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26.09.2019

14:38

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis

Wie eine Betrügerin über Jahre hinweg das Silicon Valley narrte

Von: Larissa Holzki

Mit ihrem Start-up „Theranos“ sammelte Elizabeth Holmes Milliarden ein. Doch der Erfolg baute auf einer Lüge auf. Ein Krimi aus dem Silicon Valley.

Ein Business-Magazin stellte sie einst in eine Reihe mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Nun drohen ihr bis zu 20 Jahre Gefängnis. Reuters

Elizabeth Holmes

Ein Business-Magazin stellte sie einst in eine Reihe mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Nun drohen ihr bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Düsseldorf Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das bedeutendste Werk wird auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Die zehn Finalisten auf der Shortlist werden in den Wochen vor der Buchmesse vorgestellt. Heute: „Bad Blood“ von John Carreyrou.

Darum geht es:

Der Stoff in „Bad Blood“ ist Wirtschaftskrimi-Material. Dabei ist keine Zeile erfunden. Silicon-Valley-Gründerin Elizabeth Holmes ist Anfang der 2000er mit ihrer Firma „Theranos“ angetreten, um ein ferngesteuertes Bluttestgerät zu bauen. Mit ihrer Vision, Menschen könnten – mit nur einem Tröpfchen Blut – die verschiedensten Krankheiten diagnostizieren, hat die junge Frau alle fasziniert: Ingenieure, Wissenschaftler, Geschäftspartner, Investoren, Militärs, Politiker und Juristen von allerhöchstem Rang.

Das Problem: Ihr Versprechen war glatt gelogen. Auch Holmes wusste das – aber sie wusste auch, wie sich die Lüge vertuschen ließ. Über Jahre hat sie nicht nur Unternehmen und Menschen um Geld betrogen, sondern auch in Kauf genommen, dass sich Patienten auf Basis ihres vermeintlichen Wunder-Tests für oder gegen Therapien entschieden.

Bad Blood ist aber nicht nur die Geschichte eines Unternehmens und seiner manipulativen Gründerin. Es ist auch ein Einblick in das Silicon Valley und seine Fake-it-till-you-make-it-Kultur. Zwar ist Theranos bei Weitem nicht das erste Start-up, das mehr versprochen hat, als es halten konnte. Seine Investoren und Beiräte sind nicht die Einzigen, die auf professionelle Vermarktung und die Aussicht auf eine große Gewinnbeteiligung reingefallen sind. Aber das Ausmaß und die Folgen der vermeintlichen Medizinrevolution sind besonders dramatisch.

Das ist der Autor:

John Carreyrou ist Investigativjournalist beim „Wall Street Journal“ und hat den Theranos-Skandal aufgedeckt. Mit den ersten Hinweisen auf die Betrügereien und Lügen bei dem Start-up wurde „Bad Blood“ seine Geschichte.

Vieles deutet darauf hin, dass Carreyrou und seine Informanten bei ihrer Arbeit beobachtet und eingeschüchtert wurden. Davon ließen sie sich jedoch nicht abschrecken. Seine Entdeckungen veröffentlichte Carreyrou nach und nach. Für die Berichterstattung hat er mehrere Journalistenpreise erhalten. Die Theranos-Geschichte wird außerdem verfilmt.

Es ist nicht der einzige Erfolg des Autors, der an der Duke University studiert und in Brüssel, Paris und New York gearbeitet hat. Für zwei andere seiner Wirtschaftsreportagen gewann er in den Jahren 2013 und 2014 den Pulitzer-Preis.

John Carreyrou: Bad Blood. Die wahre Geschichte des größten Betrugs im Silicon Valley.
DVA
München 2019
400 Seiten
24 Euro

Das überrascht:

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall der jungen Silicon-Valley-Unternehmerin Elizabeth Holmes und ihres Medizinstart-ups Theranos ist so unglaublich, dass der Leser zuweilen vergisst, dass es sich genau so zugetragen hat.

Der Autor arbeitet mit zahlreichen Belegen, die er anhand verschiedener Ereignisse zeithistorisch einordnet: Ein Business-Magazin veröffentlicht 2006 ein Porträt von Holmes in einer Reihe mit Jungunternehmer Mark Zuckerberg. Der Tod von Steve Jobs erschüttert 2011 die Technologiebranche. Der Begriff „Einhörner“ für Start-ups mit Bewertungen von einer Milliarde und mehr wird im Jahr 2013 geprägt – und Theranos überholt andere Kandidaten wie Uber und Spotify.

Es lohnt sich, diese erwähnten Zeitungsartikel und Ereignisse nachzulesen, denn sie erinnern daran, dass die Geschichte kein erfundener Kriminalroman ist.

Wer am Ende wissen will, wie es mit Elizabeth Holmes weitergeht, der muss sich nur bis ins nächste Jahr gedulden. Dann nämlich wird sie sich vor einem Bundesgericht in den USA verantworten müssen. Ihr drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

So viel versteht man:

Bad Blood ist kein Sachbuch im eigentlichen Sinne, es ist aber auch kein literarisches Meisterwerk. Fast protokollartig beschreibt der „Wall Street Journal“-Reporter Carreyrou die Entwicklung von Theranos, bei der unzählige Mitarbeiter zu Wort kommen, in Konflikte geraten und das Unternehmen wieder verlassen.

Man muss auch kein Labortechniker oder Chemiker sein, um zu verstehen, worum es geht: im Gegenteil. Der naturwissenschaftliche Laie kann umso besser nachvollziehen, warum der Betrug so spät aufgeflogen ist. In den vergangenen 20 Jahren wurde so viel Wundertechnologie in Büchsen entwickelt, dass man selbst auch diesem Zauber zu gern geglaubt hätte.

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