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15.03.2019

11:18

Wellness für Babys

Deutschlands erstes Baby-Spa – Wie zwei Düsseldorferinnen eine Marktlücke besetzen

Von: Jutta Oster

In Japan und den USA sind Massagen für die Kleinsten längst im Trend. Zwei Gründerinnen haben nun hierzulande das erste Baby-Spa eröffnet – mit Erfolg.

Im September 2016 haben die beiden Gründerinnen das Spa für die Kleinsten eröffnet. (Foto: Mabyen)

Marie Papenkort (l.) und Manuela Apitzsch

Im September 2016 haben die beiden Gründerinnen das Spa für die Kleinsten eröffnet.

(Foto: Mabyen)

DüsseldorfNein, mit öffentlichem Schwimmbad, Chlorgeruch und Enge in den Umkleidekabinen hat dieses Babyschwimmen nichts gemeinsam. Ganz allein schwimmt – oder vielmehr schwebt – Henry, ein halbes Jahr alt, durch einen Whirlpool. Ein Schwimmkranz um seinen Hals sorgt dafür, dass der kleine Mann nicht untergeht und sich frei im warmen Wasser bewegen kann. In seinem Gesicht zeichnen sich Freude und ein etwas ungläubiges Staunen ab.

Henry gefällt es – und seiner Mutter Verena Gerhardt aus Düsseldorf, die zuschaut, auch. Floating nennt sich das, es ist Teil von „Mabyen“, Deutschlands erstem Baby-Spa in der Düsseldorfer Innenstadt. Marie Papenkort (29) und Manuela Apitzsch (28) haben das Unternehmen vor drei Jahren als Start-up gegründet.

Ihr Konzept ist so erfolgreich, dass im April 2019 ein zweiter Baby-Spa nach dem Franchise-Prinzip in Hamburg eröffnen wird, ein weiterer in Bielefeld ist in Planung. Im Nebenraum mit Kristalllüster und Stofftapete erlernen gerade zwei Mütter die Techniken der Babymassage, streichen über speckige Babybeine und winzige Fußsohlen.

Marie Papenkort zeigt ihnen die richtigen Handgriffe, sie selbst nimmt dafür eine Puppe in die Hand. „Das ist das entspannteste Baby von allen.“ Aber auch die beiden anderen werden zunehmend ruhiger – im Zweifel tröstet Marie Papenkort, die sich einen Ruf als Babyflüstererin erarbeitet hat.

Floating und Babymassage sind die beiden Kernangebote von Mabyen. Dazu wird es bald auch spezielle Anwendungen für Mütter wie Massagen und Gesichtsbehandlungen geben, die sie in einem Raum mit ihrem Kind genießen können. Doch klar im Mittelpunkt stehen bei Mabyen kleine Kunden.

Eltern lassen sich das Düsseldorfer Angebot etwas kosten. (Foto: Mabyen)

Baby-Wellness

Eltern lassen sich das Düsseldorfer Angebot etwas kosten.

(Foto: Mabyen)

Das Floating soll dazu beitragen, dass Babys noch einmal das Gefühl der Schwerelosigkeit aus dem Mutterleib genießen können, es soll sie ans Wasser gewöhnen, ihre Feinmotorik und ihren Gleichgewichtssinn schulen. Mit der Babymassage erlernen Eltern ein Instrument, um ihr Baby beruhigen zu können, das auch bei Koliken und Schreiattacken hilft. Die Handgriffe können sie zu Hause fortführen.

„Mit Mabyen möchten wir Eltern zeigen, wie sie ohne Sprache, durch Berührung und Liebe, mit ihrem Säugling kommunizieren. Das schafft eine tiefe Bindung“, sagt Marie Papenkort. Eltern lassen sich das etwas kosten: Ein Floating liegt bei 17 Euro, eine Massage-Einheit in der Kleingruppe bei 26 Euro, als Exklusiv-Anwendung ohne andere Teilnehmer bei 48 Euro.

Am Wochenende ist der Spa besonders gut gebucht, dann sind die Anwendungen etwas teurer. Die Gutscheine sind auch zu einem beliebten Geschenk geworden, etwa zur Geburt. Klingt nach einem Angebot für gut betuchte Mütter und ein wenig auch nach Düsseldorf-Klischee?

„Überhaupt nicht“, findet Manuela Apitzsch. „Wir haben die Preise so gestaltet, dass alle Eltern sich den Baby-Spa leisten können. Wir hatten schon die 16-jährige Mutter zu Gast, die ihr Taschengeld zusammengekratzt hat, ebenso wie die Mutter, die mit Chauffeur vorgefahren ist.“ Die Gründerin versteht den Baby-Spa als eine Art Hebamme 2.0 – für die Zeit, in der die Hebamme nicht mehr bei den Eltern vorbeischauen kann.

