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14.02.2019

10:36

Auch der Schauspieler genießt die Tage auf der Anlage des Riviera Country Club. AP

Mark Wahlberg

Auch der Schauspieler genießt die Tage auf der Anlage des Riviera Country Club.

Celebrities

Riviera Country Club – die Spielwiese der Hollywood-Stars

Von: Michael F. Basche

Da wird Golf fast zur Nebensache: Im Riviera Country Club von Los Angeles steigt das Turnier mit der höchsten Promidichte.

Hamburg1250 Capri Drive, Pacific Palisades, CA 90272 ist das, was man gemeinhin Adresslage nennt: Auf dem Ziegelsteinmäuerchen vor der blickdichten Hecke steht in schlanken Lettern The Riviera Country Club, dahinter liegt inmitten des Häusermeers der westlichen Ausläufer von Los Angeles die Spielwiese Hollywoods.

Über rund 100 Hektar Fläche breitet sich das splendide Refugium aus, ein Privatclub natürlich; unterhalb des massigen „Vereinsheims“ im spanischem Stil erstreckt sich durch den Santa Monica Canyon einer der ikonischsten Golfplätze Amerikas.

Diese Woche ist das 18-Loch-Ensemble erneut Schauplatz eines Traditionsturniers auf der US-PGA Tour, ab dem 14. Februar versammeln sich die weltbesten Golf-Professionals zur Genesis Open, allen voran der wiedererstarkte Superstar Tiger Woods. Auch die Deutschen Martin Kaymer, Stephan Jaeger und Alex Cejka sind dabei. Der wahre Protagonist freilich ist „The Riv“. Wohl kein Golfplatz auf dem Planeten hat im Lauf seiner Geschichte mehr Promis gesehen.

Die Anfahrt bereits ist standesgemäß, vom Nobelviertel Beverly Hills geht‘s rund 13 Kilometer lang nahezu ausschließlich auf dem legendären Sunset Boulevard nach Pacific Palisades, vorbei an Filmstudios und Refugien wie dem Los Angeles Country Club oder dem Bel-Air Country Club. Die „Stadt der Engel“ hat eine Handvoll megaexklusiver Golfanlagen. Bel-Air zum Beispiel ist einige Monate älter als Riviera, der Los Angeles CC möglicherweise um ein paar Mitgliedermillionen reicher.

Doch Riviera mit seiner einzigartigen Melange aus Mythos und Marketing ist seit der Eröffnung 1926 ein Universum für sich und in gleich mehrfacher Weise wahrlich die Spielwiese der Traumfabrik. Hier spielten und spielen nicht nur Kintopp-Berühmtheiten und sonstige Größen: Regisseure verlegten den Set aufs üppige Grün und ließen spielen, zudem war das Areal von jeher Schauplatz großer Spiele.

Wohl kein Golfplatz auf dem Planeten hat im Lauf seiner Geschichte mehr Promis gesehen. Getty Images Sport/Getty Images

Riviera Country Club

Wohl kein Golfplatz auf dem Planeten hat im Lauf seiner Geschichte mehr Promis gesehen.

Dabei ging es nicht immer nur um Golf, wenngleich die Annalen mit allein drei Majors – vergleichbar den Grand-Slam-Turnieren im Tennis – hier bereits gut bestückt sind. Auf den damals noch existierenden Polo-Anlagen wurden einige Reiterwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele von Los Angeles 1932 ausgetragen.

Zehn Jahre später nahm dort eine Nachwuchsschauspielerin Reitunterricht, die auf der Leinwand wie im Leben zur vielleicht größten Diva aller Zeiten werden sollte: Liz Taylor. Mit dem Familien- und Pferdestreifen „National Velvet“ („Kleines Mädchen, großes Herz“) avancierte die Zwölfjährige zum Kinderstar.

1953 wiederum blödelte und sang sich das kongeniale Duo Jerry Lewis/Dean Martin – letzterer ebenso Clubmitglied wie „Rat Pack“-Kumpel Sammy Davis Jr. – im Zelluloid-Klamauk „The Caddy“ über Rivieras Fairways. Als Statisten ließen sich sogar Golfer vom Kaliber eines Ben Hogan, Byron Nelson und Sam Snead einspannen, die als beherrschende Akteure ihrer Zeit gelten. Kurz zuvor hatte Glenn Ford in der Biographie „Follow the Sun“ eben jenen Ben Hogan und dessen dramatische Karriere verkörpert; zahlreiche Szenen entstanden in Hogans zweiter sportlicher Heimat Riviera.

Der Sänger und Schauspieler hielt im „Riv“ seine Charity-Turniere ab. imago/ZUMA/Keystone

Bing Crosby

Der Sänger und Schauspieler hielt im „Riv“ seine Charity-Turniere ab.

Selbst, als auf der Leinwand noch nicht gesprochen wurde, war der Club für Hollywood eine angesagte Hausnummer. Zu den frühen Mitgliedern gehörten die Stummfilm-Idole Mary Pickford und Douglas Fairbanks; das Paar war unter anderem maßgeblich an der Gründung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences beteiligt, die in ein paar Tagen zum 91. Mal ihre begehrten goldenen Gesellen verteilt, besser bekannt als Oscars. Wer im 21. Jahrhundert dem Riviera Country Club angehören will, muss 250.000 Dollar Eintrittsgebühr hinblättern.

