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15.04.2019

17:08

Fahrdienstleister Moia

WLAN und weißes Leder: Mit Volkswagens neuem Mobilitätsdienst durch Hamburg

Von: Christian Rickens

Volkswagen hat an diesem Montag seinen neuen Mobilitätsdienst Moia mit 100 Fahrzeugen an den Start gebracht. Hält er, was er verspricht? Ein Selbsttest.

Der Sammeltaxi-Dienst startet in Hamburg. dpa

Moia

Der Sammeltaxi-Dienst startet in Hamburg.

HamburgHamburg, 10 Uhr. Der Auftrag: ein spontaner Selbsttest von Moia. Hinter dem Kunstnamen verbirgt sich ein Sammeltaxidienst, den Volkswagen am Montag in der Hansestadt gestartet hat. Für den Wolfsburger Konzern ist Moia ein wichtiger Baustein beim Wandel vom reinen Autohersteller hin zum Mobilitätsdienstleiter.

10:10 Uhr: Als jahrzehntelanger Großstadtbewohner bin ich darauf geeicht, tagsüber nahezu jedes Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzusteuern. Ich muss richtig nachdenken, bis mir ein Zielort einfällt, der sich mit Bus und Bahn nur schlecht erreichen lässt: die Strandperle, ein schön gelegener Biergarten am Elbstrand von Övelgönne.

10:20 Uhr: Der Registrierungsprozess bei Moia verläuft extrem einfach. App herunterladen, E-Mail-Adresse angeben, Bestätigungscode eintippen. Selbst die Kreditkarte wird erst abgefragt, wenn man tatsächlich zum ersten Mal eine Fahrt bucht.

Das geschieht am schnellsten, indem man auf einer interaktiven Karte seinen Start- und Zielpunkt eintippt. Erste kleine Hürde: Die Handelsblatt-Adresse Brandstwiete 1 wird als Brandstwiete 2 bis 4 angezeigt, das ist schräg gegenüber. Na gut, wenn es weiter keine Probleme gibt.

10:37 Uhr: Ich klicke auf „Fahrt jetzt verbindlich buchen“. Mir wird angezeigt, dass mein Moia-Taxi um 10:52 Uhr vor der Tür stehen soll, und zwar kurioserweise an der Brandstwiete 1, die die App zuvor nicht erkannt hat. Prognostizierte Ankunft in Övelgönne: 11:29 Uhr.

Unser Autor testet den neuen Fahrdienst von Volkswagen in Hamburg. Handelsblatt

Christian Rickens

Unser Autor testet den neuen Fahrdienst von Volkswagen in Hamburg.

Ein kurzer Vergleich zeigt: Mit Bus und Bahn wäre ich zwar geringfügig schneller, müsste aber zweimal umsteigen. Mit einem Startpreis von fünf Euro pro Fahrt ist das Sammeltaxi zudem nur wenig teurer als eine Einzelfahrt im Hamburger Verkehrsverbund (3,20 Euro).

10:51 Uhr: Pünktlich stehe ich auf dem Bürgersteig, kein Moia-Taxi in Sicht. Frierend schaue ich noch mal auf die App. Jetzt wird mir als Abfahrtszeit 11:04 angezeigt. Meine Laune beginnt zu sinken.

11:04 Uhr: Das Moia kommt, und ich bin versöhnt. Der erste Eindruck: Wow! Ein nur entfernt an einen VW-Bus erinnerndes Elektromobil mit Stehhöhe für die Passagiere, der Boden in edler Holzfurnieroptik. Drei üppige Einzelsessel, bespannt mit weißem Leder, weiter hinten noch eine Dreierbank. Statt eines Beifahrersitzes gibt es ein Gepäckfach.

Dann die zweite Verblüffung: Ich bin der erste Fahrgast überhaupt. Nicht nur auf dieser Fahrt, sondern auch im Leben von Florian, meinem Fahrer. Das wird bis Övelgönne so bleiben. Ich kriege den Komfort eines Luxustaxis zum Buspreis.

11:10 Uhr: Während wir lautlos durch Hamburg gleiten, spricht Florian noch ein heikles Thema an: „Bei Moia muss man als Fahrgast damit rechnen, geduzt zu werden. Das gehört zur Firmenkultur.“ Abgesehen von der kumpeligen Anrede chauffiert mich Florian so formvollendet, als hätte er die Bundeskanzlerin im Fond. Dass das versprochene WLAN an Bord nicht richtig funktioniert, ist ihm sichtlich unangenehm.

Drei üppige Einzelsessel sind mit Leder bespannt, ebenso wie die Sitzbank dahinter. dpa

Der Innenraum

Drei üppige Einzelsessel sind mit Leder bespannt, ebenso wie die Sitzbank dahinter.

11:24 Uhr: Fünf Minuten vor der geplanten Ankunftszeit halten wir in Övelgönne, die anfängliche Verspätung hat Florian mehr als wieder aufgeholt, er verabschiedet sich mit Handschlag und surrt davon. Zur Strandperle geht es von hier aus nur noch zu Fuß den Strand entlang.

Doch die Einkehr entfällt, die Pflicht ruft. Ich will zurück, drücke „Fahrt anfragen“ in der Moia-App und bekomme als Antwort: „Alle Moias sind gerade ausgebucht, bitte versuche es später noch einmal.“

Danke, du, darauf habe ich keine Lust und steige lieber auf die Hafenfähre, die zufällig gerade Elbaufwärts stampft. Für 3,20 Euro bietet sie zwar weder WLAN noch weiße Ledersessel, aber dafür Hafenpanorama und einen Kiosk, der Bockwurst und heißen Tee verkauft.

12:20 Uhr: Nach dem Umsteigen an den Landungsbrücken sitze ich wieder am Schreibtisch und ziehe Bilanz: Die Moia-App wird ab sofort zu meinem Verkehrsmix gehören. Tempovorteile bietet das Sammeltaxi im Innenstadtbereich zwar nicht, doch dafür ist es günstig und sehr bequem.

Das Angebot steht und fällt indes mit der Verfügbarkeit. Wer dreimal nacheinander kein Moia zur gewünschten Zeit bekommen hat, wird lieber gleich zur U-Bahn laufen.

Kommentare (1)

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Herr Michael S.

15.04.2019, 17:55 Uhr

Der Autor hat in diesem Selbstversuch gleich bewiesen, dass die Kunden, die früher mit vielen anderen in einem grossen Bus/Bahn etc. gefahren sind, jetzt in kleinen Vans mitfahren würden und die grossen Busse/Bahnen wohl leerer werden.
Soll nicht der Autofahrer animiert werden, sein Auto stehen zu lassen bzw. gar nicht erst ein neues anzuschaffen ? Stattdessen werden Kunden aus vorhandenen öffentlichen Verkehrsmitteln abgezogen und durch die mangelnden Einnahmen werden wohl wieder die Steuerzahler für die Differenzen blechen müssen.

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