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12.07.2018

12:47

„Manhattanhenge“

Natur-Schauspiel zieht New York in seinen Bann

Von: Julian Schwerdt

Zweimal im Jahr steht die Sonne in einem besonderen Winkel zu den Häuserschluchten New Yorks und taucht sie in satte Farben. Tausende Besucher beobachten das Spektakel.

Manhattanhenge“: Natur-Schauspiel zieht New York in seinen Bann imago/ZUMA Press

„Manhattanhenge“ am 30. Mai 2018

Bei dem zweimal im Jahr auftretenden Naturereignis scheint sich das Licht der Sonne exakt an Straßenrastern und Wolkenkratzern zu orientieren.

New York New York wird vieles nachgesagt: Die Metropole an der Ostküste sei energiegeladen, gigantisch, überwältigend, zuweilen gar verrucht und durch die vielen Einwanderer und Touristen aus aller Welt ein wahrer „melting pot“.

Doch zweimal im Jahr passiert etwas Magisches: Ende Mai und Mitte Juli taucht die untergehende Sonne die Straßen New Yorks in ein Meer aus Farben. Dann fallen ihre Strahlen genau entlang der schnurgeraden Ost-West-Straßen in die Straßenschluchten der Stadt. Wie ein Feuerball frisst sich ihr Licht von Westen nach Osten und füllt das weltbekannte Straßennetz mit ihrer gewaltigen Wärme.

An diesen Tagen ist die Stadt noch voller als sonst. Autos stecken im Stau, Taxifahrer bereiten sich auf die chaotischen Minuten vor. Menschenmassen stehen auf den Straßen, fotografieren das Naturereignis und füllen ihre Instagram-Accounts mit Bildern. Selbst die New York Times veröffentlicht Tipps, wo und wie New Yorker am besten das Naturschauspiel erleben können.

New York im stillen Ausnahmezustand. Für einige Sekunden wirkt es, als bliebe die Zeit stehen.

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    Am 12. und 13. Juli ist es wieder soweit. Professionelle Fotografen und Hobby-Knipser bereiten sich auf das Naturereignis vor. Der New Yorker Hochzeitsfotograf Sascha Reinking weiß die Minuten für seine Motive zu schätzen: „Die Atmosphäre beim Manhattanhenge versuche ich jedes Jahr einzufangen. Glücklicherweise muss ich dafür noch nicht mal meine Wohnung verlassen. Aber auch Hochzeitspaare habe ich schon in der Szenerie fotografiert.“

    Im weichen Orange der Sonne haben Kameras und Smartphones Hochkonjunktur. (Archivfoto) AFP

    Im weichen Orange der Sonne haben Kameras und Smartphones Hochkonjunktur. (Archivfoto)

    Doch warum heißt das Spektakel „Manhattanhenge“? Um die Jahrtausendwende veröffentlichte der New Yorker Astrophysiker Neil deGrasse Tyson einen Artikel über das bildgewaltige Schauspiel im Magazin „Natural History“. Hier verwendete er zum ersten Mal die Bezeichnung, die er von Stonehenge ableitete, dem wohl in der Jungsteinzeit errichteten, weltbekannten Steinkreis im Süden Englands.

    Der kanalisiert auf einzigartige Weise das Sonnenlicht durch die Ausrichtung der Steine – ähnlich wie das Straßennetz New Yorks. Tausende Menschen feiern jedes Jahr am Unesco-Weltkulturerbe die Sommersonnenwende, den Beginn des Sommers.

    Für Guenter Maislinger, der seit vielen Jahren Touren durch die Metropole anbietet, ist es immer wieder ein besonderer Moment. „Es gibt Orte in der Stadt, die einen überragenden Blick auf das Ereignis ermöglichen. Letztes Jahr konnten wir unglaubliche Fotos schießen“, erinnert sich der Reiseführer, der schon Thomas Gottschalk und Udo Lindenberg die Stadt zeigte. Natürlich komme es aber auch auf das Wetter an: Wenn die Wolken tief stehen, ist der Blick verwehrt.

    Die Zuschauer hoffen das Beste. Eine gute Aussicht hat man beispielsweise auf der 42nd Street oder dem Pershing Square in der Nähe der Grand-Central-Station. Wer also am 12. und 13. Juli um 20:20 Uhr in New York noch nichts vorhaben sollte ...

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