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26.09.2019

14:38

Vienna Contemporary

Die osteuropäischen Galerien sind zurück

Von: Stefan Kobel

Wer sich für Kunst im Osten Europas interessiert, hat in Wien einen Pflichttermin. Ein Besuch auf der Kunstmesse Vienna Contemporary.

Die quadratische Leinwandarbeit ist auf dem Stand von der Galerie nächst St. Stephan zu finden. VG Bild-Kunst, Bonn, 2019/Foto: Markus Wörgötter

Bernard Frize „Lapu“

Die quadratische Leinwandarbeit ist auf dem Stand von der Galerie nächst St. Stephan zu finden.

Wien Vieles ist anders bei der aktuellen Ausgabe der Wiener Kunstmesse „Viennacontemporary“, deren Markenzeichen ständiger Wandel ist (bis 29. September). Früher hieß sie „Viennafair“ und gehörte zum Konzern Reed-Elsevier. Dann übernahm ein russischer Investor mit neuem Team die Messe, kurz darauf ein weiterer.

Seit 2015 findet die Veranstaltung unter ihrem aktuellen Namen in einer luftigen Halle aus dem 19. Jahrhundert statt. Die künstlerische Direktorin Christina Steinbrecher-Pfandt verließ das Unternehmen nach sieben Ausgaben. Die aus Polen gebürtige Berlinerin Johanna Chromik übernahm Anfang 2019. Jetzt hat der kaufmännische Direktor Renger van den Heuvel seinen Rückzug für Ende Oktober angekündigt.

Rückbesinnung auf die alten Stärken

Mit Chromik vollzieht sich eine Rückbesinnung auf die alten Stärken der Messe: Kunst aus den Ländern Zentral- und Osteuropas, abgekürzt CEE. „Ich habe Mitte Januar angefangen“, so Chromik. „Es war also nicht so viel Zeit, etwas zu ändern. Wir haben es aber geschafft, den Schliff, den Fokus auf Zentral- und Osteuropa noch weiter zu polieren.“ Es seien einige Galerien dabei, die man hier noch nicht hier gesehen habe.

Das stimmt. Hunt Kastner aus Prag nimmt erstmals teil, ebenso wie Ann Art aus Bukarest, Wschód aus Warschau oder Eugster aus Belgrad. Einige Galerien kehren auch nach mehrjährigen Pausen zurück, etwa Plan B. Die Galeristen aus Berlin beziehungsweise Klausenburg in Rumänien treten in der runderneuerten Sektion „Explorations“ mit Kunst von 1945 bis 1980 an. Sie wird von Harald Krejci, Chefkurator am Belvedere, betreut.

Plan B zeigt Arbeiten aus dem Nachlass des Rumänen Horia Damian, der seit den 1940er-Jahren in Paris lebte und schon zu Lebzeiten Einzelausstellungen im Guggenheim Museum und im Centre Pompidou hatte. Nach seinem Tod 2012 geriet er aber in Vergessenheit. Die Vorarbeiten zu seinen Monumentalskulpturen – Skizzen und Modelle – kosten zwischen 10.000 und 40.000 Euro und liegen damit fast schon jenseits dessen, was preislich in Wien an Privatsammler zu vermitteln ist.

Hoher Anteil an Installationen

Das ist denn auch ein wenig die Krux der Viennacontemporary. Viele Galerien aus dem osteuropäischen Raum, die hier ihre ersten Schritte auf internationale Parkett machen, sind wie Plan B mittlerweile auf der Art Basel und der Frieze vertreten und damit in andere Preisregionen vorgerückt. Die Messe ist also zwangsläufig ständig auf der Suche nach neuen Positionen. Das gelingt ihr in diesem Jahr ausnehmend gut. Besonders überrascht der hohe Anteil an Installationen, nicht nur, aber auch aus dem Osten: Maia Oprea bei Ann Art, Henrike Neumann bei KOW aus Berlin und Madrid oder Sophie Thun bei Sophie Tappeiner (Wien).

Die Sammler sollte das freuen. Doch der internationale Zuspruch ist sehr schwankend. Ein Grund dafür mag sein, dass die Veranstaltung im Westen nicht stark verankert ist. Immerhin stehen die international bedeutenden österreichischen Galeristen nach wie vor geschlossen zur Viennacontemporary. Insgesamt nehmen 110 Galerien aus 26 Ländern teil, ungefähr gleichmäßig verteilt auf drei Regionen: Österreich, CEE und Rest der Welt (davon allein ein Drittel aus Deutschland). Doch wer sich dafür interessiert, was im Osten Europas künstlerisch passiert, hat in Wien einen Pflichttermin.

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