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29.12.2021

12:35

50 Jahre Kunstmarktanalyse

Kunsthistoriker Christian Herchenröder: „Neunstellige Preise werden sich etablieren“

Von: Susanne Schreiber

Christian Herchenröder ist Pionier der Kunstmarktanalyse in Deutschland. Er spricht über Marktzäsuren, Spekulation sowie unter- und überbewertete Sammelgebiete.

Christian Herchenröder ist ausgebildeter Kunsthistoriker und Bariton. Von 1971 bis 2003 war er Leiter der Kunstmarktredaktion im Handelsblatt. Alexander Basta

Christian Herchenröder

Christian Herchenröder ist ausgebildeter Kunsthistoriker und Bariton. Von 1971 bis 2003 war er Leiter der Kunstmarktredaktion im Handelsblatt.

Berlin Im klassizistischen Interieur seiner Berliner Wohnung ist die Privatbibliothek mit Sammlungskatalogen die Herzkammer. Hier hat der Kunsthistoriker, der auch ausgebildeter Bariton ist, die entscheidenden Bücher sofort zur Hand, wenn das Gespräch auf Epochenwechsel kommt.

Herr Herchenröder, Sie überblicken 50 Jahre internationale Marktgeschichte und mehr. Wo liegen die zentralen Wendepunkte?
Der erste von vier Wendepunkten liegt vor meiner Zeit. 1958 wurde die Sammlung Goldschmidt mit nur acht Gemälden von Impressionisten bei Sotheby’s für umgerechnet 9,2 Millionen D-Mark versteigert. Das war ein unerhört hoher Preis und die Wiedergeburt des Londoner Marktes nach der langen Vorherrschaft von Paris.

Was führte nach der langen Hausse zur Baisse?
Von 1987 bis 1990 explodierten die Preise für die Kunst der Impressionisten vor allem durch japanische Käufer. Nach dem Mai 1990 brach der Markt vollkommen ein. Grund war der Kollaps des Immobilienmarktes in Japan.

Und die dritte Wende?
Das war 2008/2009 die Bankenkrise im Zuge der Pleite von Lehman Brothers. Mit dieser Baisse verband sich allerdings auch eine allmähliche Ausschaltung der Markttransparenz durch Privatverkäufe und Garantien. Zwei Drittel einer Galaauktion sind oft schon vorab durch Garantien ‚verkauft‘.

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    Worin sehen Sie die vierte grundlegende Veränderung?
    Sie liegt in der Digitalisierung des Kunstmarktes in der Corona-Phase ab 2020.

    Ein zentraler Wendepunkt liegt in der Digitalisierung des Kunstmarktes in der Corona-Phase ab 2020. Sotheby's

    Auktionssaal

    Ein zentraler Wendepunkt liegt in der Digitalisierung des Kunstmarktes in der Corona-Phase ab 2020.

    Ist sie gelungen?
    Das muss sich langfristig zeigen. Klar ist aber, dass die Auktionshäuser durch ihre globalen Digitalstrategien Händlern und Galeristen immer mehr Käufer wegnehmen: Durch das Vordringen in den Markt für zeitgenössische Kunst und durch Privatverkäufe. Sotheby’s und Christie’s eröffneten in der Pandemie an Orten, an denen sich Reiche tummeln, zusätzliche Galerien und verkaufen dort atelierfrische Kunst.

    Nehmen wir die Messen in den Blick: Wann sind dort Epochenwechsel zu verzeichnen?
    Entscheidend sind die 1980er-Jahre. Da ist die Messe „Art Basel“ international gewachsen durch den Großauftritt amerikanischer Galerien. In den 1990er-Jahren dann wuchs die „Tefaf“-Messe in Maastricht von den Altmeistergemälden über Silber bis zu hochwertigen Möbeln.

