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21.02.2018

08:03

Bkool Smart Pro 2 und Wahoo Kickr im Test

Wie Sie die Alpen im eigenen Wohnzimmer überqueren können

Von: Carina Kontio

Seit die Preise für smarte Rollentrainer gefallen sind, ist der Multimediaspaß für Jedermann erschwinglich. Worauf beim Kauf zu achten ist.

Seit die Preise für sogenannte smarte Rollentrainer gefallen sind, ist der Multimediaspaß für Jedermann erschwinglich. Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten müssen. Bkool

Multimedia-Radeln in den eigenen vier Wänden

Seit die Preise für sogenannte smarte Rollentrainer gefallen sind, ist der Multimediaspaß für Jedermann erschwinglich. Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten müssen.

Bonn Schnee, Regen, Nebel, Kälte, Nässe, Dunkelheit: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir läuft es angesichts solcher Witterungsbedingungen kalt über den Rücken. Warum also nicht in den eigenen vier Wänden trainieren? Seit die Preise für sogenannte smarte Rollentrainer gefallen sind, ist der Multimediaspaß für Jedermann erschwinglich. Wir haben zwei populäre Sportgeräte getestet und zeigen, worauf Sie beim Kauf achten müssen.

Während die Sonnenverwöhnten sich schon im Dezember in kanarische Trainingslager verabschieden und trainieren, wo andere Urlaub machen, bleibt den Daheimgebliebenen oft nur das Indoor-Training auf dem Spinning-Fahrrad im überfüllten Fitnessstudio. Andere schwitzen auf dem Ergometer im Schlafzimmer oder unten im fensterlosen Keller. Wer darauf bislang aber keine Lust oder kein geeignetes Studio in seiner Nähe fand, spulte die nötigen Grundlagenkilometer daheim auf der eigenen Magnetrolle ab.

Aber mal ehrlich: Das war in den vergangenen Jahrzehnten die Hölle, weil das Fahrgefühl auf den zusammenklappbaren Hinterbau-Sportgeräten, in die man sein Bike klemmte, absolut gar nichts mit Fahrradfahren zu tun hatte. Außerdem: Schweißflecken auf dem Laminat, kein Fahrtwind im Gesicht, keine Kühlung, keine Abwechslung - man musste bislang schon Freak sein, um daran volle Freude zu haben.

Was Radsport im Körper verändert

Körpersprache

Es scheint selbstverständlich: Wer seine sportliche Leistung verbessern will, trainiert regelmäßig. Doch was passiert eigentlich durch Radsport im Körper? Was genau verändert sich durch Training?

Das Herz arbeitet effizienter

Durch Ausdauersport vergrößert sich das Herz. Es kann pro Schlag deutlich mehr Blut in den Körper pumpen und damit mehr Sauerstoff in den Körper befördern. Das Herz schlägt dadurch zugleich langsamer und stärker, auch der Ruhepuls wird niedriger. Das Herz arbeitet insgesamt ökonomischer.

Die Atmung ist effektiver

Die Atemmuskulatur (Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur) passt sich an die Belastung an und wird effektiver. So können durchtrainierte Sportler bei gleichbleibender Atemfrequenz mehr Sauerstoff aufnehmen – sie kommen nicht so schnell aus der Puste.

Radsport macht glücklich

Fachleute schreiben dem Radfahren schon aufgrund der gleichmäßigen, zyklischen Bewegung eine massiv entspannende Wirkung zu. Dazu wird ein Sportler-Gehirn besser durchblutet, was zu besserer Konzentrationsfähigkeit führt. Durch die intensive muskuläre Betätigung schüttet der Körper auch mehr Endocannabinoide aus – körpereigene Substanzen, die einen rauschhaften Zustand hervorrufen können. Die Folge: Man fühlt sich wohler und spürt weniger Schmerz. Außerdem werden durch Sport mehr Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin ausgeschüttet – sie sind für Glücksgefühle verantwortlich.

Radsport hält jung

Ausdauersport ist ein Jungbrunnen - nicht nur aufgrund der besser durchbluteten Haut. Wer regelmäßig Sport treibt, bleibt auch motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als Bewegungsmuffel. Außerdem entspricht der Zustand der Gefäße und des Herz-Kreislauf-Systems von Ausdauersportlern meist denen von wesentlich jüngeren Nichtsportlern.

