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01.01.2019

11:43

Im Film „The Bucket List“ spielen Jack Nicholson (l.) und Morgan Freeman zwei Krebspatienten, die sich vor dem Tod ihre Lebensträume erfüllen wollen. imago/Prod.DB

Was an Wünschen noch bleibt

Im Film „The Bucket List“ spielen Jack Nicholson (l.) und Morgan Freeman zwei Krebspatienten, die sich vor dem Tod ihre Lebensträume erfüllen wollen.

Träume, Ziele, Wünsche

Wie die „Bucket List“ bei der Suche nach dem Sinn des Lebens hilft

Von: Alexander Wehnert

Wir fassen zum Jahreswechsel gern gute Vorsätze. Doch die sind häufig unkonkret. Eine „Bucket List“ eignet sich besser dazu, große Pläne umzusetzen.

DüsseldorfDie beiden Shelby Mustangs rasen Kopf an Kopf über die Rennpiste. Hinter dem Steuer des gelben Fords sitzt Hollywoodstar Jack Nicholson, der rote Wagen wird von seinem Kollegen Morgan Freeman gelenkt. Schließlich gelingt es Freeman, Nicholson mithilfe einer Abkürzung abzuhängen und als erster ins Ziel zu kommen – die Szene stammt aus dem Film „The Bucket List“ („Das Beste kommt zum Schluss“).

Darin spielen die Oscar-Preisträger zwei Krebspatienten, die vor ihrem Tod eine Liste ihrer Lebensträume abarbeiten wollen. Der Filmtitel kommt von der US-amerikanischen Redensart „to kick the bucket“ (grob übersetzt: „den Löffel abgeben“) und spielt auf den Zeitrahmen an, den sich die Figuren für ihre Ziele setzen.

Durch den Streifen inspiriert, stellen seitdem auch in Deutschland viele Menschen ihre eigenen „Bucket List“ auf – tatsächlich sind sie eine gute Alternative zu den klassischen Neujahrsvorsätzen.

Denn auf einer „Bucket List“ hält der Verfasser konkrete Ziele fest. Gegenüber wenig spezifizierten, gedanklich notierten Vorhaben wie „weniger Alkohol trinken“, „nicht mehr so fies zur Schwiegermutter sein“ oder „die Wampe wegtrainieren“ ist das ein entscheidender Vorteil.

Auf der Liste können große Träume wie eine Mount-Everest-Besteigung oder weniger aufwendige, soziale Vorhaben wie eine Blutspende stehen. Wer eines seiner Ziele erreicht hat, kann es auf der Liste abhaken, seinen Erfolg damit visualisieren – und sich ein wirklich gutes Gefühl verschaffen.

Wer eines seiner Ziele erreicht hat, kann es auf der Liste abhaken, seinen Erfolg damit visualisieren – und sich ein wirklich gutes Gefühl verschaffen. Glenn Carstens-Peters on Unsplash

Die „Bucket List“

Wer eines seiner Ziele erreicht hat, kann es auf der Liste abhaken, seinen Erfolg damit visualisieren – und sich ein wirklich gutes Gefühl verschaffen.

Wer eine „Bucket List“ verfassen will, sollte sich dafür etwas Zeit nehmen, den Kopf freimachen und genau über seine Wünsche und Ziele nachdenken. Auf einem Blatt Papier sollte der anstrebende Listenautor erst einmal alles festhalten, was ihm einfällt. Anschließend kann er seine Punkte in Kategorien untergliedern, um einen besseren Überblick zu behalten.

Dazu dürfen natürlich auch berufliche und finanzielle Ziele zählen. So nimmt sich der eine vielleicht vor, seine Kollegen bei einem bestimmten Anlass besser kennenzulernen, der andere will auf eine Beförderung hinarbeiten oder einen wirklich erfüllenden Beruf finden und der dritte einfach nur ein bestimmtes Projekt abschließen.

Einige Bucket-List-Verfasser entschließen sich auch, jeden Monat einen bestimmten Betrag zur Seite zu legen oder sicher zu investieren. Auch eine eigene Immobilie oder ein gewinnbringendes Aktiendepot können natürlich Ziele sein.

Die „Bucket List“ unseres Autors...

Lebenstraum Nr. 10

Meinen eigenen Gin brennen: Gin macht das menschliche Dasein etwas erträglicher. Wer es einfach mag, mischt die farblose Spirituose mit etwas Tonic oder Lime Juice Cordial und verschafft sich so eine bitter-saure Gaumenfreude. Doch auch in elaborierten Martinis darf sie nicht fehlen. Ich will diesen Genuss einmal Kraft meiner Hände selbst kreieren und bin mir des Erfolges gewiss – schließlich habe ich mit Freunden bereits ein herrliches Bier gebraut.

Lebenstraum Nr. 9

Für meine Lasagne berühmt werden: Ich esse für mein Leben gern Lasagne und koche sie mittlerweile auch ganz passabel. Deshalb hoffe ich, dass mich durch dieses Kunststück italienischer Cucina großer Ruhm ereilt. Nötig ist nur ein wenig Mundpropaganda, oder seine digitale Form, ein viral gehender Social-Media-Post. Und wer einmal von meiner Lasagne gekostet hat, wird nicht schweigen.