    Wo liegen die Wendepunkte der Auktionsgeschichte?
    Die gravierendste Veränderung besteht in der schleichenden Verdrängung der Händler aus den Auktionen. Seit den 1990er-Jahren sprechen Auktionshäuser Sammler direkt an. Heute gehen so gut wie alle Top-Ten-Werke aus bedeutenden Versteigerungen direkt an Privatsammler. Ende der 1990er-Jahren verstärkten Christie’s und Sotheby’s auch den Anteil zeitgenössischer Kunst in den Prestigeauktionen. Denn da gibt es keine Nachschubprobleme. Auch die Dominanz der Contemporary Art hat sich schleichend abgezeichnet. Sprunghaft angestiegen ist die zeitgenössische Kunst aber nach 2008. Nach der Lehman-Pleite erwartete man, dass die aktuelle Kunst in den Keller saust. Doch das Gegenteil war der Fall. Immer mehr Milliardäre sind in dieses Sammelgebiet eingestiegen.

    Vita

    Christian Herchenröder

    (*1942) ist ausgebildeter Kunsthistoriker und Bariton. Von 1971 bis 2003 war er Leiter der Kunstmarktredaktion im Handelsblatt.

    Bücher

    Die Kunstmärkte ( Verlag Wirtschaft und Finanzen 1979)

    Die neuen Kunstmärkte (Verlag Wirtschaft und Finanzen 1990)

    Kunstmärkte im Wandel (Verlag Wirtschaft und Finanzen 2000)

    Meistergraphik Graphikmarkt. Sammeln. Preis. Geschmack. (Verlag Kunst & Antiquitäten 1983)

    Wie erklären Sie die Resilienz in der Krise?
    Die Ursache dafür liegt in der unwahrscheinlich starken Vermehrung des Gelds in den letzten zwei Jahrzehnten. Viele Neukunden sind nicht als Liebhaber-Sammler in den Markt eingestiegen, sondern als Investoren, animiert durch steigende Preise für Top-Werke. Kurzfristig steigende Preise weckten deren Renditebewusstsein.

    Woran lässt sich das ablesen?
    Seit 2000 und noch stärker seit 2010 sind die Ruhezeiten für Bilder im zweistelligen Millionenbereich immer kürzer geworden. Spitzenbilder kommen inzwischen in ganz kurzen Abständen zurück. Zum Beispiel Andy Warhol: Ein Selbstporträt von 1963, das 6,8 Millionen Dollar im Jahr 2011 erlöst hatte, wurde 2014 für 11,3 Millionen Dollar zugeschlagen.

    Das nennt man Spekulation.
    Deren stärkste Anzeichen sind, wie man bei Warhol sieht, ein kurzfristig explodierender Preis und die schnelle Wiederkehr in Auktionen. Das lässt sich bei vielen Blue Chip-Künstlern beobachten, die von allen Superreichen gesammelt werden. Das jüngste Beispiel ist Peter Doig, dessen großformatiges Ölbild „Swamped“ 2002 noch 322.500 Dollar erzielte und im November 2021 für 39,8 Millionen Dollar versteigert wurde.

    Wo liegt das Ende der Preisspirale?
    Warhol-Werke werden in Kürze über 100 Millionen Dollar bringen. Und auch die 200-Millionen- Grenze ist für Marktlieblinge nicht ausgeschlossen. Wenn das Geld so ‚billig‘ bleibt wie es ist, und immer mehr Vermögende in Kunst aus Renditegründen investieren, dann etablieren sich neunstellige Preise. Daran wird auch die Inflation nichts ändern, allenfalls ein Krieg der Supermächte.

    Welche Gattung ist heute Marktfavorit?
    Schon länger hat die Malerei die Fotokunst abgelöst. Junge, modebewusste Sammler zielen auf starkfarbige Malerei, egal ob abstrakt oder figurativ. Hauptsache das Werk ist schon von Weitem sichtbar und springt den Betrachtenden förmlich an. Viele Künstler wollen mit ihrem Werk auffallen. Das spiegelt die Art Basel besonders gut.

    Werke der hoch begehrten Künstler werden schnell wieder in die Auktionen eingeliefert. Ein Beispiel liefert das großformatige Ölgemälde „Swamped“, das 2002 noch 322.500 Dollar erzielte. Im November 2021 wurde es erneut eingeliefert und für 39,8 Millionen Dollar versteigert (Ausschnitt). Christie's; VG Bild-Kunst, Bonn 2021

    Peter Doig

    Werke der hoch begehrten Künstler werden schnell wieder in die Auktionen eingeliefert. Ein Beispiel liefert das großformatige Ölgemälde „Swamped“, das 2002 noch 322.500 Dollar erzielte. Im November 2021 wurde es erneut eingeliefert und für 39,8 Millionen Dollar versteigert (Ausschnitt).

