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06.12.2018

18:58

Kunstmesse

Art Cologne lässt nur noch 180 Aussteller zu

Von: Stefan Kobel

Die Art Cologne will die Zahl ihrer Aussteller verkleinern. um die Besucher nicht zu erschöpfen. Gleichzeitig hebt die Messe die Preise an.

Weniger tut gut. dpa, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Messebesucher auf der diesjährigen Art Cologne

Weniger tut gut.

KölnRund um den Globus entstehen immer mehr regionale Kunstmessen, während Allrounder diesseits der sogenannten A-Messen („Art Basel“ in Basel, Hongkong und Miami), „Frieze London“ mit „Masters New York“ und ab Januar Los Angeles und vielleicht noch der „Fiac“ in Paris) nach Wegen suchen, im internationalen Wettbewerb um die Sammlergunst und um Aussteller attraktiv zu bleiben.

Die „Art Brussels“ etwa hat sich mit ihrem Umzug innerhalb der Stadt aufgrund der örtlichen Gegebenheiten um ein Drittel verkleinert und in gleichem Maße die Preise angehoben. Die „Artissima“ in Turin, in der Ausstellerzahl vergleichbar mit der „Art Cologne“, hat sich bereits etwas verkleinert. Deren Direktorin Ilaria Bonacossa hält eine weitere Reduzierung für wünschenswert, ist bei der stadteigenen Veranstaltung jedoch an politische Vorgaben gebunden.

Junge Galerien mit weniger Umsatz

Die Kölnmesse betreibt mit der Art Cologne im April, der „Art Berlin“ im September und der „Cologne Fine Art“ mittlerweile drei Kunstmessen. Die Art Cologne hat jetzt erstmals deutlich weniger Aussteller zugelassen als im Vorjahr und gleichzeitig die Preise für reguläre Stände angehoben. 2019 werden daher knapp 180 Galerien auf der Messe ausstellen statt wie zuletzt rund 200.

Art Cologne-Direktor Daniel Hug erklärt die Gründe dafür: „Ich mache auf der Art Cologne immer meinen Rundgang und spreche mit den Ausstellern. Letztes Jahr habe ich festgestellt, dass die Umsätze im Bereich Neumarkt für junge Galerien bei den auswärtigen Ausstellern schwach waren. Bei 27 Ausstellern in diesem Bereich, davon die Hälfte aus dem Ausland, war das schlimm.“

„Vor drei Jahren war das Segment neu, und die Verkäufe waren gut“, ergänzt Hug. In den letzten zwei Jahren habe das aber nachgelassen. „Ich habe das länger mit dem Beirat diskutiert. Wir waren alle der Meinung, dass wir den Sektor in die Haupthalle integrieren müssen“, erläutert der Messechef. Im nächsten April wird das Angebot daher auf zwei statt wie bisher auf drei Ebenen ausgebreitet. Die gesamte vermietete Fläche wird daher kleiner.

„Die Messegesellschaft war zunächst nicht begeistert“, erzählt Hug. „Jedoch ist es für die Messe aufkommensneutral, weil die Teilnahme gleichzeitig teurer wird. Das war für mich der Preis, um die Messe verkleinern zu können. Das kam zur gleichen Zeit, als die Art Basel die Preise gesenkt hat. Aber da wurde erst einmal klar, was der Quadratmeter dort wirklich kostete. Jetzt sind es hier in Köln 380 Euro pro Quadratmeter für einen regulären Stand. Das ist immer noch weniger als die Hälfte der Art Basel und anderer Messen.“

Er passt die Art Cologne an die Erfordernisse der Zeit an. Glen Glover, Kölnmesse

Messechef Daniel Hug

Er passt die Art Cologne an die Erfordernisse der Zeit an.

Eine kleine Koje in der jungen Sektion Neumarkt sei mit Preisen zwischen 4.000 bis 6.000 Euro deutlich preiswerter als bei den meisten Wettbewerbern, ergänzt Hug. „Die Standmieten in der Neumarkt-Sektion gehören zu den günstigsten auf der ganzen Welt.“ Zudem habe man die Zahl der Aussteller dort halbiert: „Das hat zu einer Qualitätssteigerung geführt“, erklärt Hug. „Die bekommen dann zwangsläufig mehr Aufmerksamkeit; auch weil sie zentral positioniert werden. Das wird einen großen Unterschied machen.“

Mit Blick auf die übermächtige Konkurrenz aus Basel verweist Hug auf ein krasses Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Nach seinen Angaben zeige die Art Cologne auf einer vergleichbaren Bruttoausstellungsfläche von 30.000 Quadratmetern ungefähr ebenso viele Kunstwerke wie die Art Basel, habe aber nur halb so viele Besucher.

