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27.11.2018

06:59

„Ich bin überzeugt davon, dass das Uhrengeschäft der Zukunft nur mit einem Mix unterschiedlichster Verkaufskanäle gedeihlich funktionieren kann.“

Chronext-Chef Philipp Man

„Ich bin überzeugt davon, dass das Uhrengeschäft der Zukunft nur mit einem Mix unterschiedlichster Verkaufskanäle gedeihlich funktionieren kann.“

Philipp Man im Interview

Nach dem „Nomos-Eklat“: Luxusuhren-Plattform Chronext kooperiert mit Sinn Spezialuhren

Von: Thomas Tuma

Chronext-Chef Philipp Man über die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Manufaktur, den „Nomos-Eklat“ und die Vorlieben junger Uhrenfans.

DüsseldorfastPhilipp Man ist erst 27 Jahre alt, Co-Gründer und Chef von Chronext, das mit dem Verkauf von Luxusuhren bald 100 Millionen Euro Umsatz vermelden will – und immer für einen Eklat gut. Als er vor einigen Wochen Nomos, Deutschlands führende Uhrenmarke, gewinnen konnte, ihre Zeitmesser fortan offiziell auch über Mans Online-Plattform zu verkaufen, war der Lärm groß. Juweliere verfassten Boykottaufrufe, es hagelte Proteste, das Hamburger Familienunternehmen Wempe warf Nomos sogar aus seinen Schaufenstern.

Noch immer gilt E-Commerce in der feinen Uhrenbranche als irgendwie anrüchig – zumindest aber riskant. Nun meldet Man seinen zweiten Erfolg: Nach Nomos will auch die Frankfurter Manufaktur Sinn Spezialuhren ihre Produkte fortan offiziell über Chronext vertreiben.

Herr Man, lange wurden neuwertige Luxusuhren auf Online-Plattformen wie Ihrem Chronext eher verdruckst angeboten. Man wusste als Kunde auch nicht so genau, woher die Ware eigentlich kam. Nun haben Sie nach Nomos mit Sinn Spezialuhren den zweiten offiziellen Markenpartner gewinnen können. Wie kam es dazu?
Wir stehen im Prinzip mit fast allen deutschen und auch Schweizer Uhrenunternehmen in stetigem Austausch. Auch mit Sinn habe ich bereits auf der Fachmesse Baselworld im Frühjahr Kontakt aufgenommen. Nach langer und harter Überzeugungsarbeit waren wir uns einig, dass Chronext auch für Sinn-Uhren eine ideale zusätzliche Verkaufsplattform darstellt.

Was meint denn da „harte Überzeugungsarbeit“? Einen zähen Kampf um Margen?
Das ist in so einem Fall wirklich sekundär. Die meisten Marken haben bislang aber einen enormen Respekt vor dem vermeintlichen Interessenkonflikt zwischen Online- und Offlinegeschäft…

… den Sie ja zuletzt – eher unfreiwillig – mit befeuert haben. Nachdem Nomos, die größte deutsche Uhrenmarke, vor kurzem die Zusammenarbeit mit Ihnen verkündet hatte, löste der große Hamburger Juwelier Wempe brüsk alle Verträge mit Nomos. Fühlen Sie sich mitschuldig an dem Eklat?
Ich kann nur für uns sprechen: Die Kooperation mit Nomos ist fruchtbar und wird sowohl uns als auch der Marke helfen.

Sinn muss immerhin keine Angst haben, aus den Wempe-Regalen zu fliegen, weil die Marke dort gar nicht vertreten ist.
Ich bin überzeugt davon, dass das Uhrengeschäft der Zukunft nur mit einem Mix unterschiedlichster Verkaufskanäle gedeihlich funktionieren kann.

Die Angst der Juweliere ist doch berechtigt, dass Online-Plattformen wie Chronext vor allem die Preise unter Druck setzen werden, oder?
Diese Angst wäre berechtigt, wenn wir die Uhrenbranche genauso fürs Online-Geschäft aufrollen wollten, wie das etliche andere Branchen davor bereits erlebt haben, wo es tatsächlich oft um den Preis ging. Aber die Uhren-Industrie und ihr Kunden ticken da anders.