    Hat das damit zu tun, dass Sammeln früher mit Kennerschaft verbunden war, heute aber mit Geld?
    So ist es. Neben finanzieller Potenz spielt auch das Sensationsbedürfnis eine Rolle. „Sensation“ hieß schon 1997 die Ausstellung des Werbegurus und Großsammlers Charles Saatchi. Der Titel umreißt sein Sammelkonzept vollständig.

    Ein Meilenstein der Marktgeschichte war 1967 die bis heute existierende Art Cologne. Was war ihr Geburtsfehler?
    Unter dem Namen ‚Kölner Kunstmarkt‘ traten nicht mehr als 18 deutsche Galeristen mit ausschließlich zeitgenössischer Kunst an. Sie wurden aber von nicht zugelassenen Galeristen als Kartell beschimpft und bekämpft. Doch nicht das war der Fehler, sondern ihr Angstdenken. Das führte dazu, dass sie keine internationalen Kollegen zuließ.

    Die deutschen Pop Art-Galeristen wollten das Geschäft mit Kunst aus den USA selbst abschließen.
    So war es. Der Ausschluss war eine Steilvorlage für die Art Basel. Sie ging 1970 als internationale Messe für zeitgenössische Kunst an den Start. Die Messe in Köln blieb mehr oder minder eine nationale Messe mit einem Einzugsgebiet in den Beneluxländern.

    Auktionator Markus Krause versteigert Max Beckmann und Otto Dix zu Spitzenpreisen. René Fietzek; VG Bild-Kunst, Bonn für Dix

    Versteigerung bei Grisebach

    Auktionator Markus Krause versteigert Max Beckmann und Otto Dix zu Spitzenpreisen.

    Mitte der 1980er-Jahre entstand ein neues deutsches Auktionshaus in Berlin. Was war der Gründungsimpuls für das Unternehmen Villa Grisebach?
    Die fünf Gründer hatten die Stärkung des deutschen Auktionsmarktes im Blick. Damals veranstalteten Christie’s und Sotheby’s Auktionen mit Expressionisten und mit der damals noch verkaufsstarken Kunst des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Topware sollte in Deutschland gehalten und von hier aus in die Welt versteigert werden.

    Heute ist deutsche Kunst im Weltkunstmarkt ein „Brand“. Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner und Gerhard Richter sind begehrte Trophäen. Als Sie anfingen, war das ein lokaler Markt. Wodurch hat sich das geändert?
    Das stimmt nicht ganz. Der deutsche Expressionismus hatte seit den 1960er-Jahren Weltgeltung. Galerien wie Marlborough im angelsächsischen Bereich und Ernst Beyeler in Basel setzten sich für ihn ein. Sammler wie David Rockefeller, Hans-Heinrich von Thyssen und Stavros Niarchos erwarben die teuersten Werke. Unter anderem auch in den Auktionen von Roman Norbert Ketterer. Dort brachte 1961 ein Nolde-Aquarell den Superpreis von 39.000 D-Mark. Den bewilligte Baron Thyssen.

    Wodurch hat sich die Wertschätzung der deutschen Kunst geändert?
    Große Museums-Ausstellungen in New York, London und Paris wirkten wie ‚Augenöffner‘. In dem Moment, in dem Kataloge und neueste Forschung auf Englisch verfügbar war, vergrößerte sich der Kreis der Interessenten.

    Gibt es weitere Gründe?
    Die Pflicht zur Wiedergutmachung nach der Verfemung der Moderne durch die Nationalsozialisten wurde in Deutschland, aber auch im Ausland gesehen. Und darüber hinaus haben die wiederkehrenden starken Preise gezeigt, dass diese Kunst eine Dauerströmung ist.

