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14.08.2019

04:08

Musikproduzent Michael Lang

Woodstock-Gründer zwischen Pleite und Pop-Olymp

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Michael Lang brachte vor 50 Jahren eine halbe Million Menschen auf eine Wiese. Doch Woodstock war für seinen Initiator nicht immer positiv.

1969 organisierte er das Woodstockfestival. The LIFE Picture Collection/Getty Images

Mike Lang

1969 organisierte er das Woodstockfestival.

New York Eine Wiese war sein Schicksal. Ein großes Stück Land in der Nähe der Kleinstadt Bethel im US-Staat New York, auf das Michael Lang drei Tage Soul, Rock, Pop, Country und Jazz brachte – das Festival Woodstock. So setzte der lockenköpfige Organisator einen Mythos in die Welt, der sein Leben bestimmte und Feuilleton-Journalisten in Wallung bringt.

An diesem Donnerstag jährt sich das Spektakel zum 50. Mal, und es wird auch der Tag des Michael Lang, 74, sein. Man wird daran denken, wie das damals war, sich daran erinnern, wie diese so verregnete Riesenparty für 500.000 Leute zum Mythos wurde. Man wird über Joe Cocker, Santana und Ten Years After reden, sich an Jimi Hendrix erinnern, der die US-Nationalhymne mit seiner Gitarre schredderte, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren. Man wird vom Soundtrack einer neuen, freien, wilderen, aber auch fehlgeleiteten Zeit sprechen.

Dem fröhlich dilettierenden Konzertpromoter und Musikproduzenten Lang war es gelungen, bei allem Chaos eine Weltmarke namens Woodstock zu schaffen – die ihn selbst jedoch nicht reich gemacht hat. Irgendwie typisch, dass jüngst eine Woodstock-Neuauflage zum Jubiläum unter großem Presserummel floppte. „Was wir 1969 taten, geschah 1969“, formuliert Lang, „und das wird bleiben. Wir werden weiter für soziale Themen arbeiten, die wir immer unterstützt haben.“

Das ist die selbst erklärte Mission des Ingenieursohns aus Bensonhurst im New Yorker Stadtteil Brooklyn, der 1967 die Universität verließ, nach Florida zog und dort einen Underground-Laden aufmachte. Vom ökonomischen Desaster eines Popfestivals in Miami erholte sich Lang im Künstlerkleinstädtchen Woodstock nahe New York.

Hier kam er mit seinem Brooklyn-Kumpel Artie Kornfeld auf die Idee, den im Ort lebenden Musikern die Dienste eines Tonstudios anzubieten – ein Festival sollte hierfür werben. So kam es zu Woodstock.

Heute ist er nicht nur Geschäftsmann, sondern auch eine Musiklegende. Getty Images

Michael Lang

Heute ist er nicht nur Geschäftsmann, sondern auch eine Musiklegende.

Weil aber die Kosten ausuferten und sich auch zu wenig Ticketerlöse einstellten – Massen hatten die Wiese besetzt, bevor Zäune errichtet werden konnten –, musste Lang die Filmrechte für eine Million Dollar ans Hollywoodstudio Warner Bros. verkaufen. Für die Urheber war das Hippie-Happening ein finanzielles Fiasko. Zwei junge Mitfinanziers aus New York mussten sogar ihre reichen Eltern anpumpen.

Woodstock IV scheiterte

Und doch ist der Spiritus Rector dem Glauben an Love, Peace und Happiness zeitlebens nicht entkommen. Das von ihm auf die Beine gestellte Festival Woodstock II lockte 1994 zum 25. Geburtstag rund 350.000 Besucher, Woodstock III fünf Jahre später noch einmal 250.000, wobei die ganze Sache mit Plünderungen und Vergewaltigungen endete.

Woodstock IV in diesem Jahr aber scheiterte, weil sich ein geeignetes Gelände nicht finden ließ, Künstler absagten und ein Großfinanzier, die japanische Werbeagenturgruppe Dentsu Aegis, Reißaus nahm. Initiator Lang beklagte den „großen Druck“ und strickte an Verschwörungstheorien. Es hätte ja indirekt eine Großdemonstration gegen Donald Trump und Co. werden sollen.

Von der großen Utopie war zuletzt wenig zu spüren, die Lang vor zehn Jahren in „The Road to Woodstock“ beschrieben hat. Das Buch ist jetzt noch mal neu erschienen, auch eine Box mit allen 432 Woodstock-Songs ist erhältlich. Und natürlich will Lang die „3 Days of Peace and Music“ von einst als Broadway-Musical vermarkten. Ein Mann, gefangen im Mythos.

Der Eigentümer der Lizenzfirma Woodstock Ventures, Vater von fünf Kindern, lebt noch immer in Woodstock. Seine Plattenfirma existierte nur von 1971 bis 1974, aber die Michael Lang Organization veranstaltet weiter auf der Welt Konzerte. Sie hat für Künstler wie Bruce Springsteen und Madonna gearbeitet. Aber nichts geht für den Impresario über Woodstock, das sei das „größte friedliche Ereignis des Jahrhunderts“ gewesen: „Auch heute noch feiern wir jeden Tag ein Stück Woodstock.“

Einer, der nie mitfeierte, ist Bob Dylan, der damals in Woodstock lebte, aber partout nicht auftreten wollte. Er hält das Festival für den „Gipfel dieses ganzen Blödsinns“, diese ganze „Woodstock-Nation“ habe ihm Unbehagen bereitet: „Ich und meine Familie bekamen keine Luft mehr.“

Mehr: 2014 feierte man 45 Jahre Woodstock. Sehen Sie hier noch einmal die besten Bilder von damals.

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