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16.09.2018

14:21

Gesund, geschmackvoll, geliebt. Aber nicht alles ist gut mit der grünen Frucht. Thought Catalog on Unsplash

Die Avocado

Gesund, geschmackvoll, geliebt. Aber nicht alles ist gut mit der grünen Frucht.

Kolumne: Abgeschmeckt

Avocado – Superfood fürs schlechte Gewissen

Von: Corinna Nohn

Grün, gesund, geschmackvoll: Die Deutschen lieben Avocados. Aber die Früchte haben eine richtig miese Ökobilanz. Dürfen wir die überhaupt noch essen?

DüsseldorfAch, Avocado. Du Lieblings-Superfood. Ob zermatscht als Guacamole, als Power-Zutat im Salat oder als Schicht im Burger, direkt aufs Brot oder – ja, das geht auch! – im Cheesecake: Du grünes Ding kannst doch fast alles (sogar Haarpflege und Gesichtsmaske, aber das ist ein anderes Thema).

Die Avocado ist eine Vitaminbombe, Speicher für gesunde ungesättigte Fettsäuren und aus der veganen Küche nicht wegzudenken. Sie hilft beim Abnehmen und, last but not least, schmeckt.

Das ist ja bei gesunden Lebensmitteln so eine Sache. Denn beim Satz „An den Geschmack kann man sich gewöhnen“ lasse ich das Rezept in der Regel schon fallen. Aber darf man Avocados überhaupt noch essen?

„Hast Du da kein schlechtes Gewissen?“, murmelt eine Kollegin beim gemeinsamen Mittagssnack, als ich in meinen Avocado-Wrap beiße. Mit einem Ton, als hätte ich da einen Hundewelpen eingewickelt. Und ein Bekannter, Veganer, der garantiert immer einen Tipp zum Weltverbessern parat hat, postet im Netz unter dem Bild des Cheesecakes: „Avocados? Gehen ja gar nicht.“

Die vehemente Ablehnung kommt plötzlich – und verwirrt. Haben wir die Avocado, die Botaniker als Beere einordnen und die zu den Lorbeergewächsen zählt, gefühlt nicht gerade erst zum Superfood Nummer eins gekürt?

Die grüne Furcht inspiriert Köche und Fotografen gleichermaßen. Brenda Godinez on Unsplash

Avocado Art

Die grüne Furcht inspiriert Köche und Fotografen gleichermaßen.

Während die Deutschen 2008 knapp 20.000 Tonnen Avocados importierten, waren es laut Statistischem Bundesamt 2017 schon mehr als 70.000 Tonnen.

Wir lieben sie! Wir verehren sie! Davon zeugen auch Tausende Beiträge und wahre Avocado-Kunstwerke in den sozialen Medien. Aber genau diese Leidenschaft ist das Problem.

Avocados wachsen in Europa nur in Spanien, weitaus mehr Früchte beziehen wir aus Peru und Chile. Bevor wir also in deutschen Küchen unsere Messer in ihre Schalen rammen können, haben die grünen Alleskönner eine weite, schadstofflastige Schiffreise hinter sich, wenn nicht gar eine noch umweltschädlichere Flugreise.

Infografik: Avocados boomen | Statista

Das ist etwa zehnmal so viel wie bei Tomaten – dabei weiß jeder, der schon mal eine Tomate hochgezogen hat, wie durstig diese Nachtschattengewächse sind. In Chile, einem der Hauptanbauländer, verschärft die enorme Nachfrage nach Avocados den existenziellen Wassermangel. Unter anderem der britische „Guardian“ entfachte heftige Debatten über die miese Umweltbilanz der gepriesenen Avocado.

Was also tun, wenn man ökologisch denkt, aber auf die Öko-Sünde nicht verzichten möchte? Man kann damit anfangen, eine andere abzustellen. Man könnte zum Beispiel nur noch Bio-Avocados kaufen – die benötigen im Anbau zwar ebenso viel Wasser, dafür stützt man damit keine Monokulturen, aber eher bessere Sozialstandards für die Arbeitskräfte.

Vor allem aber sind sie so viel teurer als konventionell angebaute Avocados, dass man sich automatisch der Kostbarkeit der Früchte bewusst wird und im Supermarkt vielleicht seltener zugreift.

Sechs Fakten über Avocados

Superfood und superfett

Eine Avocado hat etwa 400 Kalorien und besteht aus bis zu 30 Prozent Fett – aber es sind vor allem die gesunden ungesättigten Fettsäuren, kein Cholesterin. Daher gehören Avocados zu den cholesterinsenkenden Lebensmitteln. Außerdem enthalten sie viele wichtige Nährstoffe, vor allem Eisen, Vitamin A und E.

Obst oder Gemüse?

Hierzulande würden die meisten wohl auf Gemüse tippen, aber aus botanischer Sicht zählt die Avocado zum Obst: Der Baum gehört zur Familie der Lorbeergewächse und ist damit eine Beere.

Sorten

Manche Experten sprechen von mehr als 400 Sorten, in jedem Fall gibt es Hunderte. In den Handel hierzulande gelangen vor allem diese: Furte (grüne Schale, birnenförmig), Hass/Black Sensation (dunkle Schale, sehr aromatisch), Nabal (glatte Schale, runde Form, niedrigerer Fettgehalt).

Herkunft

Die Hauptproduktionsländer sind Mexiko (2016: 1,9 Megatonnen), Dominikanische Republik (0,6 mt), Peru (4,5 mt), Kolumbien und Indonesien (je 0,3 mt), Brasilien, Kenia und USA (je 0,2 mt), gefolgt von Chile und China (je 0,1 mt). Quelle: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN

Aufbewahrung

Avocados fallen in unreifem Zustand vom Baum – beziehungsweise werden unreif geerntet. Sie reifen auf dem Transport, benötigen aber anschließend meist noch weitere Tage Reifung. Das geht schneller bei Zimmertemperatur neben reifen Äpfeln. Angebrochene Avocados am besten im Kühlschrank lagern und den Kern im Fruchtfleisch belassen – das verlangsamt den Oxidationsprozess, sprich: dass das Fruchtfleisch braun wird. Alternative: Die Frucht eng in Frischhaltefolie einschlagen.

Avocado und Tiere

Für Tiere ist die Avocado auf Grund ihres Persingehalts giftig. Für Menschen ist das Toxin ungefährlich, aber für Katzen und Hunde kann bereits das Lecken an der Frucht gravierende Folgen haben.

Wenn mich das nächste Mal also ein Freund auf meinen ökologisch fragwürdigen Avocado-Heißhunger anspricht, werde ich sagen: Ja, schon klar, aber ich denke da global – und dusche an Tagen, an denen ich Avocado esse, nur ganz kurz.

In ihrer Kolumne „Abgeschmeckt“ macht sich Corinna Nohn über Foodtrends und Fragen des guten Geschmacks Gedanken.

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