    Bis zum Mauerfall war es für die internationale Karriere eines deutschen Künstlers wichtig, auch in den USA gezeigt zu werden. Auf wen traf das zu?
    Joseph Beuys erhielt 1979 seinen Ritterschlag im Guggenheim Museum in New York. Und Gerhard Richter stellte 1990 gleichzeitig in den Galerien Sperone Westwater und Marian Goodman aus. 1995 erwarb das Museum of Modern Art in New York den Zyklus, „18.Oktober 1977“, der den Suizid der Baader-Meinhof-Führungsspitze thematisiert.

    Richter ist zwar etwas in der Preisspitze gesunken, wird aber eine Topposition halten. Beuys jedoch hat zwar Kunstgeschichte geschrieben, aber keinen Markt.
    Das liegt daran, das kein großes, erstrangiges museales Werk verfügbar war und sein wird. Beuys hat zu Lebzeiten viel in Museen gegeben. Etwa durch Verkäufe an die Privatsammler Karl Ströher und Walther und Helga Lauffs. Von Beuys figurieren nur die vervielfältigen Multiples auf dem Markt.

    Das heißt, Beuys‘ geschickte Vermarktungsstrategie, Werkgruppen an wenige Sammler zu geben, funktionierte zu Lebzeiten gut, nicht aber nach seinem Tod.
    Klar. Es war kaum noch etwas im Atelier.

    Neben den Stars gibt es immer auch unterschätzte Künstler. Wer war lange wohlfeil zu erwerben?
    Jahrzehntelang war die italienische Barockmalerei der Caravaggisten stark unterbewertet. Seit 2000 stehen die Nachfolger der Hell-Dunkel-Malerei von Caravaggio hoch im Kurs. Ausstellungen und Auktionen haben den Blick verändert. Gleiches gilt für die italienische Goldgrundmalerei.

    Und im 20. Jahrhundert?
    Unter den Bildern der Avantgarden war die Neue Sachlichkeit wohlfeil zu haben. Erst durch ein paar kenntnisreiche Sammler haben sich die Preise in den letzten zehn Jahren nach oben bewegt.

    Welche Sammelgebiete sind heute aus dem Blick geraten und preiswert zu erstehen?
    Kauft deutsches Porzellan der Manufakturen KPM, Meissen, aber auch Frankenthal und Wien. Christie’s und Sotheby’s haben keine eigenen Experten mehr dafür. Die Angelsachsen packen diese Kunstwerke in Internetauktionen. Wo das Wissen nicht mehr vorhanden ist, wird der kenntnisreiche Sammler noch fündig.

    Und welche Gemälde sind noch wohlfeil?
    Unterbewertet ist die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert, abgesehen vom sich gerade verteuernden Symbolismus. Bei der Schule von Barbizon, der Düsseldorfer und Münchener Schule sind selbst erste Maler günstig zu haben. Auch der Impressionist Max Slevogt ist im Verhältnis etwa zu Max Liebermann unterbewertet.

    Der Künstler zählt zu den „Direktzündern“. Er bringt das mit, was Markt und Sammler haben wollen. Ropac

    Adrian Ghenie „Jungles in Paris“

    Der Künstler zählt zu den „Direktzündern“. Er bringt das mit, was Markt und Sammler haben wollen.

    Sie empfehlen antizyklisches Sammeln.
    Kostenbewusste Sammler steigen ein, bevor der Hype da ist. Sie sind kenntnisreich und wissen, dass sie Positionen sammeln, die durch die Kunstgeschichte abgesichert sind. Aktuell sind zum Beispiel viele Stillleben auf dem Markt, da kann man eine phantastische Sammlung aufbauen. Ihre Preise liegen weit unter denen, die in den 1990er-Jahren dafür aufgewendet werden mussten.

    Wer sind in der Rückschau Künstlerinnen und Künstlern, die einst sehr beliebt waren, dann aber verschwanden?
    Victor Vasarely etwa war ab den 1960er-Jahren der führende Op Art-Künstler und hoch bezahlt. Aktuell kommen einzelne Arbeiten in Auktionen. Und finden wieder Anklang. Vasarely hat wieder Zukunft. Die Trittbrettfahrer der Op Art und der Pop Art aber erlangen keine Bedeutung mehr.