Bessere Feinmotorik

Abgesehen von der kräftigeren Muskulatur vor allem in den Beinen, schult ein gleichmäßiger Tritt auch das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. Die Feinmotorik wird verbessert, der Tritt ökonomischer.

Die Muskulatur wird leistungsfähiger

Ausdauertraining erhöht die Anzahl und Größe der Mitochondrien, die als Zellkraftwerke für Muskel-Power sorgen. Auch die Zahl der Blutgefäße nimmt zu, die Versorgung mit Sauerstoff wird verbessert. Ausdauertrainierte Muskeln können so die doppelte Menge Glykogen speichern, verbrennen sehr effektiv Fette und sind viel ermüdungsresistenter.

Radsport macht schlank

Wer regelmäßig Rad fährt, bringt seinem Organismus bei, auf die nahezu unerschöpflichen Fettreserven des eigenen Körpers zurückzugreifen. Vor allem lange Touren im Grundlagenbereich trainieren den Fettstoffwechsel. Als Energiequelle genutzt, verschwinden die Fettreserven an Hüfte und Bauch langsam, aber stetig.

Immunsystem wird gestärkt

Regelmäßiger Sport regt die weißen Blutkörperchen dazu an, fremde Erreger besonders effektiv abzuwehren. US-Forscher fanden heraus, dass aerober Ausdauersport sogar das Krebsrisiko senken kann, da die Aktivität der Abwehrzellen dauerhaft gestärkt wird.

Quelle

Tour Spezial 2018 - Besser Trainieren. Heft 2/2018

Aber die Zeiten von monotonem Pedalieren und stundenlangem Gegen-die-Wand-gucken sind vorbei. Es hat sich einiges getan in den letzten Jahren. Dank der Digitalisierung lässt sich der Langweile jetzt mit Multimedia auf den Pelz rücken. Die Sportgeräte wurden weiterentwickelt, modernisiert, billiger (was heute 800 Euro kostet, war vor zehn Jahren noch zehnmal so teuer) und mit Schnittstellen zu diversen Apps und Online-Plattformen verknüpft.

Dort warten nun echte Sparringspartner aus der ganzen Welt, virtuelle Touren, Videos von echten Rennstrecken und knackige Intervall-Programme. Rollentrainer der heutigen Generation sind richtige Wattmessgeräte mit unglaublich vielen Extras.

Damit sind die Geräte nicht mehr nur attraktiv für eingefleischte Triathleten und Rad-Profis, sondern für alle, die sich ohne viel Aufwand trotz Vollzeitjob fit halten und in kurzer Zeit möglichst effizient mit Action und Adrenalin trainieren möchten. Sie wissen ja: Man soll Körper und Kopf gleichermaßen fordern - genau das bieten die smarten High-End-Trainer. Andererseits sind Preise zwischen 800 und 1.200 Euro eine Stange Geld - lohnt sich das?

Folgende Smart-Trainer standen uns für drei Monate zur Verfügung: Der Kickr des amerikanischen Herstellers Wahoo, der direkt über die Kette des Fahrrads angetrieben wird. Preis: 1.199 Euro. Sowie von Bkool, einem spanischen Hersteller, den Rollentrainer Smart Pro 2 für 574 Euro, der am eigenen Hinterrad montiert wird. Wer macht das Rennen?

Top oder Flop? Smart Pro 2

Fangen wir mit dem Smart Pro 2 von Bkool an, der in einem sehr großen und schweren Karton (etwa zwölf Kilogramm) geliefert wird. Aber keine Angst, der Aufbau ist im Grunde kinderleicht, da es nur zwei Teile gibt, die ineinander gesteckt werden müssen. Okay, drei - der Stecker gehört noch in die Steckdose. Etwas fummeliger ist es, das Hinterrad in die Rolle zu bekommen - mit ein bisschen Übung werden die Handgriffe aber schnell zur Routine.

Da bei diesem Gerät das eigentliche Hinterrad nicht ausgebaut wird, empfiehlt es sich, vor dem ersten Stand-Radeln einen speziellen - meist blauen - Mantel aufzuziehen, der sowohl die Geräusche minimieren soll als auch bessere Abriebeigenschaften hat. So etwas kostet im Handel keine 30 Euro, macht sich aber durchaus bezahlt.

Bkool Smart Pro 2: Das Produkt in aller Kürze

Was ist es?

