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28.03.2019

14:20

Auf der Art Basel Hongkong tröpfelt die Farbe wie Sprühregen. Getty Images

Installation von Mit Jai Inn

Auf der Art Basel Hongkong tröpfelt die Farbe wie Sprühregen.

Kunstmarkt

Die Art Basel Hongkong zeigt sich dynamisch – trotz Konjunkturdelle in China

Von: Stefan Kobel

Der Kunstmarkt ist gereift – nicht zuletzt wegen der Art Basel Hongkong. Trotz verlangsamten Wachstums zeigt man sich dort offen für westliche Kunst.

HongkongIn Asien gibt es noch Wartelisten. Keine fünf Minuten nach Öffnung der Art Basel Hongkong für die wichtigsten Kunden hatte sich bei der japanischen Galerie Nanzuka eine Schlange gebildet. Die Menschen standen an, um ihre Namen auf Lose zu schreiben und in eine Kiste zu werfen. Zu gewinnen gab es das Recht, die letzte verbliebene kleinformatige Dinosaurier-Skulptur von Hiroshi im Trash-Stil der japanischen Godzilla-Filme für 13.000 US-Dollar kaufen zu dürfen.

Die kuriose Szene erinnert an die Sturm-und-Drang-Phase von Chinas Kunstmarkt bis 2011, als auf den Rausch der stetigen Preissteigerungen der Kater mit einer Halbierung des Marktvolumens folgte. Diese wilden Zeiten werden wohl nicht wiederkehren; und im Grunde trauert ihnen auch kaum jemand nach. Der Markt ist gereift, nicht zuletzt dank der Art Basel, die seit 2013 von Hongkong aus den gesamten asiatischen Raum bedient.

Waren die westlichen Aussteller anfangs selbst noch unsicher, wie sie die zwar wohlhabende und interessierte, aber weitgehend unerfahrene Kundschaft behandeln sollten, begegnet man sich jetzt zunehmend auf Augenhöhe. Zweitrangige Pop Art, die sich auf etablierten Märkten nur noch schwer absetzen ließ, prägte hier anfangs die Auftritte vieler Großgalerien.

Inzwischen haben alle Beteiligten gelernt. Wer etwa den Stand der Großgalerie Gagosian besucht, findet zwar immer noch ein Spin Painting von Damien Hirst aus dem Jahr 2007 an der Außenwand. Dies ist allerdings jetzt, der flauen Nachfrage für den Künstler angepasst, mit 400.000 US-Dollar moderat bepreist. Und noch zu haben.

Das wandfüllende Diptychon „Wir sind es“ von Georg Baselitz, die aktuelle Wiederholung eines Bildes von 1958, ist hingegen schon in den ersten Stunden der Messe verkauft – „an einen Kunden, der persönlich auf der Messe war“, wie einer der Verkaufsmitarbeiter schmallippig mitteilt.

Kunstmessen: Art Basel Hongkong – Marktplatz für große Namen

Kunstmessen

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Auf der Kunstmesse in der ehemaligen Kronkolonie boomt das Geschäft mit der Kunst. Allerdings kommt nicht jeder auf seine Kosten.

Doch auch das Angebot der jüngeren und kleineren Avantgarde-Galerien aus der westlichen Welt fällt hier auf fruchtbaren Boden. Jocelyn Wolff aus Paris ist ein kluger Stratege, der seine Galerie bewusst klein hält und nicht auf Expansion setzt, um an dem „Grow or Die“-Rennen der Branche teilzunehmen.

Er bestätigt die wachsende Bedeutung der Region: „Die Messe und der Marktplatz sind immer noch sehr dynamisch.“ Gleichwohl habe er nicht schon an der Premiere teilgenommen. „Wir waren eine junge Galerie und hätten uns ein so kostspieliges Experiment nicht leisten wollen.“

Kraupa Tuskany-Zeidler aus Berlin sind zum vierten Mal dabei und haben erstaunliche Erfahrungen gemacht. Ihr Programm dreht sich mit Künstlern wie Alexander Carver, Avery Singer oder Slavs and Tartars im weitesten Sinne schon immer um den Körper im Spannungsfeld zwischen physischem und virtuellem Raum.

