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21.12.2018

10:07

Beim Champagner gärt ein Weißwein nach seiner Herstellung ein zweites Mal in der Flasche.  Handelsblatt

Frische und Perlage

Beim Champagner gärt ein Weißwein nach seiner Herstellung ein zweites Mal in der Flasche.

Schaumwein

Fünf Champagner mit exzellentem Preis-Genuss-Verhältnis für die Feiertage

Von: Jürgen Röder

Zum Jahreswechsel hat das Szenegetränk Champagner Hochkonjunktur. Diese fünf Tropfen bieten sich für Weihnachten, Silvester und Neujahr an.

DüsseldorfKaum ein anderes Anbaugebiet der Welt hat so schlechte Voraussetzungen für den Anbau von Wein gehabt wie die Champagne: Noch im 17. Jahrhundert stellten die Winzer dort Weißwein her – ohne Erfolg. Die meisten mussten diese Weine wegkippen, weil die Kunden diese viel zu sauren Tropfen aus dem nassen, kühlen Kalkstein-Gebiet nördlich von Paris nicht trinken wollten.

Bis kurz danach der Champagner erfunden wurde: Ein Weißwein gärt nach seiner Herstellung ein zweites Mal in der Flasche. Seit dieser Zeit fügen sich Frische und Perlage – die Perlenbildung – aufs Feinste und vor allem dauerhaft in einer Flasche zusammen. Der spritzige Champagner wurde bereits im 17. Jahrhundert zum Szenegetränk. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Die Champagne unterscheidet sich von vielen anderen Weinanbau-Regionen der Welt. Während bei Stillweinen jeder Jahrgang unterschiedlich bewertet wird und in Top-Regionen wie Bordeaux das auch Einfluss auf den Verkaufspreis hat, spielt das dort keine Rolle. Auf den meisten Champagner-Flaschen steht ohnehin kein Jahrgang.

Für den Einstiegschampagner des Winzers wird meistens die Ernte aus mehreren Jahren genommen. Mit dem Ziel, die Stilistik des Winzers wiederzugeben; der soll möglichst jedes Jahr gleich schmecken.

Und auch wenn die edlen Tropfen aus der Region bis auf wenige Rosé eine helle Farbe zeigen, wachsen auf 70 Prozent der Anbaufläche rote Trauben: Nämlich Pinot Noir, in Deutschland Spätburgunder genannt, und Pinot Meunier, der Schwarzriesling. Pinot Noir bietet das Aroma von roten Früchten und hat einen ausgeprägten Charakter. Die Traube verleiht einer Cuveé Kraft und Volumen. Meunier-Weine schmecken weich und fruchtig.

Begriffe aus der Champagnerwelt

Assemblage

Den Prozess der Zusammenstellung der Cuvées aus den verschiedenen Rebsorten nennt man Assemblage. Nach der Festlegung, welche Grundweine in welchen Anteilen in die jeweiligen Champagner eingehen, werden diese in großen Tanks zusammengeführt und dann auf Flaschen gefüllt. Quellen: Eichelmann Champagnerführer, Bureau du Champagne

Tirage

Jede Flasche erhält dann den sogenannten Liquer de Tirage, eine Mischung aus Zucker und Hefen. Dieser Liquer bewirkt, dass die Weine eine zweite Gärung durchlaufen, durch die aus profanem Wein Champagner wird. Denn die Kohlensäure, die bei dieser zweiten Gärung freigesetzt wird, bleibt in der Flasche.

Rütteln

Durch die zweite Gärung entsteht in der Flasche ein Depot, das aus abgestorbenen Hefen besteht. Dieses Depot muss wieder aus der Flasche entfernt werden. Diesem Zweck diente das Rütteln der Flaschen – dadurch sammelt sich dieses Depot unter dem Korken. Heutzutage erfolgt dieser Prozess überwiegend computergesteuert.

Degorgement

Sind die Flaschen gerüttelt, wird der Flaschenhals kurz vereist. Dann wird die Flasche entkorkt und das Hefedepot herauskatapultiert. Durch das Degorgieren wird also die abgestorbene Hefe aus der Flasche entfernt, aufgefüllt wird mit einem sogenannten Liqueur de Dosage, auch Liqueur d’Expedition genannt. Wie dieser erzeugt wird, ist oft ein Geheimnis des Hauses. Dafür verwendet werden beispielsweise Reserveweine, Traubensaftkonzentrat oder konzentrierter Zuckersirup aus Traubenmost.

Dosage

Nach der Höhe der Dosage, dem Zuckergehalt pro Liter Wein, unterscheidet man verschiedene Champagnertypen. Die meisten Champagner werden heute Brut angeboten, immer beliebt werden Brut Nature (ohne Dosage) und Extra Brut.

