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15.08.2019

20:28

Buchtipps

Vier Bücher über den Fortschritt der digitalen Technologie

Von: Mareike Müller, Stephan Scheuer, Christof Kerkmann, Anna Gauto

Die Digitalisierung krempelt die Arbeitswelt um – mehrere Bücher ergründen, was das für die Menschen heißt und welche Jobs eine Zukunft haben.

Der Fortschritt der Technologie beeinflusst viele Lebensbereiche, vor allem die Arbeit. Visual China Group/Getty Images

Digitalisierung

Der Fortschritt der Technologie beeinflusst viele Lebensbereiche, vor allem die Arbeit.

Düsseldorf Manche Revolutionen kündigen sich leise an. Als der Forscher Erik Brynjolfsson im Jahr 2012 erstmals mit einem fahrerlosen Auto unterwegs war, wunderte er sich darüber, wie ruhig es über den Highway 101 in Kalifornien steuerte. Herausragende Forscher trauten Computern diese Aufgabe auf absehbare Zeit nicht zu – auf einmal ging es.

Was der Amerikaner im Auto erlebte, passiert auch in vielen anderen Lebensbereichen. Die digitale Technologie hat in den letzten Jahren erstaunliche Fortschritte gemacht und kann Dinge, die ihnen vorher niemand zugetraut hat: Computer bewerten die Kreditwürdigkeit von Bankkunden, zeichnen Bilder im Stil von Rembrandt, entwerfen Rezepte für erstaunlich leckere Gerichte und bluffen besser als Pokerprofis.

Die Grundlagen und Folgen der digitalen Revolution beschreiben mehrere neue Bücher. Wie die Technik sich so entwickeln konnte, erklärt der Informatiker Ken Steiglitz. Die Karriereberaterin Svenja Hofert und der Philosoph Anders Indset ergründen, was das neue Maschinenzeitalter für den Menschen bedeutet. Und der Ökonom Carl Benedikt Frey analysiert die Folgen für den Arbeitsmarkt.

Werkzeugkasten für die Arbeitswelt der Zukunft

Maschine statt Mensch: In der Arbeitswelt von morgen werden Fachwissen und hart erarbeitete Fertigkeiten maschinell ersetzbar. So prophezeit es Management- und Karriereberaterin Svenja Hofert – und verspricht Abhilfe: Ihr Buch „Mindshift“ soll helfen, die großen Veränderungen des digitalen Zeitalters durch Selbstoptimierung anzugehen. Denn Hofert ist überzeugt: „Künstliche Intelligenz kann einen Großteil unserer Aufgaben übernehmen – bis auf jene, die Kreativität, Intuition und Empathie erfordern.“

Um die zu schulen, soll jedes der 22 Kapitel durch einen „Mindshift“, einen Gedanken-Umschwung, überholte Denk- und Handlungsmuster aufbrechen. So sollen die Leser zum Anpacker werden, den schwierige Aufgaben nicht abschrecken. Oder sie sollen als Freiräumer „neue Zimmer im Kopf entdecken“ und sich so kreativ entwickeln.

Svenja Hofert: Mindshift
Campus Verlag
312 Seiten
19,95 Euro
ISBN-13: 978-3593509853

Wer das Buch in der Hand hält, besitzt einen kleinen Werkzeugkasten für die Arbeitswelt von morgen. Damit gewappnet könne man den großen Veränderungen des digitalen Zeitalters unbesorgt entgegentreten, verspricht Hofert: „Sie werden besser mithalten können.“
Die Probleme, die die Autorin dabei angehen will, sind altbekannt: Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern sich, neue Anforderungen prägen das Berufsleben, Maschinen übernehmen ehemals menschliche Fertigkeiten. Wo bleibt da noch Platz für den Menschen? Hofert ist da sehr direkt: Abhilfe schafft nur radikales Umdenken. Deshalb gilt es, sich durch Persönlichkeitsentwicklung auf wesentliche Werte zurückzubesinnen, so die Autorin.

Konformität, analytisches Prozessdenken und Regeleinhaltung sollen die Leser hinter sich lassen. Stattdessen gilt es, zurück zum „inneren Kind“ zu finden, zur japanischen Philosophie des Ikigai, was so viel bedeutet wie „der Grund, aus dem Sie morgens aufstehen“. Der optimistische Blick des Buchs tut gut: Digitalisierung ist eine Chance, wenn wir uns bewusst mit ihr auseinandersetzen.

Hofert sieht in ihr sogar die Lösung der großen Probleme der Menschheit: „Die Digitalisierung kann die Welt retten, weil sie uns die Chance gibt, uns auf wesentliche Herausforderungen wie die Bildung, Überbevölkerung, das Arm-Reich-Gefälle und die Folgen des Klimawandels zu konzentrieren.“ Wie aber die Entwicklung des Einzelnen zum Allheilmittel für alle werden soll, lässt die Autorin offen.

Angenehm überraschend ist, dass „Mindshift“ nicht mit dem bloßen Durchlesen der 312 Seiten endet: Nur wer die Übungseinheiten in den einzelnen Kapiteln wie beim Coaching absolviert, lernt über sich selbst. Hofert weckt die Lust auf Veränderung – zumindest bei jenen, die durch sechswöchige Übungen in Eigenregie an sich arbeiten wollen. Aber was, wenn dann doch alles anders kommt?

„Wenn sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern, muss es auch der Mensch tun“, so der Leitsatz. Wer aber daran glaubt, dass der Mensch sich nicht nur unterordnet, sondern die Arbeitswelt der Zukunft selbst mitgestaltet, sollte seine Zeit lieber dafür investieren.

Mareike Müller

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