Dieses Diskursfeld hat in Asien eine breitere Basis, die an die Lebenserfahrung gerade der jüngeren Sammler andockt. Doch es ist nicht nur die Offenheit für westliche Kunst, die die aktuelle Sammlerschaft charakterisiert.

Angenehmes Arbeiten mit Asiaten

Es sei vor allem die Zuverlässigkeit und der offene Kommunikationsstil, der das Arbeiten mit Asiaten so angenehm mache. Anders als etwa in den USA, seien die Sammler selbst um Kontakt bemüht, und man stehe mit vielen von ihnen über soziale Medien in ständigem Austausch.

Die Preisspanne am Stand reicht von 12 .000 bis 80.000 US-Dollar. Das ist zwar kein Kleingeld, aber bei dem augenscheinlich wohlhabenden Publikum, das hier durch die Gänge streift, wahrscheinlich einfacher zu realisieren als auf den meisten europäischen Messen.

Die berühmten Millenials, von denen seit einiger Zeit gesprochen wird, wenn es um die Zukunft des asiatischen Kunstmarkts geht, sind also aktiv. Doch auch an ihnen dürfte die aktuelle Delle in Chinas Konjunktur nicht spurlos vorübergehen. Adeline Ooi, der Direktorin der Art Basel Hongkong, ist sich dessen bewusst. Sie gibt sich dennoch optimistisch: „Im Verhältnis zu Europa und Amerika sind wir ja immer noch jung hier, aber verglichen mit dem Wachstum der letzten Jahre geht es jetzt vielleicht etwas langsamer.“

Der reduzierten Geschwindigkeit kann sie Positives abgewinnen: „Asien ist nicht nur China. Das Wachstum wird vielleicht in China etwas weniger stürmisch ausfallen, aber das hat auch etwas Gutes. Die Sammler nehmen sich mehr Zeit zum Nachfragen und um zu lernen.“

Das alte China, also das von vor dem Platzen der Blase 2001, lässt sich zum Teil auf der „Art Central“ antreffen, der Satellitenmesse, die die ehemaligen Eigentümer nach dem Verkauf der Art Hongkong an die Messe Schweiz in zwei Zelten in Laufnähe zum Messezentrum abhalten.

Sie nimmt viele der asiatischen Galerien auf, deren Niveau der Art-Basel-Jury nicht ausreichend erscheint, meist völlig zu Recht. Hier lässt sich allerdings beobachten, wie sehr sich Teile des asiatischen Kunstmarkts von internationalen Gebräuchen unterscheiden.

Bei der Line Gallery aus Peking etwa war man auf Anhieb nicht in der Lage, Preise zu benennen. Kommuniziert wurde von der einzigen auch nur gebrochen Englisch sprechenden Person lediglich der Faktor eines Künstlers (Länge plus Breite). Dieser Faktor wird in der westlichen Sphäre ebenfalls zur Preisfindung angewandt, aber nur sehr ungern öffentlich klar benannt. Schließlich geht es um Kunst und nicht um beliebig handelbare Meterware.

Gao Yus in westlichen Augen unterkomplexe Gemälde niedlicher Tierchen in Zeichentrick-Optik jedenfalls kosten zurzeit 80.000 Yuan pro Meter. Das läge an den Auktionspreisen, entschuldigt die Galeriemitarbeiterin. Er sei einer der Stars der nach 1980 Geborenen, und seine Werke würden auf Versteigerungen bis zu einer Million Yuan erzielen.

Mögen sich Positionen asiatischer Künstler einem westlichen Verständnis nicht sofort erschließen, lässt sich das Angebot westlicher Galerien sehr wohl beurteilen. So ist ein Albert Einstein im Graffiti-Stil von Mr. Brainwash bei Zemack Contemporary aus Tel Aviv für 135.000 US-Dollar deutlich unterhalb der Zulassungsschwelle einer internationalen Kunstmesse angesiedelt.

Derartig krasse Qualitätsgefälle sind auf jedem größeren Marktplatz anzutreffen, sei es in Hongkong, Basel, Miami, London oder New York. Doch in Asien ist die Lernkurve sehr steil, und solche Ausreißer nach unten werden Sammlern wohl seltener unterkommen als in der Vergangenheit.

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