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22.09.2019

08:36

Taufe der „Hugo Boss“

Eine radikale Yacht für den Popstar des Segelns

Von: Sandra-Valeska Bruhns

Alex Thomson segelt sie, Karim Rashid sorgte für die Optik, Poppy Delevingne hat sie getauft: Die Yacht „Hugo Boss“ ist nicht nur im Wasser extravagant.

Poppy Delevingne, Boss-Chef Mark Langer (l.) und Segel-Popstar Alex Thomson auf der „Hugo Boss“. (Foto: Hugo Boss)

Taufe vor imposanter Kulisse

Poppy Delevingne, Boss-Chef Mark Langer (l.) und Segel-Popstar Alex Thomson auf der „Hugo Boss“.

(Foto: Hugo Boss)

London Was passiert, wenn sich einer der besten Solosegler der Welt bei der Entwicklung der Optik seiner neuen Yacht für das Vendée Globe Race von einem der renommiertesten zeitgenössischen Industriedesigner unterstützen lässt? Wenn also Alex Thomson, der englische Popstar des Segelns, der durch seinen Charme und seine Entertainerqualitäten auch außerhalb der sportlichen Segelszene einen beachtlichen Bekanntheitsgrad erreicht hat, zusammen mit dem für seine Vorliebe für knallige Farben berühmten US-amerikanischen Designer Karim Rashid am Look eines neues Hightech-Renners arbeitet? Es entsteht ein extraordinäres Boot wie die neue „Hugo Boss“.

Und klar, dass dann auch für die Taufe in London eine imposante Kulisse wie die der Tower Bridge herhalten muss. Poppy Delevingne, Schwester von It-Girl Cara Delevingne, hatte am Donnerstag die Ehre, Taufpatin eines Schiffes zu sein, dessen Design man sowohl als Segler als auch als Fashion-affiner Betrachter durchaus als radikal bezeichnen kann.

Der mattschwarze Kohlefaserrumpf, der in Southampton nach Konstruktionszeichnungen des französischen Büros VPLP gebaut wurde, hat markante neonpinke Farbflächen, dazu wurde das Logo des Hauptsponsors in elegantem Silber integriert.

Die Aufmerksamkeit von Gestalter Karim Rashid richtete sich bei der Taufzeremonie im Licht der abendlichen Stunde vor allem auf den nahezu magischen Schimmer, den die neonpinken Farbmarkierungen- und Flächen an Bord der neuen Yacht, vom bläulichen Licht einiger Scheinwerfer zusätzlich angestrahlt, hervorriefen. Den Anblick der futuristisch wirkenden Rennyacht mit dem ein wenig böse aussehenden Bug und den wie Spinnenarme in den Himmel ragenden Foils vor der Tower Bridge bezeichnete er später „ikonischen Moment“.

„Auf das Pink kam ich durch die Sicherbestimmungen für diese Segelyachten, die den Einsatz einer fluoreszierenden Farbe an Deck vorschreiben“, erklärte er. „Mit dieser Farbe spiele ich auch mit dem sich ändernden Gender-Verständnis in der Modewelt. Pink ist nicht länger kleinen Mädchen vorbehalten, sondern kann auch einen sportlichen Look verkörpern.“

Diesem modischen Credo des Designers, der zur Taufe der fast 20 Meter langen Rennyacht im weißen Anzug mit pinken Socken und passender Smartwatch erschien, hat sich Alex Thomson gerne angeschlossen. Zum maßgeschneiderten dunklen Anzug seines Hauptsponsors trug er nur T-Shirt und weiße Sneaker.

Die Optik der neuen Yacht trägt unverkennbar die extravagante Handschrift des Industriedesigners Karim Rashid. (Foto: Hugo Boss)

Mattschwarz mit neonpinken Farbflächen

Die Optik der neuen Yacht trägt unverkennbar die extravagante Handschrift des Industriedesigners Karim Rashid.

(Foto: Hugo Boss)

In diesem Outfit lief der Popstar des Segelsports über das konkav geformte Deck seiner neuen Yacht und erklärte die Besonderheiten seines neuen High Tech-Renners. „Die konkave Wölbung des Vorschiffes haben wir gewählt, damit sich das Wasser der überschlagenden Wellen nicht auf dem Vorschiff sammeln kann“, erläutert er. „Eine unserer Hauptbestrebungen neben der Entwicklung neuer Foils war es, Gewicht zu reduzieren und zusätzliches Gewicht, wie durch Wasser an Deck und im Cockpit, zu vermeiden.“

Schiffe wie die neue „Hugo Boss“, bereits die achte Yacht, die Alex Thomson Racing zusammen mit dem Hauptsponsor aus dem schwäbischen Metzingen realisierte, sind dafür gebaut, so schnell wie möglich mit Highspeed über die Ozeane zu rasen. Jedes überflüssige Gramm Gewicht wird dabei gespart, auf jeglichen Komfort an Bord oder gar den Einbau von Interieur wird verzichtet. Die Segler schlafen in einer schmalen Rohrkoje oder auf einem großen Sitzsack auf dem Boden, es gibt weder eine Nasszelle noch eine Küche.

Die gefriergetrocknete Nahrung wird durch heißes Wasser, das durch einen im Bodensegment integrierten Gaskocher erhitzt wird, zu einem wenig schmackhaften, aber nahrhaften und vor allem kalorienhaltigen Brei zubereitet. Die Yachten werden überwiegend für lange Regatten mit zwei Seglern oder einem Skipper allein eingesetzt. Bei der kommenden Auflage des „The Ocean Race“, dem Nachfolger des Volvo Ocean Race, werden erstmals sechsköpfige Crews auf den Schiffen an dem Weltrennen teilnehmen.