Wie denn? Natürlich wollen Online-Kunden auch bei Uhren ein Schnäppchen machen.
Der größte Kauftreiber im E-Commerce ist heute gar nicht mehr der Preis…
… sondern?
Es geht um Verfügbarkeit. Beim Juwelier am Eck ist das Modell, das ich gerne hätte, oft nicht verfügbar. Und es geht auch um Komfort und Bequemlichkeit. Online ist die Bestellung viel einfacher. Gerade für jüngere Kunden bedeuten die Juweliergeschäfte mit ihren Türstehern und schweren Teppichen an sich ja schon eine Hemmschwelle. Und erst an dritter Stelle spielt dann auch der Preis noch eine Rolle.

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Sie bieten etwa im Fall Nomos keine Sonder-Editionen oder ähnliches an, die dann auch günstiger ausfallen?
Wir halten uns bei der Preisgestaltung hundertprozentig an die unverbindlichen Preisempfehlungen, die die Marke selbst vorgibt.

Vielen Managern in der Haute Horlogerie gelten Sie dennoch als eine Art Antichrist. Wann werden Sie nach Nomos und Sinn auch mal eine bekannte Schweizer Marke als offiziellen Partner begrüßen können?
Es gibt ja schon einige, die uns kontinuierlich und direkt beliefern. Aber nach dem „Nomos-Eklat“, wie das dann gelegentlich in der Szene genannt wurde, haben einige sich dann doch entschieden, diese Kooperation erstmal nicht öffentlich weiterzuführen.

Selbst prestigeträchtigste Marken wie Audemars Piguet bauen mittlerweile einen eigenen E-Commerce auf. Auch Wempe hat für nächstes Jahr einen Online-Shop angekündigt. Wozu braucht man dann noch Chronext?
Weil wir nichts anderes machen, als rund um die Uhr online Uhren zu verkaufen, kennen wir das Geschäft schlicht besser als viele anderen. Und natürlich haben wir den Vorteil, dass wir quasi ein Multi-Brand-Store sind. Sie müssen als Kunde also nicht auf Dutzende verschiedener Seiten, sondern haben alles aus einer Hand – inklusive persönlicher Betreuung, Garantien und Echtheits-Zertifikaten. Das gilt übrigens auch für den großen Markt gebrauchter Uhren, dem wir uns in Zukunft ebenfalls verstärkt widmen werden.

Trotzdem ist vielen Konsumenten beim Kauf einer Uhr für mitunter fünfstellige Beträge doch ein anderes Umfeld wichtig als eine Online-Seite, oder?
Das ändert sich rapide. Ich selbst würde sagen, dass ich durchaus repräsentativ bin für die nächste Generation von Uhren-Fans. Und ganz ehrlich: Ich habe keine Lust mehr, mich für eine Armbanduhr ins vorweihnachtliche Innenstadt-Getümmel zu stürzen. Bei uns kann ich die Uhr sogar 14 Tage lang umtauschen, wenn sie mir wider Erwarten doch nicht gefällt. Stationär ist das meistens nicht möglich.

Was sind für Herausforderer wie Sie dann selbst wieder die größten Herausforderungen, um Ihr Geschäft weiterzuentwickeln?
Das Hauptthema ist das bereits erwähnte Vertrauen – gegenüber den Marken und vor allem unseren Kunden. Wir tun wirklich alles, damit dieses Vertrauen täglich weiter wächst. Ich weiß, dass wir vertrauenswürdig sind - aber wie vermittelt man das dem Kunden? Daran arbeiten wir am meisten.
Herr Man, vielen Dank für das Interview.

Kommentare (1)

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Frau Katrin Bohne

27.11.2018, 10:01 Uhr

Sehr geehrtes Handelsblatt, wenn man dem jungen Mann Glauben schenken soll, also Vertrauen zu ihm aufbauen oder stärken will, wie er sich es wünscht, braucht man seine Aussagen bezgl. Pricing nur mal auf seiner eigenen WEB-Side prüfen. Hier geht's um nichts anderes als den Preis. Das Einzig Positive aus diesem Bericht ist, das dieser jungen Mann wahres Luxus-Clientel nicht versteht oder auch nicht verstehen muß. Schade ist, das solche Geschäftsideen nicht nur lokal Mitarbeitern den Arbeitsplatz kosten, sondern strategisch gesehen auch das Markenimage ramponieren. Irgendwann wird halt alles zum Ramsch.

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