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06.12.2018

13:20

Caparol-Managerin Annika Murjahn im Interview

„Der Aufholbedarf in puncto Mut zur Farbe ist noch groß“

Von: Thomas Tuma
Quelle:Handelsblatt Magazin

Annika Murjahn hat sich auf Luxusfarben spezialisiert. Im Interview spricht über ihr Start-up im Farben-Konzern DAW und die deutsche Unlust an einem bunten Zuhause.

Mit „Caparol Icons“ möchte sie nachhaltige, gesündere und hochwertige Wandfarben anbieten. Meiré und Meire

Annika Murjahn

Mit „Caparol Icons“ möchte sie nachhaltige, gesündere und hochwertige Wandfarben anbieten.

Frau Murjahn, Ihrer Familie gehört der Farben-Riese Deutsche Amphibolin-Werke (DAW), der eher Fachleuten ein Begriff ist, aber mit bekannten Marken wie Alpina und Caparol über 1,3 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt. Wie kommt man von diesem Massengeschäft zur sehr kleinen Nische exquisiter Wandfarben?
Die Idee zu Caparol Icons hatte mein zehn Jahre älterer Bruder, der unser Unternehmen ja auch führt. Ihm war aufgefallen, dass ausgerechnet dieser feine Nischenmarkt von einigen kleinen ausländischen Firmen beherrscht wird ...

...wie Farrow & Ball oder Little Green...
...die teils ja vor allem von ihrem traditionellen Charme leben. Nachdem wir uns deren Produkte angeschaut hatten, waren wir schnell überzeugt, dass wir mit unserer Expertise deutlich innovativere, nachhaltigere und gesündere Farben anbieten können. Immerhin hat auch und gerade das Luxussegment heute doch auch eine große ökologische Verantwortung.

Die Technologie ist das eine...
...und die Gefühle, das Image sind das andere, klar. „Beloved paint“ ist unser Claim. Wir haben mittlerweile die ganze Farbgeschichte der jüngeren deutschen Historie auch soziokulturell analysiert und daraus 120 Farb-Ikonen gefiltert, die wir mit eigenen Geschichten aufladen und die für zeitgenössisches Wohnen heute relevant sind. Damit können wir die ganze Palette immer wiederkehrender Trends abdecken.

In Deutschland regiert doch eher die weiß gestrichene Raufasertapete, oder?
Sagen wir mal so: Der Aufholbedarf in puncto Mut zur Farbe ist noch groß.

Woran liegt das?
Zwei Gründe sind ausschlaggebend: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab’s hierzulande lange Zeit schlicht nicht die Grundstoffe für kostbare Farben. Das wirkt ästhetisch bis heute nach. Und historisch gesehen ist Deutschland noch immer ein Mietmarkt – anders als etwa Großbritannien...

...wo Sie seit vielen Jahren leben. Treiben Sie’s zu Hause bunt?
Oh ja, klar. Dank unserer Farben kann ich da wild experimentieren. Unser Flur in London ist zurzeit neon-orange. Die Küche hatte ich anfangs gelb, jetzt sieht sie in Grau-Rosé allerdings deutlich schöner aus.

Ist Inneneinrichtung heute wichtiger als früher?
Auf jeden Fall! Wohndesign ist eine Statusfrage geworden, für viele schon wichtiger als die Wahl der Automarke.

DAW hat rund 5600 Beschäftigte... Wie viele hat Caparol Icons?
Neben mir noch zwei Kolleginnen.

Echte Start-up-Atmosphäre!
Und so soll es auch sein, wenngleich wir produktionstechnisch natürlich auf unser Mutterhaus zurückgreifen können. Caparol Icons ist ein Langzeitprojekt, das sich den Premiummarkt peu à peu mit Charme erarbeiten möchte, statt ihn sich mit großen Marketingsummen zu erkaufen. Wir müssen den Luxusmarkt ja selbst erst verstehen. Da sind wir trotz unserer Größe im Massenmarkt wieder kleine Angreifer.

Wollen Sie eigene Shops eröffnen?
Das rechnet sich vorerst nicht. Aber nächstes Jahr soll unser Onlineshop starten.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°8/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 7. Dezember 2018 am Kiosk erwerben.

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