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19.09.2019

17:54

Expo im Mittleren Westen

Auf der Kunstmesse Chicago regiert die Gediegenheit

Von: Stefan Kobel

Die Kunstmesse Expo Chicago setzt auf Sammler und kauffreudige Institutionen im Mittleren Westen der USA. Experimente findet man eher am Rande.

„Untitled“, eine Collage und Mischtechnik aus dem Jahr 2009, bietet die Galerie Nolan an. David Nolan Gallery  New York Jonathan Meese/  VG BILD-KUNST

Jonathan Meese

„Untitled“, eine Collage und Mischtechnik aus dem Jahr 2009, bietet die Galerie Nolan an.

Chicago Im amerikanischen Mittelwesten herrscht noch Sommer. Die Windy City zeigt sich zur Expo Chicago von ihrer besten Seite. Das muss sie auch, denn als regionale Messe mit Ambitionen muss sie nicht nur Einheimischen etwas bieten, sondern auch den Sammlern des Mittleren Westens. Mit 126 Galerien hat die Messe ein mittleres Format.

Tatsächlich wirkt sie mit ihrer beeindruckenden Halle, den weiten Gängen und den großzügig dimensionierten Ständen größer. Über eine große Sammlertradition und bedeutende Institutionen verfügt Chicago zweifellos. Doch wie funktioniert dieser Marktplatz zwischen den großen Zentren New York und Los Angeles an den Küsten?

Einen erstaunlichen Vergleich stellt Galerist David Nolan aus New York an: „Illinois ist wie Nordrhein-Westfalen. Es gibt so viele großartige und aktive Institutionen hier – und die Sammlerschaft wächst.“ Das Lob schmeichelt natürlich, wenn es von einem Art Basel- und Frieze-Aussteller kommt. Einerseits. Andererseits beschreibt es wohl wirklich ein vergleichbares Phänomen, weil das rheinische Publikum bevorzugt bei einheimischen Galerien kauft und es Auswärtigen schwer machen, auf ihre Kosten zu kommen.

Schwankende Teilnehmerzahl aus Europa

Dass kleinere europäische Kollegen es in Chicago nicht leicht haben, beweist ihre schwankende Zahl unter den Teilnehmern. An dem Relaunch der heruntergewirtschafteten Art Chicago unter ihrem neuen Eigentümer und Direktor Tony Karman im Jahr 2012 hatten eine ganze Reihe deutschsprachiger Galerien teilgenommen. Das Terrain erwies sich jedoch als schwierig.

In diesem Jahr haben wieder einige mehr den Sprung gewagt. Ernst Hilger aus Wien und die Berliner Galerie Kornfeld aus Berlin sind nicht zum ersten Mal dabei. Der Österreicher mischt bekannte Klassiker wie Larry Rivers und Ugo Rondinone mit Positionen aus seinem jungen Programm wie Jakob Kirchmayr und Marko Tadic. Kornfeld hingegen setzt mit den aus Wellpappe-Blöcken herausgearbeiteten Wandobjekten und Skulpturen von Martin Spengler auf nur eine Position.

Blue Chip-Galerien sind zahlreich vertreten, gehen den lokalen Markt jedoch unterschiedlich an. Die Lisson Gallery aus London hat sich in diesem Jahr aufs Mittelformat kapriziert. Ein Querschnitt des Programms hat ausnahmslos Wohnzimmerformat. Hauser & Wirth (Zürich, London, NY) hingegen trumpft bei ihrem ersten Auftritt in Chicago gleich groß auf und widmet Lorna Simpson einen fulminanten Solo-Auftritt. Die US-amerikanische Fotografien verarbeitet in ihren Collagen aus siebgedruckten Foto-Porträts, die jeweils in einer knalligen Farbe übermalt sind, allerdings auch alle Themen, mit denen man im Diskurs gerade punkten kann: Identität, Gender, Ethnie und Geschichte.

Thaddaeus Ropac (Salzburg, Paris,London) breitet sein Blue Chip-Sortiment von Baselitz bis Beuys aus. Blickfänger an seinem Stand ist eine monumentale Kohlezeichnung Robert Longos mit einem Motiv, das selbst Laien auf den ersten Blick erkennen: „Untitled (X-Ray of A Bar at the Folies-Bergère, 1882, After Manet)“ aus dem Jahr 2017.

David Zwirner aus New York hat für jede Wandgröße und jeden Geldbeutel etwas dabei: von Josef Albers‘ „Study for Homage to the Square: Persistent“ aus den späten 1950er Jahren über ein vier Jahre altes Monumentalgemälde Oscar Murillos bis zu ganz neuen kleinen Aquarellen von Chris Ofili. Nur wenige Stände fallen wirklich auf. Dazu gehört Jack Shainman aus New York, dessen Stand mit den bunten Bizarrerien von Nick Cave wie ein Paradiesvogel wirkt.

Konservative Sammlerschaft

Gegen die durchgängige Gediegenheit mit Einsprengseln von Eigenheiten des US-Markts sind die beiden „Exposure“-Sektionen mit junger Kunst. Hier treffen Welten aufeinander, etwa wenn die verspielt-bunten kulissenartigen Installationen von Justine Hill bei Denny Dimin (New York) den strengen schwarz-weißen Textarbeiten von Kameelah Janan Rasheed bei Nome aus Berlin gegenübergestellt sind. Avantgarde und Experimentierfreude sind allerdings nicht die herausragendsten Merkmale der Sammlerschaft des Mittelwestens.

Immerhin feiert die New Art Dealers Alliance (NADA) die Premiere der kleinen Satellitenmesse Chicago Invitational im Athletic Association Hotel mit 40 Teilnehmern. Die Galeristenvereinigung betreibt bereits in Miami die spannendste Nebenmesse, hat aber ihre New Yorker Ausgabe letztes Jahr eingestellt. Jetzt kann sie als einziges Event dieser Art auf mehr Aufmerksamkeit hoffen. Die meisten Teilnehmer stammen aus den USA, aus Köln ist Christian Lethert als einziger Deutscher dabei. Wagemutigere Sammler werden hier vielleicht eher fündig als auf der großen Messe.

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