Von Kino-Beau Douglas Fairbanks ist übrigens bekannt, dass er gern Prämien für besonders gute Golfergebnisse auslobte, beispielsweise anlässlich der Los Angeles Open 1929, die heuer als Genesis Open zum 57. Mal im Riviera Country Club ausgetragen wird. 400 Dollar Prämie winkten vormals demjenigen, der den Platzstandard am deutlichsten unterbot; 2019 spielt das Feld von 156 Profis um einen Preisgeldtopf von 7,4 Millionen Dollar.

Es liegt sicherlich an der Extrovertiertheit, die solche Veranstaltungen mit sich bringen, dass Riviera nie Probleme mit der Aufnahme von Mitgliedern hatte, die im Licht der Öffentlichkeit stehen und naturgemäß gelegentlich für allerhand Rummel sorgen. So lesen sich gerade frühe Clubchroniken wie das Who‘s Who Hollywoods: Charlie Chaplin, Walt Disney, Howard Hughes, Rita Hayworth, Gregory Peck, das Ehepaar Katherine Hepburn und Spencer Tracy, um nur einige wenige zu nennen.

In der Biographie „Follow the Sun“ verkörperte der Schauspieler den Golfer Ben Hogan und dessen dramatische Karriere. Zahlreiche Szenen entstanden in Hogans zweiter sportlicher Heimat Riviera. picture alliance / Everett Colle

Glenn Ford

In der Biographie „Follow the Sun“ verkörperte der Schauspieler den Golfer Ben Hogan und dessen dramatische Karriere. Zahlreiche Szenen entstanden in Hogans zweiter sportlicher Heimat Riviera.

Tarzan-Legende Johnny Weissmüller war bekannt für weit fliegende Bälle, der fünffache Schwimm-Olympiasieger pflegte einen äußerst kraftvollen Golfschwung. Und über Clubmitglied Humphrey Bogart schrieb der Los-Angeles-Times-Sportjournalist und Pulitzer-Preisträger Jim Murray mal: „Bogart saß gern unter dem Baum am Zugang zum zwölften Loch, im Mantel und mit einer Thermosflasche, von der nur der liebe Gott wusste, was sie enthielt.“

Später hielten Bob Hope und Bing Crosby ihre berühmten Charity-Turniere in Riviera ab oder zockten einfach um Lochgewinne und Schlagverluste. James Garner ließ an der Bar seinen Charme spielen. Peter Falk vertauschte den zerknitterten Trenchcoat gegen das Golfer-Habit und erholte sich auf der Runde von den Ermittlungsarbeiten als TV-Privatdetektiv Columbo.

1992 stand ein hochtalentierter Teenager namens Eldrick Tont Woods auf dem Plateau vor der Clubhaus-Terrasse und drosch seinen Abschlag ins Tal, der 16-jährige Amateur nahm per Ausnahmegenehmigung am ersten Profigolfturnier seiner Karriere teil. Riviera war sozusagen das Sprungbrett einer kometenhaften und in der Golf-Neuzeit einzigartigen Laufbahn; sie führte den „Tiger“ in den Giebel des Pantheons der besten Golfer aller Zeiten. Da thronten bereits Grand-Slam-Gewinner Robert „Bobby“ Jones Jr. (1902 – 1971) und der dank seiner 18 Majorsiege unerreichbar scheinende, mittlerweile 79-jährige „Goldene Bär“ Jack Nicklaus.

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Das Geläuf selbst, dies soll nicht unerwähnt bleiben, gehört mit seiner grandiosen Gestaltung zu den wenigen Kursen aus Amerikas sogenanntem „Goldenen Zeitalter der Golfplatz-Architektur“ zwischen 1910 und 1940, die sich im weitgehend originären Layout dem „Weltraum“-Material bei Schlägern wie Bällen und der Spielerathletik des modernen Golfsports widersetzen. Designer George C. Thomas hat vor knapp hundert Jahren ein wirkliches Meisterstück geschaffen; Riviera fordert nicht pure Kraftmeierei, sondern zuvorderst intelligentes, strategisches Spiel.

Heutzutage genießen golfambitionierte Celebrities wie Hollywoods „Marky Mark“ Wahlberg, die Faxenmacher Adam Sandler und Chevy Chase oder Altmeister Dennis Quaid das Idyll und die sportliche Herausforderung, während Tom Cruise auf den Tenniscourts anzutreffen ist, die seit einigen Jahrzehnten über den einstigen Polo-Feldern errichtet wurden.

Auch Schauspieler Sammy Davis Jr. war Mitglied im Riviera Country Club. picture alliance / AP Images

Sammy Davis Jr.

Auch Schauspieler Sammy Davis Jr. war Mitglied im Riviera Country Club.

Auch Tom Brady ist Mitglied, seinerseits ebenfalls ein „Greatest of all Times“ (GOAT), allerdings im American Football. Der 41-jährige Quarterback hat gerade mit den New England Patriots zum sechsten Mal den Super Bowl gewonnen, in Sachen Golf pendelt er zwischen dem nicht minder noblen The Country Club in Brookline/Massachusetts und „The Riv“.

So reihen sich in Riviera sporthistorische Marken an gesellschaftliche Begebenheiten, golferische Anekdoten an Jetset-Schnurren. Vieles davon hängt in gerahmter fotografischer Form an den Wänden des weitläufigen Clubhauses. Und das nächste bedeutsame Kapitel ist schon angelegt: 2028 ist der Riviera Country Club erneut olympische Bühne, diesmal für das Golfturnier im Zeichen der fünf Ringe.

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