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17.04.2019

14:45

Buchtipp: „Die Stunde der Optimisten“

Ökonom Thomas Straubhaar argumentiert gegen die Lust am Untergang

Von: Christian Rickens

Der Schweizer Ökonom Thomas Straubhaar liefert Argumente für mehr Optimismus – und entwirft eine faire und freiheitliche Zukunftsgesellschaft.

Der Schweizer Ökonom lehrt an der Universität Hamburg. imago/Christian Thiel

Thomas Straubhaar

Der Schweizer Ökonom lehrt an der Universität Hamburg.

Thomas Straubhaar gehört zu den erfrischenderen Köpfen in der deutschsprachigen Ökonomenszene. Der 61-jährige Schweizer, der an der Universität Hamburg lehrt und forscht, ist von marktwirtschaftlichen Grundüberzeugungen geprägt. Doch diese Ansichten führen ihn oft zu unerwarteten Schlüssen. So gehörte er früh zu den Verfechtern eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Auch in seinem neuen Buch argumentiert Straubhaar lustvoll gegen den Mainstream. „Die Stunde der Optimisten“ wendet sich gegen die in Deutschland gerne gepflegte Untergangsstimmung.

Angesichts von Jobverlusten durch die digitale Revolution, von Klimawandel und Handelskriegen argumentiert der frühere Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts streng empirisch: Die historische Erfahrung spreche dafür, dass die menschliche Kreativität lernen werde, mit den derzeitigen Problemen umzugehen. Das habe sie bisher schließlich noch jedes Mal geschafft.

Die Lösung für die Herausforderungen der Gegenwart sieht Straubhaar in einem Umbau des westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems: Weg vom Streben nach Stabilität, hin zur Resilienz. Dieser politökonomische Modebegriff besagt, dass sich Systeme möglichst flexibel an unerwartete Veränderungen anpassen sollen. Abgelaufen ist für Straubhaar hingegen die „Zeit der Masterpläne, großen Würfe aus einem Guss und perfekten To-do-Listen“.

Wie soll die resiliente Wirtschaft der Zukunft aussehen? Straubhaar plädiert zum Beispiel für staatlich finanzierte Ausbildungszeiten, die Menschen Weiterbildung bis ins hohe Alter ermöglichen. Das soll ihnen helfen, sich an die rasch und schwer vorhersehbar wechselnden Anforderungen des Arbeitsmarkts anzupassen.

Thomas Straubhaar: Die Stunde der Optimisten – So funktioniert die Wirtschaft der Zukunft
Edition Körber, 2019, 368 Seiten, 22 Euro

Gleichzeitig ist der Wissenschaftler dafür, alle Unternehmensteuern abzuschaffen, weil sich in der Digitalwirtschaft die Wertschöpfung kaum noch einem geografischen Ort zuordnen lasse.

Stattdessen will Straubhaar nur noch an Aktionäre oder Gesellschafter ausgeschüttete Gewinne besteuern – und zwar mit dem gleichen Steuersatz wie Arbeitseinkommen. Allerdings bleibt offen, wie Straubhaar dabei verhindern will, dass die Empfänger solcher hohen Kapitaleinkünfte ihren Erstwohnsitz gezielt in Staaten mit besonders niedrigen Einkommensteuersätzen verlegen.

Viele der Gedanken, die Straubhaar auch für ökonomische Laien gut verständlich darlegt, sind nicht neu. Aber in der Zusammenschau ergeben sie den frischen Entwurf für eine freiheitliche und zugleich faire Gesellschaft, die Lust darauf macht, in ihr zu leben. „Die Stunde der Optimisten“ stimmt tatsächlich optimistisch.

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