Lebenstraum Nr. 8

Ein Buch schreiben: Journalistische Arbeit erfüllt mich. Doch Bücher bleiben länger relevant als die tagesaktuelle Berichterstattung. Ich habe schon einige Themen im Kopf, die ich in meinem großen Werk behandeln könnte – vermutlich wird es auf ein Kochbuch mit Lasagne-Rezepten hinauslaufen.

Lebenstraum Nr. 7

In New York leben: Die größte US-Metropole hat mich schon immer fasziniert. Gerne würde ich für längere Zeit in der Stadt wohnen, die niemals schläft – und sie auch abseits von Touristenattraktionen wie dem Empire State Building, dem Times Square und Liberty Island besser kennenlernen. Vorerst muss ich allerdings mit einem Kurzurlaub über Silvester vorlieb nehmen.

Lebenstraum Nr. 6

Lernen, fließend Italienisch zu sprechen: Meine Leidenschaft für Italien ist nicht nur auf gute Lasagne begrenzt. Neben der Kulinarik hat es mir besonders die italienische Sprache angetan. Bisher verstehe ich recht gut, was ein langsam und deutlich sprechender Römer von mir will (nämlich meistens, dass ich aufhöre, ihm meine Lasagne aufzudrängen). Gerne würde ich die Sprache aber selbst fließend sprechen können – und zwar so, dass ich mich in einem Straßencafé gemeinsam mit alten Neapolitanern über die Vormachtstellung der norditalienischen Fußballclubs aufregen kann, ohne aufzufallen.

Lebenstraum Nr. 5

Vergessen, wofür ein Katasteramt zuständig ist: Katasterämter haben mich zuerst fasziniert, als Jack Nicholson in „Chinatown“ eine solche behördliche Einrichtung betrat. Der von ihm gespielte Privatdetektiv versteht durch Eintragungen im Register des Amtes, welch korruptes Spiel im Los Angeles des Jahres 1937 getrieben wird. Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, erkundigte ich mich natürlich sofort genauer nach der Aufgaben von Katasterämtern – und bereue es seitdem zutiefst. Denn mein Kopf ist nun mit unnützem Wissen über Landvermessungen vollgestopft, wo ich den Platz doch dringend für Rezepte brauche.

Lebenstraum Nr. 4

Meinen Namen in Ramón Escalante ändern lassen: Früher oder später werde ich mir aufgrund der Rachegelüste der von mir aus dem Markt gedrängten Lasagne-Köche sicher eine neue Identität zulegen und mich ins Ausland absetzen müssen. Selbstverständlich würde ich dann gerne „Ramón Escalante“ heißen – denn wer würde nicht gerne schon allein durch seinen Namen lateinamerikanischen Machismo versprühen?

Lebenstraum Nr. 3

Lachsfischen im Jemen: Ich habe keine Ahnung, worum es in der Komödie geht, die nach den Golden Globes 2013 in aller Munde war. Bei bizarren Komödien winke ich getrost ab – und bleibe dem Gangsterfilm treu. Die Vorstellung, im Nahen Osten auf Angeltour zu gehen, klingt aber romantisch.

Lebenstraum Nr. 2

Den langen Krypto-Winter überstehen: Für den Bitcoin geht es stetig abwärts, ein Ende des Kurssturzes ist nicht in Sicht. Müssen wir jetzt darben? Ich decke mich für den langen Krypto-Winter jedenfalls mit Devisenkonserven ein – und natürlich mit Lasagne.

Lebenstraum Nr. 1

Mit 5G-Mobilfunk im Harz unterwegs sein: Die neue CDU-Vorsitzende will den 5G-Mobilfunkstandard „an jeder Milchkanne“. Als leidenschaftlicher Handy-Nutzer und Wanderer könnte ich dann endlich zwei meiner Hobbys verknüpfen – und durch den Harz flanieren, ohne mich zu verlaufen. Denn mit 5G wird Google Maps sicher auch jenseits von Clausthal-Zellerfeld funktionieren.

Wichtige Punkte auf der Liste können markiert, unwichtigere wieder gestrichen werden. Wer möchte, kann ein Notizbuch zur Liste anfertigen und darin Gedanken zu erreichten Zielen festhalten, Souvenirs einkleben und die Liste erweitern.

Bei einer „Bucket List“, das soll nicht unerwähnt bleiben, besteht für den Autor allerdings die Gefahr, sich unter Druck zu setzen.

Deswegen ist es wichtig, trotz großer Träume im Hier und Jetzt zu leben – und vor allem nicht die Dinge aus den Augen zu verlieren, die wirklich zählen: Gesundheit, Freundschaft und die eigene Familie. Wer mit seiner „Bucket List“ aber alles richtig macht, findet für sich vielleicht sogar den Sinn des Lebens.

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