Zudem würden in der Schweiz auf kleineren Standflächen wesentlich teurere Kunstwerke angeboten. Er meint: „Letztes Jahr hatten wir so viele Schwergewichte auf der Messe. Ich glaube, dass es nicht genügend Kaufkraft gibt, um alle Aussteller auf einer größeren Messe zufriedenzustellen.“

Die beste Zeit waren die Achtziger

Die Analyse der eigenen Geschichte und des internationalen Umfelds legen für Daniel Hug einen Schluss nahe: „Die besten Jahre hatte die Art Cologne wahrscheinlich Mitte der 1980er-Jahre mit jeweils rund 160 Ausstellern. Frieze hat 145 Galerien, Fiac um 170. Ich glaube, es macht daher Sinn, uns auf 175/180 zu reduzieren, auch in der wirtschaftlichen Lage.

Messen müssen kleiner werden. Das ist einfach ein Trend. „Frieze LA“ wird 65 Aussteller haben, Art Berlin hat 120, „Art Düsseldorf“ 91. „Dieser Trend kann negative Auswirkungen auf die großen Elefanten haben“, ist Hug überzeugt. Eine kleinere Messe sei viel angenehmer für die Besucher. „Sie haben mehr Zeit für die einzelnen Positionen.“

Die kritische Mindestgröße für international aufgestellte zeitgenössische Kunstmesse sieht Hug bei mindestens 120 Galerien. Die nächste Ausgabe der Art Cologne erreicht im zeitgenössischen Teil ungefähr diese Zielgröße. Hinzu kommt die Klassische Moderne. Für internationales Publikum sei Köln aus einem weiteren Grund interessant: „Für ausländische Sammler ist die Art Cologne unter anderem deshalb interessant, weil sie hier nicht Schlange stehen müssen, um einen Gerhard Richter zu kaufen“, findet der Kölner Messeleiter.

Millionenwerke werden Besucher auf der Cologne Fine Art (Cofa) und der Art Berlin aus unterschiedlichen Gründen bestenfalls ausnahmsweise finden. Die Cofa ist nur noch ein Schatten ihrer Vorgängerinnen Westdeutsche Kunst- und Antiquitätenmesse, Kunst Köln und Westdeutsche Antiquariatsmesse.

Art Düsseldorf und Tefaf: Aufruhr unter den Kunstmessen

Art Düsseldorf und Tefaf

Aufruhr unter den Kunstmessen

Folgenreiche Entscheidungen unter Druck: Die Muttergesellschaft der Art Basel trennt sich von der Art Düsseldorf, und die Antiquitätenmesse Tefaf reformiert ihre Jurierung.

Gerald Böse, Vorstandsvorsitzender der Kölnmesse, ist allerdings zuversichtlich: „Wer sich die diesjährige Cologne Fine Art angeschaut hat, sah eine gut konzipierte und qualitativ hochkarätige Schau unterschiedlicher Kunstsparten und Epochen. Die Messe präsentiert ja eben nicht nur Bilder und Skulpturen, sondern auch Antiquitäten, Schmuck, Silber und Porzellan.

Insbesondere Asiatika und Tribal Art haben einen hohen Stellenwert auf der Cofa, ein Aspekt, der von anderen Kunstmessen in Deutschland nicht in dieser Dichte dargestellt wird. Dieser Dialog der Epochen und Genres funktioniert sehr gut und setzt immer wieder neue Akzente.“

Aufstieg der Brafa in Brüssel

Das mit 80 Ausstellern jenseits der Klassischen Moderne und Nachkriegskunst in weiten Teilen schwach aufgestellte Angebot sei nicht der Messe anzulasten, sondern dem Markt: „Dass verschiedene Themengebiete schwächer auf der Cologne Fine Art abgebildet sind, ist vor allem den Marktmechanismen geschuldet.

Nicht jedes Sammelgebiet hat noch die Bedeutung früherer Jahre. Von daher zeigt die Cofa auch deutlich, wie sich die momentane Situation in der Sammlerlandschaft darstellt.“ Die scheint im benachbarten Belgien völlig anders zu sein, denn parallel zum Niedergang der Kunst- und Antiquitätenmesse in Köln hat die „Brafa“ in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugelegt.

Die Art Berlin hingegen muss als Nachfolgerin der chronisch prekären „Art Berlin Contemporary“ (abc) den Kunstmarktplatz Berlin überhaupt erst einmal aufbauen. Letztere ist zwar eine Schwester der Art Cologne, wird aber von einem eigenen Team gemanagt. Gerald Böse legt auf diese Trennung wert: „Beide Messen haben und bedienen verschiedene Netzwerke. Von daher ist eine Aufteilung der Kompetenzen sehr wichtig.

Dass Synergien, etwa in der Besucheransprache genutzt werden, ist dagegen geübte und erfolgreiche Praxis. Die Art Berlin hat ihre eigene Ausrichtung, die noch stärker auf zeitgenössische Positionen fokussiert, auch in der neuen Location gut herausgearbeitet.“

Auf alle Fälle brauchen die Kölner in Berlin einen langen Atem. Denn einen weiteren Messestandort in Deutschland zu etablieren, ohne Köln zu kannibalisieren, hat sich als wenig erfolgreich erwiesen, seit in 1990er-Jahren das „Art Forum Berlin“ gegründet wurde und die „abc“.

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