Zur Gewichtsreduktion tragen vor allem die vielen Solarpanels auf dem Aufbau der Yacht bei, die einen großen Dieseltank überflüssig machen und es zudem ermöglichen, nahezu emissionsfrei mit dem Schiff zu segeln. Neben der „Malizia“, auf der Boris Herrmann Klimaaktivistin Greta Thunberg nach New York segelte, ist die neue „Hugo Boss“ die einzige Yacht des Typs Imoca 60, bei der konsequent auf den Einsatz von Dieselkraftstoff an Bord verzichtet wird.

Die erste Bewährungsprobe steht für das Schiff und seinen Skipper bei der Regatta Transat Jaques Vabre an. (Foto: Hugo Boss)

Unter Hochseebedingungen

Die erste Bewährungsprobe steht für das Schiff und seinen Skipper bei der Regatta Transat Jaques Vabre an.

(Foto: Hugo Boss)

Rund 30.000 Stunden dauerte es, bis die Konstruktion des Schiffes mit einem Team aus Schiffbauern, Ingenieuren und Seglern abgeschlossen war, danach flossen weitere 50.000 Arbeitsstunden in den rund sechs Millionen Euro teuren Neubau. Die Yacht gehört der Firma Alex Thomson Race, Hugo Boss ist Hauptsponsor des Segelrennstalls, der im technischen Bereich zudem von Nokia unterstützt wird.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich Alex Thomson bei der Gestaltung des Schiffes auf die Kompetenz eines erfahrenen Exterieur-Designers verlässt. Der nun „alten“ „Hugo Boss“, die gerade an den Ocean Race-Aspiranten Charlie Enright verkauft wurde, verpasste der deutsche Designer Konstantin Gcric den wabenförmigen Honeycomb-Look im zarten Silbergrau mit neongelben Effekten.

Für Bekleidungshersteller Hugo Boss, der sich im Sportsponsoring ansonsten im Fußball, der Formel 1 und dem vor allem in Asien populären e-Racing engagiert, ist die inzwischen 16 Jahre andauernde Zusammenarbeit mit dem 45-jährigen Segler ein Glücksfall. Wie kaum ein anderer schafft es Thomson, sich und sein Schiff in Szene zu setzen. Legendär ist sein Keelwalk, bei dem er, im eleganten schwarzen Anzug und mit dunkler Sonnenbrille, auf dem Kiel der zur Seite geneigten Yacht posierte. Eine Inszenierung, die noch heute von zahlreichen Seglern kopiert wird. Auf den Keelwalk folgte noch ein Mast- und mit Hilfe eines Kites ein Skywalk.

Bewährungsprobe im Hochseerennen

Doch auf weitere dieser spektakulären Stunts müssen die Fans von Alex Thomson, die inzwischen in verschiedenen Instagram-Stories ihm und seiner Yacht folgen, nun leider verzichten. „Wir lassen es bei der Trilogie. Das war so gut, das können wir gar nicht mehr toppen“, meint Thomson. Aufmerksamkeit, vor allem viral, bekommt er mit seinem neuen Schiff auch so.

Die Segelfans warten gespannt darauf, wie schnell die neue Yacht mit der einzigartigen Optik unter Segeln wirklich wird und ob sie den Belastungen der Hochseerennen standhält. „Das ist immer das Aufregendste, wenn ein neues Schiff getestet wird“, sagt Alex Thomson. „Wir haben so vieles zum ersten Mal gemacht, dass wir in der Praxis nicht wissen, ob es wirklich funktioniert. Aber ich denke, wir werden bis zu 40 Knoten Speed (über 70 km/h) mit dem Schiff erreichen.“

Die erste Bewährungsprobe für das Schiff und seinen Skipper wird die Regatta Transat Jaques Vabre sein, die Ende Oktober in Le Havre startet und nonstop ins brasilianische Salvador de Bahia führt. „Natürlich werde ich mit meinem Co-Skipper Neal McDonald versuchen, so gut wie möglich zu segeln, aber unser Fokus liegt bei diesem Rennen nicht auf einem Platz auf dem Podium“, sagt Alex Thomson. „Wir werden vor allem viele Performance-Daten über das Segelverhalten des Schiffes sammeln und diese dann auswerten, um vor allem die Foils in den Wintermonaten weiter zu optimieren.“

Alex Thomson (l.), Mark Langer (r.) und Karim Rashid sind die Männer hinter der „Hugo Boss“. (Foto: Hugo Boss)

Konzentierte Aktion

Alex Thomson (l.), Mark Langer (r.) und Karim Rashid sind die Männer hinter der „Hugo Boss“.

(Foto: Hugo Boss)

Ihre beste Leistung müssen Skipper und Schiff im kommenden Herbst abrufen, wenn die alle vier Jahre stattfindende Regatta Vendée Globe gestartet wird, der Mount Everest der Solosegler. Alex Thomson hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem Schiff als erster Brite das Rennen zu gewinnen und damit die Dominanz der französischen Hochseeprofis zu unterbrechen.

Karim Rashid, der bisher nur wenig Segelerfahrung hat und sich bei der Arbeit für die neue „Hugo Boss“ zum ersten Mal mit dem optischen Design einer Yacht auseinandersetzte, wird die Rennen auf dem Tracker verfolgen. „Im Juni werden Alex und sein Schiff in New York sein, dann werde ich hoffentlich mit ihm segeln gehen“, sagt er. „Mit diesem Schiff vor der Freiheitsstatue zu kreuzen ist mindestens so ikonisch wie die Taufe vor der Tower Bridge.“

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