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Zur Marke Mabyen gehört die besondere Atmosphäre des Spa: mit persönlicher Begrüßung am Eingang, ruhiger Musik im Hintergrund und einem Design im aufgeräumten skandinavischen Stil. Die Start-up-Idee hatte Marie Papenkort. Die Sozialpädagogin und Babymasseurin entdeckte auf YouTube einen Baby-Spa in London, schaute sich das Konzept an und überzeugte schließlich ihre Freundin Manuela Apitzsch, die sie seit der achten Klasse kennt, von ihrer Idee.

Manuela Apitzsch, die gerade ihren Bachelor in Mode- und Designmanagement mit Schwerpunkt Marketing abgeschlossen hatte, ließ sich leicht überzeugen, „obwohl ich mich eigentlich nie selbstständig machen wollte“. In Japan und den USA sind Baby-Spas bereits etabliert, in Deutschland ist das Konzept noch neu.

Die beiden Geschäftsführerinnen finden es nicht ungewöhnlich, dass sie kurz nach dem Studium gegründet haben. „Wir haben nichts zu verlieren, haben noch kein Haus und noch keine eigenen Kinder. Wenn nicht jetzt, wann dann“, sagt Manuela Apitzsch. In der Gründungsphase hätten sie vermutlich mehr gelernt als in zehn Jahren Festanstellung.

Der kleine Mann kann sich frei – und allein – im warmen Wasser bewegen. (Foto: Mabyen)

Floating

Der kleine Mann kann sich frei – und allein – im warmen Wasser bewegen.

(Foto: Mabyen)

Von der Idee bis zur Umsetzung ging es dann recht schnell: Im Sommer 2015 haben die Freundinnen die Entscheidung getroffen, im darauffolgenden Januar das Unternehmen gegründet und im September 2016 den Baby-Spa eröffnet. Einen Teil des Startkapitals haben sie selbst aufgebracht, einen Teil über einen KfW-Kredit finanziert. Seit November 2017 arbeitet Mabyen profitabel, im Jahr 2018 hat das Jungunternehmen erstmals die Millionen-Marke beim Umsatz geknackt.

Anschubfinanzierung durch „Höhle der Löwen“

Einen Schub hat das Unternehmen aber auch durch die Teilnahme bei der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“, ausgestrahlt im Oktober 2017, bekommen. Die beiden Gründerinnen konnten die Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams von ihrer Idee überzeugen – sie investierte 125.000 Euro gegen 51 Prozent der Firmenanteile an Mabyen, die allerdings nicht in den eigentlichen Baby-Spa, sondern eine zugehörige Pflege- und Produktlinie geflossen sind.

Die Anteile hält inzwischen der Unternehmer Georg Kofler. Dass sie die Mehrheitsanteile an den Investor abgegeben haben, bedauert Manuela Apitzsch nicht. „Wir wollen lieber zusammen groß werden als allein klein bleiben.“

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Zu 70 Prozent ist der Spa inzwischen ausgelastet, am Wochenende zum Teil auch zu hundert Prozent. Zu einem wichtigen Standbein hat sich die Pflegelinie in Bio-Qualität entwickelt, die inzwischen 25 Produkte umfasst und für die Mabyen mit verschiedenen Handelspartnern zusammenarbeitet.

Die beiden Gründerinnen haben für sich eine klare Arbeitsteilung geschaffen: Während Marie Papenkort die Expertin für alle Babybelange ist, hat Manuela Apitzsch die Vertragsgestaltung, die Buchhaltung und das Marketing übernommen. Die beiden werden von einer Kinderkrankenschwester unterstützt; außerdem gehören zum Team noch eine freiberufliche Hebamme und zwei Yogalehrerinnen für Kurse, die ebenfalls bald bei Mabyen stattfinden.

Ihre Gründung bereuen Marie Papenkort und Manuela Apitzsch nicht, auch wenn sie rückblickend glauben, dass ihnen etwas Blauäugigkeit dabei geholfen hat, das Projekt umzusetzen. Die größte Hürde war die Immobiliensuche, es hat lange gedauert, bis die beiden ihre 125-Quadratmeter-Geschäftsräume in Düsseldorf gefunden hatten.

Aber auch bei anderen Gelegenheiten mussten sie stabile Nerven beweisen, zum Beispiel als die insgesamt vier Whirlpools für das Floating aus Japan erst einen Tag vor Geschäftseröffnung eintrafen. Der Arbeitsalltag für die beiden Freundinnen ist straff organisiert, sie arbeiten oft auch am Wochenende durch. Eigene Kinder? Die beiden schütteln den Kopf, keine Zeit. „Aber wir haben ganz viele jeden Tag hier“, sagt Marie Papenkort.

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