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04.12.2018

11:16

Der Glühwein ist ein „Must Have“ auf dem Weihnachtsmarkt – noch vor Lichterketten und Weihnachtsbäumen. dpa

Gewürztes Heißgetränk

Der Glühwein ist ein „Must Have“ auf dem Weihnachtsmarkt – noch vor Lichterketten und Weihnachtsbäumen.

Glühwein selbstgemacht

Glühwein muss kein Fusel sein – so gelingt er daheim

Von: Michael F. Basche

Das gewürzte Heißgetränk ist der Favorit beim Bummel über den Weihnachtsmarkt. Doch meist läuft klebrig-süße Plörre aus dem Hahn.

HamburgKennen Sie das Glühwein-Einmaleins? Ein Glühwein, swei Glühweih, rei Lühwei ... Zwischen 50 und 65 Millionen Liter des gewürzten Heißgetränks rinnen winters durch die Kehlen der Deutschen, vornehmlich auf den Weihnachtsmärkten landauf landab. Verlässliche Konsumzahlen gibt‘s nicht, vielleicht liegt das an der nachlassenden Zählfertigkeit bei fortgeschrittener Menge – siehe oben.

Für 81 Prozent der Bundesbürger jedenfalls dürfen Glühweinstände auf einem Weihnachtsmarkt nicht fehlen, so haben es Statista.com und YouGov ermittelt (Stand: Oktober 2017). Als Spitzenreiter der „Must Haves“ übrigens, noch vor Lichterketten (79 Prozent) und Weihnachtsbäumen (78 Prozent). Das sind mal Prioritäten!

Was Wunder, dass für 66 Prozent der „Vin Chaud“ das Wichtigste beim Bummel durch die Marktgassen ist, weit vor gebrannten Mandeln (48 Prozent) und Punsch (24 Prozent). 61 Prozent von 1.016 Befragten gaben freilich gleichermaßen an, dass Weihnachtsmärkte ihrer Ansicht nach häufig als Gelegenheit genutzt werden, sich zu betrinken.

Wenn nicht Bio- oder Winzer-Glühwein draufsteht – der Anteil am Gesamtaufkommen liegt bei schätzungsweise jeweils fünf Prozent – ist das, was da aus dem Hahn der Zapfanlage fließt, zumeist klebrig-süße Plörre aus billigem Weinfusel: im Frühjahr für deutlich weniger als 50 Cent pro Liter (Insiderschätzungen) in Italien oder Spanien eingekauft, mit Gewürzen fragwürdiger Herkunft und Industriezucker angereichert und im Tankwagen beim Großhändler abgeliefert oder per 50-Liter-Kanister unter die Leute gebracht.

Nur wirklich prinzipientreue Puristen schaffen es, sich der Weihnachtsmarkt-Weinseligkeit zu entziehen. Ja, ein Glühwein in aller Gemütlichkeit gehört wohl unabdingbar dazu. Schon die Altvorderen kannten und schätzten den Würzwein, das sogar als medizinisch wertvoll gepriesene Conditum Paradoxum der Antike, den Hypocras des Mittelalters.

Weihnachtsmärkte: Wo Schlösser und Burgen weihnachtlich glänzen

Weihnachtsmärkte

Wo Schlösser und Burgen weihnachtlich glänzen

Die Zahl der Weihnachtsmärkte steigt von Jahr zu Jahr. Eine feine Alternative zum Rummel in den Städten sind Märkte auf Schlössern und Burgen.

Gut, dass im modernen adventlichen Treiben ebenfalls der Geist der Nachhaltigkeit Einzug gehalten hat. Sprich: Öko- und Bio-Produkte sind auf dem Vormarsch, ohne dass es deswegen gleich ein handgeklöppeltes Kirschkernkissen sein muss. Auf Deutschlands berühmtestem Weihnachtsmarkt beispielsweise, dem Christkindlesmarkt in Nürnberg, haben heuer laut Presseverlautbarung des Informationsportals Ökolandbau.de „52 der 68 gastronomischen Stände inzwischen biozertifizierte Speisen und Getränke im Sortiment“.

Daher gilt: Obacht bei der Glühwein-Wahl. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Haustür ebenso wie beim Einkauf im Sinne der Heimeligkeit daheim. Eine Tasse Glühwein (200 ml) hat bis zu 250 Kalorien, mehr als ein Riegel guter Schokolade. Wer sich also schon eine solche Kalorienbombe genehmigt, dem sei hochwertige Nahrhaftigkeit empfohlen.

Die feine Flasche aus dem Biomarkt des Vertrauens zum Beispiel, mit Wein und Gewürzen aus ökologischem Anbau. Etwa von der Weinkellerei Kunzmann, denn immerhin brachte der Augsburger Weingroßhändler Rudolf Kunzmann im Winter 1956 erstmals in Deutschland eine Flaschenabfüllung auf den Markt, den Augsburger Christkindlmarkt-Glühwein.

Rezepturen so zahlreich wie Weihnachtsmärkte

Oder man braut sich den winterlichen Trunk gleich selbst. Rezepturen gibt es so zahlreich wie Weihnachtsmärkte in Deutschland, wie immer kommt es auf die Qualität der Ingredienzen und auf die Mischung an. Im ältesten überlieferten mitteldeutschen Glühweinrezept gab 1843 der sächsische Tausendsassa August Josef Ludwig von Wackerbarth, Jurist, Historiker, Weltreisender, selbsternannter Graf und Pleitier, seinem Wein nebst Zimt und Anis schon Ingwer, Granatapfel, Muskatnuss, Kardamom sowie Safranhonig bei.

Wir haben für Sie eins zusammengestellt, das ebenso schmackhaft wie bekömmlich erscheint, und zwar mit Weißwein, wie es im Elsass und Norditalien besonders beliebt ist.

Ein feiner weißer Glühwein – unkompliziert selbst gemacht

Grundwein

„Alles hängt von einem guten Grundwein ab“, sagt die amtierende deutsche Glühwein-Königin Jordis Schweigstill aus Trier. Sehr passend ist zum Beispiel eine Flasche trockener Riesling oder Silvaner/0,75 ml.

Zutaten

2 bis 3 Esslöffel Honig, eine halbe Vanilleschote, ein Lorbeerblatt, eine Zimtstange, 1 bis 2 Sternanis, 1 bis 2 Nelken, 3 bis 4 Kardamomkapseln und etwas frischer Ingwer sowie breite Zesten von der Bio-Orange und der Bio-Zitrone.

Kochen

Alle Zutaten mit 100ml des Weins solange in einem Topf aufkochen, bis eine Art Sirup entstanden ist. Anschließend den restlichen Wein sowie Fruchtsaft – hier bieten sich halb Apfelsaft sowie halb Quitten-, Birnen- oder weißer Traubensaft an – je nach gewünschter Verdünnung hinzugeben und alles langsam erwärmen.

Vorsicht

Der Glühwein darf maximal bis zum Siedepunkt (78 Grad) erhitzt werden. Durch neuerliches Kochen würde der Alkohol des Weins verdunsten.

Variation

Die Mengenangaben der Zutaten können je nach gewünschter Süße bzw. Intensität der Gewürze variiert werden. Wer‘s mit „Schuss“ mag, der wähle Calvados, Orangenlikör oder Weißen Rum als Dreingabe.

Genuss

Vom legendären Schweizer Medikus Paracelsus (1493-1541) stammt die zeitlos sinnige Sentenz: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.“ Wohl bekomm‘s!

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