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25.05.2022

12:22

Alte Kunst

Auktionen bei Lempertz: Superpreis für eine „Bauernhochzeit“

Von: Christian Herchenröder

Holländische Genremalerei findet in Köln wider Erwarten Gefallen. Begehrt sind auch Silber, Meissner Porzellan und exquisite Möbel.

Ein belgischer Sammler bot für die „Bauernhochzeit“ 350.000 Euro. Lempertz

Jan Miense Molenaer

Ein belgischer Sammler bot für die „Bauernhochzeit“ 350.000 Euro.

Köln In diesem Frühjahr war es bei Lempertz wie so oft in Auktionen Alter Kunst. Bei den Gemälden stiegen die Preise für Lose, von denen man es nicht erwartet hatte, kometenhaft. Prominentere Stücke taten sich schwerer.

Das Hauptwerk der Altmeister-Auktion, B.E. Murillos signierte „Rosenkranzmadonna“ wurde nach Aussage des Hauses zum Vorbehaltszuschlag von brutto 1,16 Millionen Euro an einen Sammler abgegeben, der das Bild in ein Museum geben will. Das Gemälde wartet mit stattlicher Provenienz und erschöpfender Literatur auf.

Einen Superpreis für eine großformatige „Bauernhochzeit“ des Genremalers Jan Miense Molenaer sind die von einem belgischen Sammler gebotenen 350.000 Euro. Der ließ sich auch die unmittelbar folgende „Fröhliche Bauerngesellschaft“ von H.M. Sorgh für 150.000 Euro zuschlagen: Aufwind für die holländische Genremalerei? Es zeigte sich hier noch eine Retro-Tendenz. Drei im Werkverzeichnis dokumentierte Gemälde von Jan van Goyen wurden für 60.000 bis 162.500 Euro von Sammlern aufgenommen.

Ein starker Preis sind die 212.500 Euro, die von einem belgischen Sammler für das brillante Tafelbild „Die Messe des Hl. Gregor“ eines südniederländischen Meisters um 1500 geboten wurden. Der Erlös dieses Gemäldes wird mit dem von 13 weiteren, von einer Sammlung in Monaco eingelieferten Bildern, für humanitäre Hilfe in der Ukraine gespendet.

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    Einen ungeahnten Aufschwung haben zwei Gemälde des 17. Jahrhunderts zu verzeichnen. „Der Philosoph“ eines bislang nicht identifizierten italienischen Caravaggio-Nachfolgers stieg dank amerikanischem Privatgebot von 23.000 auf 156.250 Euro. Und ein makelloses signiertes Vanitas-Stillleben des Leidener Meisters Edwaert Collier aus einer Leipziger Restitution wurde von von 8000 auf 125.000 Euro gehoben. Auch dieses Gemälde wandert in eine belgische Sammlung.

    Das Vanitas-Stillleben des Leidener Meisters wurde von von 8000 auf 125.000 Euro gehoben. Lempertz

    Edwaert Collier

    Das Vanitas-Stillleben des Leidener Meisters wurde von von 8000 auf 125.000 Euro gehoben.

    Beim Kunstgewerbe gab es kaum Probleme. Nicht nur das Silber, bei dem das Kölner Haus schon qua Masse Marktführer ist, verkaufte sich zügig. Auch die breite Offerte Meissner Porzellans wurde dicht beboten. Nur das in feuervergoldeten Bronzen montierte Figurenporzellan blieb auf der Strecke: eine deutliche Absage an die Rocaille. Dafür waren die besten Möbel der Auktion wieder mal begehrt.

    In der dreitägigen Versteigerungsfolge wurden brutto 8,6 Millionen Euro umgesetzt; die meisten Lose gingen an Privatkunden. Der Handel ist nach Aussage des Auktionators Henrik Hanstein nach der Covid-Pause „noch schwach auf der Brust“.

    Marktanalyse: Tipps für kostenbewusste Sammler: Kunst zwischen Hype und Abstellgleis

    Marktanalyse

    Tipps für kostenbewusste Sammler: Kunst zwischen Hype und Abstellgleis

    Millionenpreise für neue und jüngste Kunst vernebeln den Blick für die Bandbreite unterbewerteter, meist älterer Kunst.

    Mit dem für insgesamt 1,05 Millionen Euro zu 90 Prozent abgesetzten Schmuck begann die Auktionsserie. Beim Kunstgewerbe erzielten den höchsten Silberpreis ein Paar Maronenschalen des Pariser Goldschmieds Charles Nicolas Odiot aus dem frühen 19. Jahrhundert. Deren Aufsätze sind als augentäuschende Damastservietten gearbeitet. 62.500 Euro (Taxe bis 20 000) setzte ein deutscher Sammler ein. Ein museales Régence-Besteck im originalen Lederfutteral ging für 57.500 Euro ins Augsburger Museum.

    Vierstellige Zuschläge dominierten das reiche Porzellanangebot. Mit 26.250 Euro wurde ein von Ignaz Preissler mit mythologischem Dekor in Eisenrot bemaltes Koppchen mit Untertasse zum meistbegehrten Objekt (Taxe bis 10.000 Euro). Keine Absatzprobleme hatten die über 50 Lose kobaltblauen Meissener Porzellans aus einer rheinischen Privatsammlung, für die es Gebote bis Australien und New York gab.

    Das in den 1770er-Jahren mit Blumenmarketerie geschmückte Zylinderbureau überrundete mit 118.750 Euro deutlich seine Schätzung. Lempertz

    David Roentgen

    Das in den 1770er-Jahren mit Blumenmarketerie geschmückte Zylinderbureau überrundete mit 118.750 Euro deutlich seine Schätzung.

    Als die Möbel ausgeboten wurden, kam eine exzeptionelle Aufsatz-Schreibkommode des frühen 18. Jahrhunderts mit hellem Chinoiserie-Dekor und Rothschild-Provenienz mit 60.000 Euro auf die untere Taxe. Käufer ist ein Münchner Sammler. Ein in den 1770er-Jahren mit charakteristischer Blumenmarketerie geschmücktes Zylinderbureau von David Roentgen überrundete mit 118.750 Euro deutlich seine Schätzung. Es geht in eine norddeutsche Sammlung.

    Ein exzeptionelles Ziermöbel ist ein klassizistisches, dem württembergischen Ebenisten Johannes Klinkerfuß zugeschriebenes „Universal-Nécessaire“ auf dreifüßigem Ständer, das von 8000 auf 45.000 Euro stieg. Unerwartete 30.000 Euro erzielte eine an zehn Telefonen gewünschte vergoldete Pendule des Empire mit liegender Bacchantin, die statt der geschätzten 10.000 mit Aufgeld 30.000 Euro einspielte. Zum Zuge kam ein Berliner Privatsammler.

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