.

Wie groß schätzen Sie den Handlungsbedarf beim Thema Geldwäsche im Kunstmarkt in Deutschland ein?
Bei Kunstgegenständen und Antiquitäten handelt es sich zumeist um hochpreisige Güter. Märkte für hochwertige Güter sind grundsätzlich anfällig für Geldwäsche, da dort regelmäßig Geschäfte mit hohen Summen getätigt werden, die nicht zuletzt auch in bar bezahlt werden.

Erklären Sie das bitte genauer.
Der Bargeldverkehr erfolgt anonym mit der Folge, dass gerade die Herkunft des Geldes nicht nachvollziehbar ist. Auch unterliegen hochwertige Kunstgegenstände beziehungsweise Antiquitäten keiner Registrierungspflicht oder Ähnlichem. Dadurch ist es möglich, dass der gesamte Erwerb anonym oder sogar durch Dritte (beispielsweise Auktionsteilnahme per Telefon, Ferngeschäfte) erfolgen könnte, sodass die Herkunft des Geldes vollständig verschleiert werden kann.

Gibt es belastbare Informationen über Fallzahlen und Summen, die auf dem deutschen Kunstmarkt gewaschen werden?
Die FIU informiert über ihre Arbeit sowie über statistische Zahlen grundsätzlich in ihrem Jahresbericht. Darüber hinausgehende statistische Auswertungen – insbesondere aus dem Bereich der operativen Analyse – können nicht zur Verfügung gestellt werden.

Wie viele Verdachtsmeldungen mit Kunstmarktbezug hatten Sie in den letzten Jahren?
Insgesamt hatten wir 216 Verdachtsmeldungen. Das ist als zu niedrig zu bewerten. Dazu gehören Verdachtsmeldungen von Güterhändlern sowie von Veranstaltern und Vermittlern von Glücksspiel.

Im Handelsblatt-Interview vom 7. November 2018 erläuterten Sie, dass Sie die aussortierten Fälle im Blick behalten, etwa wenn eine Meldung zu einer gleichen Kontoverbindung übermittelt wird. Wie verträgt sich das mit Ihren Datenschutzbestimmungen?
Gemäß den gesetzlichen Vorgaben hat die FIU gespeicherte personenbezogene Daten zu löschen, wenn die Speicherung dieser Daten unzulässig oder die Kenntnis dieser Daten für die Aufgabenerfüllung nicht mehr erforderlich ist. Das regelt der Paragraf 37 Absatz 2 des Geldwäschegesetzes. Es wird jedoch nicht automatisch gelöscht, wenn diese Daten vor Ablauf der jeweiligen Fristen relevante Bezüge zu anderen Analysedaten aufweisen, die der FIU zu einem späteren Zeitpunkt übermittelt wurden. In diesem Fall wird gesondert geprüft, ob eine weitere Speicherung erforderlich ist. Die Löschung richtet sich dann nach der Löschfrist des jüngsten Datums.

Mehr: „Ihren Ausweis, bitte!“: Lesen Sie hier was die Novellierung des Geldwäschegesetzes für den Kunsthandel in Deutschland bedeutet.

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