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06.01.2019

13:22

„KAT-Walk“

Ein Alpen-Trail mit Wohlfühl-Service

Von: Stéphanie Souron

Der Kitzbüheler Alpenwanderweg ist für seinen hohen Anspruch bekannt: Auf mehr als 100 Kilometern fordert er den Wanderern 6.700 Höhenmeter ab.

Der Weg führt zur Labalm, einem urigen Berggasthof am Fuße des Großen Rettenstein. (Foto: Katharina Szücs, Kitzbüheler Alpen-Marketing)

Almrosen-Weg

Der Weg führt zur Labalm, einem urigen Berggasthof am Fuße des Großen Rettenstein.

(Foto: Katharina Szücs, Kitzbüheler Alpen-Marketing)

KitzbühelAls wir fast schon auf dem Gipfel stehen, zeigt uns der Berg die kalte Schulter. Laut Karte müssen wir den Wanderweg hier verlassen, über ein Holzgatter steigen und über einen Klettersteig hinunter nach Sankt Johann wandern. Die erste Herausforderung des Klettersteigs ist sogar schon zu sehen: ein Nadelöhr, von Felsen geformt, durch das man hindurch krabbeln muss.

Der Körper pumpt schon bei seinem Anblick freudig Adrenalin ins Blut. Doch die Kletterpartie bleibt uns leider verwehrt – der Weg ist gesperrt. „Da kommt ihr nicht runter, da liegt heuer Schnee drauf“, sagt ein Einheimischer. Schnee? Es ist Juni, wir laufen im T-Shirt durch die Berge. „Ja mei, der Winter hält sich extrem gut“, sagt der Mann und lacht.

Auf einer normalen Wanderung würden wir jetzt umkehren, zurück nach Kitzbühel, zurück ins Hotel. Doch wir müssen an diesem Tag weiter nach Sankt Johann, denn wir gehen auf dem KAT-Walk. Also brauchen wir Plan B: einen anderen Weg ins nächste Tal.

Der „Kitzbüheler Alpen-Trail“, kurz KAT-Walk, ist ein 106 Kilometer langer Wanderweg, der in sechs Etappen durch die Kitzbüheler Alpen führt. Der Start ist in Hopfgarten, das Ziel St. Ullrich am Pillersee. Dazwischen liegen mehr als 6.700 Höhenmeter. Weil uns Flachländern das ziemlich viel erschien, haben wir die Route halbiert und sind erst auf der vierten Etappe eingestiegen.

Doch vor uns liegt immer noch eine sportliche Herausforderung: 60 Kilometer und mehr als 3000 Höhenmeter in drei Tagen. Da sind wir froh, dass wir wenigstens den Rücken frei haben und nur einen kleinen Tagesrucksack mit Jacke und Jause auf dem Buckel tragen. Denn morgens geben wir unsere Reisetaschen im Hotel ab und lassen sie zum nächsten Etappenziel bringen.

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Der Gepäcktransport ist nur eine der vielen kleinen Annehmlichkeiten auf dem KAT-Walk. Außerdem gehören zum Wohlfühlpaket: weiche Hotelbetten statt Massenschlafsälen und abends ein Schlemmer-Essen zum Sattwerden.

Unsere Wanderung beginnt auf der Labalm, einem urigen Berggasthof am Fuße des Großen Rettenstein. Die Zimmer sind klein, die Aussicht ist grandios: Das ganze Tal liegt uns zu Füßen. Zum Abendessen tischt Hanni, die Hüttenwirtin, ein herrliches Dreierlei von Knödeln auf und fragt, ob sie als Nachtisch noch einen Kaiserschmarrn machen darf.

Dann setzt sie sich mit ihrem Mann Harald an den Kachelofen und erzählt, wie sie sich vor 40 Jahren kennen gelernt haben, „genau hier war das“, wie sie dann als Au-Pair-Mädchen nach Paris gegangen ist und dort lila Kühe im Fernsehen gesehen hat. „An dem Tag habe ich Heimweh bekommen“, sagt Hanni, und Harald nickt verständnisvoll. Wir schlafen in den urigen Holzbetten wie die Murmeltiere.