Brut ohne Jahrgang – der wichtigste Champagner

Der Gros der Produktion macht der Brut ohne Jahrgang aus, der in der Regel aus zwei oder drei verschiedenen Rebsorten und aus verschiedenen Jahrgängen erzeugt wird. Ziel der großen Häuser ist es, den Stil ihres Brut ohne Jahrgang über Jahre hinweg konstant zu halten. Es ist der Einstiegschampagner jedes Hauses, in der Regel auch der preisgünstigste.

Blanc de Blancs

Der Blanc de Blancs ist ein Champagner, der ausschließlich aus weißen Trauben hergestellt wird, das heißt im Normalfall Chardonnay.

Jahrgangschampagner

Dabei stammt der Grundwein aus einem einzigen Jahr. Jahrgangschampagner müssen mindestens drei Jahre auf der Hefe lagern, bevor sie in den Verkauf kommen dürfen. Früher hat man Jahrgangschampagner durchschnittlich in drei von zehn Jahren erzeugt, heute gibt es Produzenten, die fast jedes Jahr Jahrgangschampagner herstellen.

Prestigecuvées

Jeder Erzeuger kann seinen Champagner Prestigecuvées nennen. In der Regel bezeichnet man damit die Spitzenchampagner der großen Häuser, die sich durch einen Spitzenpreis auszeichnen. Die meisten davon haben auch eine Jahrgangsbezeichnung.

Hinzu kommt die weiße Chardonnay-Traube mit ihrer Eleganz, einem Hauch von Zitrusfrüchten und teilweise mineralischen Anklängen. Da sie langsam reifen und Säure liefern, bieten sie ideale Voraussetzungen für die Alterung des Weins.

Wer Champagner trinkt, sollte ihn nicht zu kalt trinken. Und anstelle eines Sektglases lieber ein Weißweinglas nehmen. Die Aromen treten so deutlicher zu Tage, die Kohlensäure tritt in den Hintergrund. Zumindest wenn es ein Sekt oder ein Champagner von sehr guter Qualität ist – so wie unsere fünf Empfehlungen mit einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Diese Liste ist das Resultat von vielen Reisen in die Champagne und von Verkostungen hierzulande. Sie erhebt angesichts von mehr als 15.000 Winzern natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Coutier, Cuvée Tradition

Auf dem kleinen Gut in Ambonnay werden noch alle Flaschen von Hand gerüttelt, die Etiketten aufgeklebt, die fertigen, degorgierten Schaumweine in buntes Papier eingeschlagen und verschickt. 65 Prozent Pinot Noir, 35 Prozent Chardonnay, frische Zitronenschalen, schöne Hefenote, der Basischampagner ist bei dem Preis-Leistungs-Verhältnis fast unschlagbar. Kostet in Deutschland: 27,80 Euro.

Für Freunde von Jahrgangschampagner ist der 2008er Cuvée Henri III Grand Cru zu empfehlen. Kräftig und elegant mit einer sehr guten Balance zwischen Säure und Frucht. Der wird ausschließlich aus Pinot-Noir-Trauben hergestellt und kostet knapp 40 Euro. Zu beziehen bei ungerweine.de

2. Laurenti Grand Cuvée Tradition Brut

Reifer, cremiger und eher weiniger Champagner, der aus der südlichen Region der Champagne kommt. Die Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir wurde im Holzfass ausgebaut und hat eine sehr gute Länge. Die Perlage ist ebenfalls sehr gut eingebunden. Eher ein Essensbegleiter als ein Aperitif. Kostet in Deutschland: rund 33 Euro. Zu beziehen über Champagner Weinshop.

3. Pommery Noir

Ein Basischampagner, besteht also jeweils aus einem Drittel Chardonnay, Pinot Meunier und Pinot Noir. Aufgrund der längeren Reifezeit in der Flasche ein komplexer und sehr cremiger Schaumwein. Kostet regulär 40 Euro, bei zwischenzeitlichen Sonderaktionen aber auch für 25 Euro zu erwerben. www.hawesko.de 

4. Maurice Grummier Blanc de Noirs Brut

Traditionsreiches Familienweingut, das seit 1743 in der Region Weinbau betreibt. Der handwerkliche Winzer-Champagner besteht nur aus roten Trauben (80 Prozent Pinot Meunier und 20 Prozent Pinot Noir), ist würzig mit dunklen Früchten und eher weinig. Kostenpunkt: 29,90 Euro, zu beziehen über Vipino.

5. Agrapart & Fils Les 7 Crus brut

Ein Champagner für Fortgeschrittene, sehr trocken und sehr frisch. Er hat eine niedrige Dosage und wenig Schwefel, besteht aus Chardonnays von sieben verschiedenen Lagen. Die  Rebstöcke haben ein durchschnittliches Alter von 35 Jahren, manche sind sogar über 50 Jahre alt.

Die Bewirtschaftung erfolgt nach biodynamischen Methoden, zu denen auch die Weinbergsbearbeitung mit dem Pferd gehört. Kostet 37,90 und ist zu beziehen über Kierdorfwein.

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