Der Smart Pro 2 ist ein intelligenter Rollentrainer für Zeitfahr-, Rennräder, Crosser und Mountainbikes, der Steigungen von bis zu 20 Prozent simulieren kann und bis zu 1.200 Watt erreicht.

Was sagt die Werbung?

"Das Training der Zukunft in Ihren eigenen vier Wänden. Bringen Sie Abwechslung in Ihr Training mit Hunderttausenden von Routen im 3D- und Videoformat, strukturierten Trainingssessions und Kursen, die von professionellen, weltweit anerkannten Trainern erstellt wurden." … "Spüren Sie die Kraft der Elemente dank der Realweather-Technologie."

Wer steckt dahinter?

Bkool ist ein spanischer Hersteller von stationären Indoor-Trainern, der nicht aus der Historie einer Radsportfirma entwachsen ist, sondern in den Köpfen ein paar enthusiastischer IT-Entwickler entstand.

Was ist gelungen?

Im Test überzeugt vor allem die ausführliche Trainingsplattform, die den Bkool Smart Pro 2 zu einem klugen Alleskönner macht. Das Fahrgefühl ist realistisch, das Gerät einfach in der Handhabung und kompakt zu verstauen.

Was ist nicht gelungen?

Nachgebessert werden sollte bei Stabilität der Software, die sich im Test leider regelmäßig, insbesondere, wenn man eine Einheit starten wollte, aufgehängt hat. Ebenfalls wäre es toll, wenn man seine Trainingsdaten schon in der App analysieren könnte und nicht erst in der Online-Plattform.

Was kostet das Gerät?

Der UVP beträgt derzeit 574 Euro. Darin enthalten ist eine dreimonatige Premium-Mitgliedschaft. Danach werden für alle Features etwa 10 Euro im Monat fällig.

Lohnt sich der Kauf?

Der Bkool-Rollentrainer ist ein solides und robustes Trainingsgerät für ambitionierte Hobbysporter, die Spaß an Action und Bewegung haben, sich online mit anderen Fahrern messen möchten und deren Budget bei 600 Euro die Schmerzgrenze erreicht. Am Preis-Leistungsverhältnis gibt es bei diesem Gerät nichts zu meckern.

Was beim Aufbau auffällt: Hier wurde zwar hübsch designt, das Material aber wirkt nicht ganz so wertig. Vor allem die seitlichen Drehschrauben, mit denen das Rad fixiert wird, sind ergonomisch nicht optimal durchdacht und es braucht einige Anläufe, bevor das Fahrrad nicht mehr wackelt und fest sitzt. Andererseits kostet der Rollentrainer mit 574 Euro auch nur knapp die Hälfte des Wahoo Kickr, der unter Experten als Referenz für diese Geräte gilt. Insofern passt das schon mit dem Preis-Leistungsverhältnis, denn auch nach intensivem Gebrauch ist alles an seinem Platz und der Smart Pro 2 schnurrt wie ein Kätzchen.

Bevor es aber auf die virtuelle Rennstrecke geht, braucht es entweder die kostenlose Bkool-App (für iOS und Android), mit der sich der Trainer via Bluetooth koppeln und bedienen lässt. Oder aber Sie richten sich am PC (dann wird die Rolle mit einem ANT+ USB-Stick und dem Rechner gekoppelt) online ein Profil auf der Bkool-Plattform ein. Dort haben Sie Zugriff auf 3D-Routen, Multiplayer-Challenges in Echtzeit, knallharte Workouts und über 1.200 Videos von Radstrecken auf der ganzen Welt. Zumindest dann, wenn Sie nochmal dafür bezahlen. Denn wie bei den meisten anderen Trainingsplattformen (Zwift, Tacx, Elite, Road Grand Tours & Co.) auch, fallen nach einem kostenlosten Test-Zeitraum über drei Monate monatliche Gebühren von etwa 10 Euro an, um alle Funktionen nutzen zu können.

Für ein effizientes Training sind Sie aber auch mit der kostenlosen App sowie den Basisfunktionen für PC oder Tablet gut gerüstet. Die App stürzt im Test obendrein deutlich weniger ab als die Online-Software auf dem Laptop, der vor meinem Rad auf dem Bügelbrett steht. Daneben: ein Standventilator, denn das smarte Training ist definitiv eine schweißtreibende Angelegenheit. Jetzt kann es los gehen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

21.02.2018, 09:04 Uhr

Wennn man sonst nichts besseres zu tun hat.....

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