    Bekommen die Vorübergehend-Populären eine zweite Chance?
    Die Wiederentdeckung geschieht durch eine neue Sammlergeneration, die eine völlig andere Sicht auf die Kunst hat, als die Generation davor.

    Was sollte jemand tun, der Kunst von so einem einst Gefeierten erbt?
    Da empfiehlt es sich ein namhaftes Auktionshaus aufzusuchen und einen kleinen Teil versuchsweise versteigern zu lassen. Und in folgenden Auktionen immer wieder etwas hineingeben, um das Interesse zu wecken. Der Erbe kann sich auch um eine Ausstellung in einer passenden Galerie bemühen.

    In der Kunstgeschichte spricht man gern vom Kanon. Was ist das?
    Der Kanon beschreibt die ultimative Bekanntheit eines Künstlers.

    Wie bildet der sich aus?
    Um wirklich bekannt zu werden, braucht ein Werk mindestens zwanzig bis dreißig Jahre. Dann ist es gewachsen und gereift und man kann beurteilen, ob es eine zeitlose Bedeutung hat.

    Gibt es Ausnahmen?
    Ja, es gibt auch die Direktzünder. Die bringen das mit, was Markt und Sammler haben wollen.

    Zum Beispiel?
    Caravaggio mit seiner dramatischen Lichtregie. Aber auch Rembrandt, Caspar David Friedrich, Claude Monet und Pablo Picasso wären zu nennen. Unter den Zeitgenossen haben Adrian Ghenie auf Anhieb überzeugt, aber auch Jeff Koons, Katharina Grosse und Alicja Kwade.

    Was braucht es, damit ein künstlerisches Werk nicht nur kurzfristig den Zeitgeist illustriert, sondern eingeht in die Kunstgeschichte?
    Neben dem kraftvollen, möglichst wandelbaren Werk braucht es auch immer durchsetzungsstarke Galeristen. Sie müssen für ihre Schützlinge Geld in die Hand nehmen, in Auktionen mitbieten, Ausstellungen, Werke und eine breiten Internetauftritt finanzieren. Galeristen müssen Sammler ansprechen und sich für die Vermarktung international vernetzen. Neben der Marktpräsenz sind aber vor allem viele Museumsausstellungen mit ihren Katalogen unerlässlich.

    Sie betonen die Rolle des Galeristen als Königsmacher. Wer von außen auf den Kunstmarkt schaut, kann oft mit der Unterscheidung in Primär- und Sekundärmarkt nichts anfangen.
    Den Primärmarkt bauen Galerien für ihre Stammkünstler und Werke frisch aus dem Atelier auf. Von Sekundärmarkt spricht man, wenn diese Künstler aus zweiter Hand vermarktet werden: Also in Auktionen oder von Allroundgaleristen, von Sammlern oder Händlern verkauft werden, die Generalisten sind und keine Stammkünstler pflegen.

    Moden kommen und gehen. Wie lautet Ihr Tipp für den Einstieg in die Nachkriegskunst?
    Die deutsche Abstraktion der 1950er- und 1960er-Jahre ist noch preiswert zu haben. Willi Baumeister ist vielseitig und doch unterbewertet, unverständlicherweise.

    Woran liegt das?
    Wie bei vielen deutschen Künstlerinnen und Künstlern bräuchte es auch bei Baumeister mehr internationale Ausstellungen. Die Internationalisierung fehlt, obwohl Baumeister schon in den 1920er-Jahren in Paris ausgestellt hat.

    Die große Entdeckung in der Kunst waren 2021 die NFT. Wie geht es weiter?
    Wenn die Kryptowährungen mal richtig einbrechen, dann wird es auch vorbei sein mit dieser Sammelmode. Nach einer explosiven Periode der Non Fungible Token, wie jetzt, wird eine Ernüchterung eintreten. Es gibt dabei viel schwache Kunst. Beeple aber hat sich mit einem starken Programm eingeschrieben in die Kunstgeschichte.
    Herr Herchenröder, vielen Dank für das Interview.

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