Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

21.10.2021

15:17

Antiquitäten in München

Kunstmesse Highlights in München: Neustart mit Zuversicht

Von: Regine Müller

Münchens Edelmesse „Highlights“ rechnet mit Kauflust nach überstandener Pandemie. Im Angebot hat sie Hochkarätiges aus fast allen Sammelgebieten und Epochen.

Tom Postma, der auch die Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht gestaltet, hat der Edelmesse den angemessenen Anstrich gegeben. Highlights Internationale Kunstmesse München

Auf der Highlights-Messe in München

Tom Postma, der auch die Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht gestaltet, hat der Edelmesse den angemessenen Anstrich gegeben.

München Das Wetter in München ist herbstlich durchwachsen, aber die Stimmung beim ersten Rundgang ist glänzend. Der Hamburger Galerist Thole Rotermund, der als Mitglied des „Working Circles“ an der Organisation der „Highlights Internationale Kunstmesse München“ maßgeblich beteiligt ist, bekennt zur Begrüßung, durch die Pandemie seien doch die meisten „einigermaßen gut durchgekommen“.

Rotermund freut sich, nicht weniger als 47 Aussteller – darunter einige Neuzugänge – präsentieren zu können und sogar neue potente Sponsoren, darunter Audi, gewonnen zu haben. Neben den staatlichen Hilfspaketen zur Aufrechterhaltung der Galeriebetriebe in der Coronakrise wären die Händler außerdem mit einem weiteren Förderprogramm für Messekosten unterstützt worden. „Gerade unsere Neuaussteller wären ohne diese Förderung wohl nicht so animiert gewesen“, so Rotermund.

Nachdem die „Highlights“ im vergangenen Jahr, dem ersten Pandemiejahr, nur reduziert stattfinden konnte und ein Ausweichtermin im Frühjahr kurzfristig abgesagt werden musste, ist in der Residenz wieder ein vollständiges Programm zu sehen. Das Angebot in der gediegenen Messearchitektur von Tom Postma schlägt einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart, mit Schwerpunkten auf der Klassischen Moderne, Antiquitäten, Porzellan und Schmuck.

Die Kölner Galerie Boisserée, spezialisiert auf Grafik und Kunst auf Papier, zeigt ein Blatt von Pablo Picasso für 180.000 Euro, eine seltene, fein gearbeitete Kohlezeichnung von Andy Warhol für 54.000 Euro, aber auch Zeitgenossen wie Alex Katz und Julien Opie.

Bei den Porzellan-Anbietern Röbbig und Langeloh Porcelain sind exquisite Meissen-Objekte zu erstehen, darunter bei Röbbig drei Vasen für August den Starken. Die teuerste von 1725/28 liegt bei 220.000 Euro. Bei Langeloh gibt es einen seltenen, frühen Meissen-Teller von 1721 für 65.000 Euro.

Der "Sommergarten" ist ein Hingucker, der seinen Preis hat: 1,35 Millionen Euro sind für das 1935 Ölgemälde zu berappen. Beck & Eggeling; Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde

Emil Nolde

Der "Sommergarten" ist ein Hingucker, der seinen Preis hat: 1,35 Millionen Euro sind für das 1935 Ölgemälde zu berappen.

Im reichen Antiquitäten-Angebot des Bamberger Handels präsentiert Christian Eduard Franke unter anderem eine Pariser Bronze-Kartelluhr von J. B. Baillon um 1730 aus Holsteiner Privatbesitz für 68.500 Euro und eine exzellent erhaltene Spindler-Kommode für 285.000 Euro.

In der auf bewusst kleinem Raum virtuos arrangierten Koje der Kunstkammer Georg Laue springt ein höfisches Trinkschiff unmittelbar ins Auge: Die teilweise feuervergoldete Preziose aus Silber in Form eines Segelschiffs auf vier Rädern von etwa 1640 diente bei Tisch als Scherzgefäß.

Der Schiffsbauch wurde mit Wein gefüllt und auf der Tafel hin- und hergerollt, das Trinkrohr mit tierkopfförmigem Ausguss diente eher der Belustigung der Beobachter als dem Genuss des bekleckerten Trinkers.

Die zierliche, ungeheuer detailreiche Arbeit des Nürnbergers Georg Müllner ist eine Rarität aus Schweizer Besitz. Laue, der sie erstmals auf der Messe zeigt, veranschlagt 160.000 Euro. „Das ist ein Museumsobjekt“, sagt Virginie Spenlé aus Georg Laues Team. Ein vergleichbares Stück aus gleicher Werkstatt sei im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen, „und tatsächlich hatten wir auch schon Anfragen aus Museen“.