Stullen schmieren und Rucksäcke schultern

Am nächsten Morgen weckt uns das Geblöke einer Kuh. Zum Frühstück gibt es Eier und Milch vom Hof, dazu frische Brötchen, hausgemachte Marmelade und so viel Wurst und Käse, dass man damit eine ganze Wandergruppe satt kriegen könnte. Wir schmieren Stullen und schultern die Rucksäcke. Als wir loswandern, winken uns die Hüttenwirte hinterher.

Der aktive Teil des Alpentrails beginnt mit einem verdammt steilen Anstieg. Der Weg führt über sattgrüne Weiden, das Gras ist noch nass von der Nacht und kitzelt an den Beinen. Später steigen wir durch den Schatten eines alten Bergwaldes mit grünen Moospolstern bergauf. Nach drei Stunden stehen wir am Pengelstein und klatschen zufrieden ab: Die ersten 1000 Höhenmeter sind geschafft.

Nach der Rast durchwandern wir mit strammem Schritt das Kitzbüheler Skigebiet. An manchen Liften baumeln noch die Sessel und warten sehnsüchtig auf den nächsten Winter. 
Und dann kommt sie endlich: die Streif, eine der legendärsten Skipisten der Alpen. Sie ist berühmt dafür, dass sie sich nach dem Start fast senkrecht in die Tiefe stürzt. Selbst mit Wanderschuhen ist die Streif eine Herausforderung. Der Weg ist so steil, dass man ihn mit Eisenstiften am Berg festgetackert hat.

Rast mit grandiosem Ausblick. (Foto: Peter Vonier)

Kitzbüheler Horn

Rast mit grandiosem Ausblick.

(Foto: Peter Vonier)

Sehnsüchtig schauen wir auf die Gondeln, die über uns ins Tal schweben. Denn auch das ist schön am KAT-Walk: Immer wieder kreuzen Bergbahnen unseren Wanderweg. Wenn also das Wetter mal nicht mitspielt oder die Beine müde sind, könnten wir einfach einsteigen, uns ein Stück durchs Panorama schaukeln lassen und die Welt von oben betrachten. Doch wir widerstehen der Versuchung und wandern weiter.

Als wir in Kitzbühel einlaufen, erwartet uns eine Stadt auf dem Catwalk. Blonde Frauen bummeln mit ihren älteren Gatten durch die Straßen. In den Gläsern perlt der Aperol und Punkt 18 Uhr bläst der Musikverein zum Marsch. Wir checken in einem Riesenzimmer mit Regenwalddusche ein, machen uns in der Sauna lang und schlemmen danach durch ein Viergängemenü mit Lachstartar und Rinderfilet.

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Die Kalorien verbrennen wir am nächsten Tag noch vor der Mittagsrast. Denn der Anstieg zum Kitzbüheler Horn ist stramm, wir kraxeln durch knorrige Wälder und über Wiesen mit Kühen und Butterblumen. Als uns am Horn der Klettersteig nach St. Johann versperrt bleibt, entscheiden wir uns für den Umweg durchs Nachbartal. Zusätzliche Gehzeit: zwei Stunden. Puh. Und diesmal gibt es keine Gondel. Aber immerhin eine gemütliche Hütte mit Blick auf den Großvenediger, kaltem Weißbier und lauschigen Sesseln.

Wir strecken die Beine in der Sonne aus und finden den Umweg plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Als wir am späten Nachmittag endlich in St. Johann ankommen, erwartet uns ein grundsolides Hotel – und echtes Mitleid. „So weit seid ihr heute gelaufen?“, fragt der Seniorchef ungläubig, als wir ihm von unserem Umweg erzählen. „Dafür seht ihr aber noch ganz frisch aus.“ Und plötzlich tun die Beine, die eben noch über Muskelkater geklagt hatten, gar nicht mehr so weh.

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