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29.11.2018

18:39

Kunstmarkt

Auch private Sammler und Stiftungen sollen Nazi-Raubkunst restituieren

Von: Christiane Fricke

Private Sammler und Stiftungen tun sich schwer damit, Raubkunst zurückzugeben. Nun fordert Kulturstaatsministerin Grütters „deutlich mehr Engagement“.

Kann im Buchheim Museum bleiben, nachdem die Provenienz geklärt wurde. Pechstein Hamburg/Tökendorf/Stamber; VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Max Pechsteins„Granateinschlag“

Kann im Buchheim Museum bleiben, nachdem die Provenienz geklärt wurde.

BerlinAls „den größten Diebstahl der Geschichte“ beschreibt der Diplomat und Anwalt Stuart Eizenstat den Kunstraub der Nationalsozialisten. Eizenstat war es, der vor 20 Jahren dafür sorgte, dass die von ihm initiierte Washingtoner Konferenz zumindest in eine „Erklärung“ mündete, Nazi-Raubkunst identifizieren und so rasch wie möglich restituieren zu wollen. 44 Länder einigten sich damals auf ein elf Prinzipien umfassendes Regelwerk.

Allerdings sahen sich nur die Museen in öffentlicher Trägerschaft in der Bringschuld. Sie beeilten sich, im Jahr darauf eine – indes juristisch nicht bindende – Selbstverpflichtung zu unterschreiben. Privatsammlungen und Handel, an die sich die Washingtoner Konferenz gleichermaßen wendete, gingen diesen Schritt nicht.

Zeit für Korrekturen

„Das Glas ist ein wenig mehr als halbvoll“, resümierte Eizenstat die seither geleisteten Bemühungen im Umgang mit der NS-Raubkunst, als er am vergangenen Montag in Berlin die Konferenz zum 20-jährigen Jubiläum der Washingtoner Prinzipien eröffnete. Aber nun sei die Zeit gekommen, Korrekturen anzustoßen.

Und damit bezog sich der Amerikaner zuallererst auf den nicht nur in Deutschland mangelhaften Zugang zu digital abrufbaren Informationen über Raubkunst und Sammlungsbestände. Auch Handel und Privatmuseen waren gemeint. „Ein transparenter Markt, der umfassend über die Herkunft seiner Ware aufklärt, kommt sowohl Käufern als auch Händlern zugute“, erläuterte Eizenstat die Vorteile.

Ein „Washington 2.0“ forderte Kathrin Stoll aus dem Publikum heraus. Sie investierte bislang noch als einzige deutsche Auktionatorin in die Aufarbeitung der Geschichte ihres Vorgängerunternehmens zur Nazizeit und machte die Ergebnisse online zugänglich.

Aber das ist nun zehn Jahre her. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK), das sich national und international als zentraler Ansprechpartner zu Fragen unrechtmäßiger Entziehungen von Kulturgut in Deutschland im 20. Jahrhundert versteht, habe aber noch immer keine Anlaufstelle, an die sich der Handel wenden könne, moniert Stoll.

Ist es da ein Wunder, dass man den Kunsthändler im Programm der vom DZK veranstalteten Berliner Konferenz vergebens sucht?

Mit Recht kritisiert Eizenstat die sehr wenigen Restitutionen durch Privatleute und private Stiftungen in Deutschland. Doch mehr als an die Moral appellieren kann Kulturstaatsministerin Monika Grütters nicht. Das deutsche Recht schützt den privaten Eigentümer. Sie forderte von Sammlern und Handel allerdings „deutlich mehr Engagement“ ein.

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„Die historische und moralische Verantwortung für die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs liegt nicht allein beim Staat und seinen Institutionen“, erklärte sie. Damit stellt sie nicht weniger als das Mehr an Verantwortung, das der „Täterstaat“ nach dem Krieg übernahm, infrage.

In einer Resolution forderte Grütters gemeinsam mit Eizenstat „die Kunstauktionshäuser und andere private Händler in unseren Ländern auf, die Washingtoner Prinzipien einzuhalten“. Doch so einfach ist das nicht, was auch die Liste jener seit Anfang 2017 vom DZK geförderten Provenienzforschungsprojekte Privater widerspiegelt.

Gerade mal zwei Privatpersonen und eine private Stiftung, das Buchheim Museum, machten bislang Gebrauch von dem Förderungsangebot. Das Museum Schäfer in Schweinfurt hingegen lässt seine Provenienzen selbst untersuchen.

Die Tatsache, dass so wenig Private die Förderung in Anspruch nehmen heißt zwar nicht, dass private Stiftungen per se nicht restituieren. Gegenbeispiele liefern das Städel in Frankfurt und die von Henry Nannen gestiftete Kunsthalle Emden. Es offenbart aber den Widerstand. Denn wer gefördert wird, unterwirft sich automatisch den Washingtoner Prinzipien. Er hat etwas zu verlieren, was ihm wert und teuer ist. Genau das droht aber auch dem, der Angst hat vor der Aufklärung.

Wert erhaltende Einigung

Stiftungen, die damit argumentieren, das in ihrer Kunst enthaltene Vermögen erhalten zu müssen, verbietet sich nur auf den ersten Blick eine faire und gerechte Lösung. Denn wenn ihre belastete Kunst in der Datenbank „Lost Art“ gelistet ist, ist sie auf dem Markt nichts mehr wert, weil sie unverkäuflich wird. Wenn sie das verhindern wollen, müssen sie sich mit den Anspruchstellern einigen.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist die Berliner Rechtsanwältin Katharina Garbers von Boehm überzeugt. Die Stiftung habe zwar die Pflicht, ihr Stiftungskapital zu erhalten. „Doch diese Pflicht kann im Einzelfall gerade gebieten, mit der problematischen Herkunftsgeschichte offensiv umzugehen. Nur so kann der Wert der Sammlung als Ganzes, mithin also das Stiftungsvermögen, erhalten werden.“

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