Emil Nolde allüberall vertreten

Direkt aus dem Museum Ratingen kam das wohl kostspieligste Objekt der Messe nach München: Günther Ueckers zwei mal zwei Meter große, umwerfend expressive Nagelarbeit „Feld“ von 1997 steht bei Beck & Eggeling zum Verkauf. Nach Angaben der Galerie stammt sie aus einer „wichtigen deutschen Sammlung“, die das Werk dem Museum als Dauerleihgabe anvertraute.

„Ganz frisch“ in Kommission der Galerie, soll das starke Großformat 2,7 Millionen Euro kosten. Galerist Michael Beck: „Das ist natürlich ein museales Werk, aber diesen Preis kann sich heutzutage kein Museum mehr leisten, es sei denn, es findet einen Sponsor.“ Beck zählt bereits auf ein erstes Angebot eines potenten Londoner Sammlers. Ein weiterer Höhepunkt der Düsseldorfer Galerie ist Emil Noldes Ölgemälde „Sommergarten“, das direkt aus der Nolde-Stiftung an die Galerie ging, Kostenpunkt: 1,35 Millionen Euro.

Ungeachtet der kontroversen Diskussionen über Noldes Nazi-Verstrickungen, die vor zwei Jahren durch eine Berliner Ausstellung aufkamen und sogar die Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu ermunterten, die Nolde-Bilder in ihrem Büro abzuhängen, ist Nolde auf der Messe „geradezu überproportional“ vertreten, wie Galerist Klaus Schwarzer konstatiert.

Das teuerste Stück bei Schwarzer ist eine kleinformatige Abstraktion von Gerhard Richter aus dem Jahr 1985. Sie soll 385.000 Euro kosten. In Schwarzers kleiner Koje fesselt den Blick außerdem eine Berliner Straßenszene mit raffinierter Lichtführung von Lesser Ury für 225.000 Euro und ein sogenanntes „Heilandsgesicht“ von Alexej von Jawlensky für 268.000 Euro. Ein Hingucker ist auch Andy Warhols Siebdruck „Joseph Beuys, State II“ für 62.000 Euro.

Highlights-Messe in München: Kunsthändler beweisen Mut zum Risiko

Highlights-Messe in München

Kunsthändler beweisen Mut zum Risiko

In München hat die elegante Kunst- und Antiquitätenmesse „Highlights“ trotz der Pandemie eröffnet. Sie will damit ein Zeichen setzen. Der Standort lebt und hat etwas zu bieten.

Das herausragende Werk des Nolde-Angebots der Messe aber präsentiert Ludorff mit dem rätselhaften Ölbild „Huldigung“ in magisch intensiver Farbregie. Es liege mit 1,45 Millionen Euro preislich eher im Mittelfeld, so der Galerist. Das Bild stammt aus der Sammlung von Noldes zweiter Ehefrau Jolanthe und war zuvor als Dauerleihgabe im Brücke-Museum zu sehen.

Galerist Manuel Ludorff will von einer Pandemiekrise nur bedingt etwas wissen: „Wir hatten in den letzten zehn Jahren fast keine so starke Phase wie jetzt, aber das ist zu begrenzen auf den Bereich der Klassischen Moderne. Man kann sagen: je etablierter, je klassischer, desto besser.“

Der Münchener Galerist Alexander Kunkel, zugleich Geschäftsführer der Messe, zeigt als wichtigstes Werk seines Angebots Max Klingers Querformat „Venus im Muschelwagen“, das 250.000 Euro kosten soll. An einer dicht gehängten Themenwand mit Kunst aus Paris vor dem Ersten Weltkrieg findet sich ein delikates, frühes Werk von Lionel Feininger, „Die Türme von Notre Dame“, für 86.000 Euro.

Kunkel beschreibt die Stimmung als beinahe „euphorisch“ und nennt dafür auch einen politischen Grund: „Ich glaube, dass sich die Situation auch durch den Ausgang der Bundestagswahl beruhigt hat.“ Kein politischer Erdrutsch, kein drohender Börsencrash, denn „wir selber können noch so viel Vorlaufarbeit leisten, aber wenn etwas kommt, das die Welt aus den Angeln hebt, dann war alles umsonst.“

Die „Highlights Internationale Kunstmesse München“ läuft bis 24. Oktober in der Residenz München. Öffnungszeiten sind Donnertag bis 22 Uhr, Freitag und Samstag 11 bis 20 Uhr, Sonntag bis 11 bis 18 Uhr.

Mehr: Kunst & Antiquitäten in München: Auftakt im Haus der Kunst: Entdeckungen an 49 Messeständen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×